Kinoerfolge, die endlich im Netz zu sehen sind, TV-Klassiker, die eine neue Staffel bekommen: Jeden Monat fassen wir zusammen, welche Serien und Filme neu bei Netflix und Co. sowie in den Mediatheken zu sehen sind. Der Streamingfahrplan.
Worauf wir uns im August freuen
»Ted Lasso«, die Rückkehr
Kann uns ausgerechnet ein Fußballtrainer in die Gleichberechtigung führen? Ikkimel würde vermutlich verneinen. TV-Liebling Ted Lasso versucht es trotzdem. In der vierten Staffel der gefeierten Apple TV+-Serie wird er erstmals ein Frauenteam trainieren. Von der Supermarktkasse in Kansas geht es zurück zum Londoner Fußballverein A.F.C Richmond. Mit Erfolg? Ab 5. August ist die vierte Staffel »Ted Lasso« bei Apple TV+ zu sehen.
»The Shards« auf Disney+
Hayes Warner als Debbie Schaffer in »The Shards«: Moralischer Zerfall
Foto: FX / DisneyAbseits versöhnlicher Fußballtrainer musste in den vergangenen Jahren oft die Welt der Reichen und Schönen herhalten, um gesellschaftliche Abgründe und moralischen Zerfall zu erzählen. In »Saltburn«, »The White Lotus« – und jetzt in »The Shards«. Blut und Kaviar liegen eben eng aneinander. Ich-Erzähler Bret erzählt aus dem Alltag einer privilegierten Gruppe Teenager im schillernden L.A. der Achtzigerjahre. Schnell wird klar, dass unter der glitzernden Oberfläche gefährliche Abgründe warten.
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In der Romanvorlage von 2023 schrieb Erfolgsautor Bret Easton Ellis (»American Psycho«) vermeintlich über Ereignisse seiner eigenen Jugend – in stark abgewandelter Form versteht sich. Doch die vermeintlich autobiografische Erzählung kippt und wird bald zu einer verstörenden Fiktion. Philipp Oehmke nannte das in seiner SPIEGEL-Rezension 2023 »triumphal« . Ab dem 6. August ist »The Shards« auf Disney+ zu sehen, dann wird sich zeigen, ob die Serienadaption mithalten kann.
»Mein eigenes Kind« auf Netflix
Ana Celeste Montalvo als Alejandra in »Mein eigenes Kind«: Alles beginnt mit einer harmlosen Lüge
Foto: Courtesy of Netflix / 2026 / NetflixDer Dokumentarfilm »Mein eigenes Kind« erzählt dagegen einen realen Skandal: 2009 wurde der Fall von Eleonor Alejandra Marín Mendoza in Mexiko zum Medienspektakel. Unter dem Druck, unbedingt schwanger werden zu wollen, täuschte die Mittzwanzigerin nach mehreren Fehlgeburten ihrer Familie eine Schwangerschaft vor – und brach schließlich das Gesetz. Die chilenische Dokumentarfilmerin Maite Alberdi (»The Mole Agent«) stieß zufällig bei einer Recherche im Gefängnis auf Alejandra und beschloss, ihre Geschichte zu erzählen. »Mein eigenes Kind« bewegt sich zwischen Fiktion und Dokumentarfilm: Die dramatischen Schilderungen von Alejandra erzählt Alberdi im Stil einer (sehr pinkfarbenen) Telenovela. Ein ungewöhnlicher Film über einen unglaublichen Skandal – aber auch über den gesellschaftlichen Druck, Kinder zu bekommen. Ab 13. August ist er bei Netflix zu sehen.
»Selling Sex« in der ARD-Mediathek
Ella Morgen als Nelly in »Selling Sex«: Wie weit ist sie bereit zu gehen?
Foto: ARD Degeto Film / Mia Wallace ProdBereits seit einiger Zeit gibt es zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und Tabuthemen rund um Sex Annäherungsversuche. Und so ist es gar nicht mehr so schockierend, dass eine neue ARD-Serie ab August einen differenzierten Blick auf das Thema Sexarbeit wirft. Die junge, ehrgeizige Studentin Nelly beginnt darin als Escortdame zu arbeiten und trifft auf die unterschiedlichsten Kunden und Kolleginnen. Das berührt Fragen zu Selbstbestimmung und Unabhängigkeit – und kommt ganz ohne Klischees aus. Nicht zuletzt durch Marie C. König, die mit Miriam Dehne Regie führte und in »Selling Sex« auch ihre eigenen Erfahrungen als Escort einfließen ließ. Die sechs Folgen sind ab 28. August in der ARD-Mediathek zu sehen.
Was im August anläuft – die Übersicht
Was sich aktuell lohnt (und was nicht)
»Kaulitz & Kaulitz« auf Netflix
Tom und Bill Kaulitz: Wird es heute ein neuer Ferrari oder ein Haus?
Foto: Griswold Media / David Avalos / NetflixDer Sommer ist immer eine gute Zeit, um in Altbekanntem herumzublättern wie in einem Sommerbuch am Strand. Und was könnte sommerlicher sein, als mit Bill Kaulitz an seinem neu gebauten Pool in L.A. zu sitzen und dabei zuzuhören, wie er sich mit seinem Bruder Tom über sein Liebesleben zankt? Die Zwillinge, die einst mit ihrer Schülerband »Tokio Hotel« zu Weltstars wurden, sind in den vergangenen Jahren so etwas wie die Mäuse der Nation geworden. Auch die dritte Staffel »Kaulitz & Kaulitz« begleitet Bill und Tom bei inszeniertem Spaßprogramm. Dabei kann man bei so viel Geld, Seichtigkeit und Egozentrik den Kopf schütteln – aber man verzeiht den beiden am Ende doch. Trotz aller Dekadenz wird es zudem zumindest kurz politisch, wenn Bill und Tom von den rechten Anfeindungen ihrer Kindheit erzählen. In Loitsche, Sachsen-Anhalt, wo sie als Kinder noch die bunten Außenseiter waren, sprechen sie mit alten Mitschülern – und behalten dabei eine Versöhnlichkeit bei, die 2026 selten, aber wichtiger denn je geworden ist.
»Furious« auf Disney+
Emmy Rossum als FBI-Agentin Alice in »Furious«
Foto: Sarah Shatz / DisneyWenig Versöhnlichkeit findet sich in der Thrillerserie »Furious«. Es geht um Rache, sexuelle Gewalt und Selbstjustiz. FBI-Agentin Alice (Emmy Rossum) ist einer jungen Serienmörderin auf der Spur, die es ausschließlich auf wohlhabende Männer abgesehen hat. Ein packender Thriller, der im Schatten der Epstein Files einen unangenehmen, realen Unterton gewinnt – lebte doch auch dessen Netzwerk von mächtigen, wohlhabenden Männern. In »Furious« sterben sie nun einen qualvollen Tod. Regisseurin Elizabeth Meriwether schenkt dem durchgekauten Serienkiller-Genre etwas Neues: weibliche Wut.
Schafe sind die neuen Helden – »Glennkill« (Prime Video) und »Sheep« (ZDF-Mediathek)
Schafe in »Glennkill: Ein Schafskrimi«: »Mäh!«
Foto: Amazon MGM Studios / dpaStatt Männern sind sprechende Schafe, so scheint es, die neuen Helden der Stunde. Eben erst im Kino angelaufen, gibt es die Schafskrimiverfilmung »Glennkill« seit Juli auf Prime Video zu sehen. Buch und Film erzählen, wie eine Herde Schafe den gewaltsamen Tod ihres Schäfers aufklärt. Das ist rührend und albern gleichzeitig – ein gemütlicher Sonntagsausflug unter den sonst so actionreichen Kinofilmen.
Sind Schafe vielleicht einfach die besseren Helden? »Glennkill: ein Schafskrimi«, schreibt SPIEGEL-Redakteur Wolfgang Höbel in seiner Rezension , sei »der Beweis, welcher Spezies die Königin und der König der komischen Kinotiere eigentlich angehören«. Und auch das ZDF hält seit Juli in seiner Mediathek eine neue Schafs-Perle bereit: In der österreichischen Comedyserie »Sheep« glaubt eine Herde fälschlicherweise daran, die Menschen domestiziert zu haben. Das erzählt wenig über Schafe und viel über das menschliche Naturell, Verschwörungstheorien und Marotten. Blökende Philosophie mit österreichischem Dialekt – gar nicht so mäh, wie man meinen würde.
Streamingtipp aus dem Archiv
»Sehnsucht in Sangerhausen« auf MUBI
Szene aus »Sehnsucht in Sangerhausen«: »Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Region im klimatisierten Kleinbus«
Foto: GrandfilmAuch Politisches kann leichtfüßig und im Sommer erzählt werden. Das beweist nicht zuletzt der besondere Film »Sehnsucht in Sangerhausen«, des Berliner Regisseurs Julian Radlmaier.
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4 Min
In der namensgebenden ostdeutschen Kreisstadt unweit des Mansfelder Landes begegnen sich eine iranische YouTuberin und eine Kellnerin mit gebrochenem Herzen. Sie wollen raus aus beengten Lebensverhältnissen, suchen nach einem besseren Leben. Ihre Suche und der Zufall führen sie in die Berge, auf Geisterjagd.
Die ungewöhnliche Komödie verbindet Politik und Romantik, Novalis, AfD und Kyffhäuser. Für das Verständnis des Films sei es aber nicht entscheidend, ob man jede Anspielung verstehe, schrieb SPIEGEL-Redakteurin Hannah Pilarzcyk 2025 in ihrer Rezension : »Nur das Wissen, dass deutsches Kino auch so sein kann – so lustig, klug und von den besten Gespenstern der Geschichte heimgesucht – das sollte man aus ›Sehnsucht in Sangerhausen‹ schon mitnehmen.«
