SpOn 06.08.2026
16:24 Uhr

Leipzig: Für Sprengstoff-Drohne wurde Semtex verwendet


Die am Flughafen Leipzig/Halle gefundene Drohne war nach SPIEGEL-Informationen unter anderem mit dem Plastiksprengstoff Semtex bestückt. Innenminister Dobrindt will sich nach dem Vorfall mit ausländischen Amtskollegen beraten.

Leipzig: Für Sprengstoff-Drohne wurde Semtex verwendet

Für den Sprengsatz der am Flughafen Leipzig/Halle gefundenen Drohne wurde nach SPIEGEL-Informationen auch der Plastiksprengstoff Semtex verwendet. Semtex gelangte während des Kalten Kriegs mehrmals in die Hände von Terroristen – so wurde der Sprengstoff beim Lockerbie-Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug über Schottland im Dezember 1988 verwendet.

Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht zum Mittwoch auf der Start-und-Lande-Bahn »Südpiste« am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat ausländische Kollegen zu einem Treffen eingeladen, wie das Innenministerium bestätigte. Zu dem Treffen Ende August in der Flensburger Marineschule Mürwik sollen den Angaben zufolge Minister der osteuropäischen EU-Staaten sowie der Ostseeanrainerstaaten kommen. Mit dabei wären demnach die Minister aus den baltischen Staaten, Polen, Schweden, Norwegen und Dänemark. Ziel der Beratungen ist laut Ministerium die Koordinierung einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie gegen unbemannte Flugsysteme und die Stärkung des Schutzes kritischer Infrastruktur.

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Nach dem Drohnenfund war auf dem Flughafen ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, das wegen der Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet war. Bei der Maschine seien nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt worden, hieß es. Die Suche nach diesem zweiten Objekt sollte nach Angaben des Landeskriminalamtes fortgesetzt werden.

Die Zahl der Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Bundesweit wurden an den 15 internationalen Verkehrsflughäfen in den ersten sechs Monaten 166 der Flugobjekte gemeldet, wie aus Zahlen der Deutschen Flugsicherung (DFS) hervorgeht. Im ersten Halbjahr 2025 waren 101 Fälle registriert worden. Die meisten Vorfälle gab es in diesem Jahr am Berliner Hauptstadtflughafen BER (28) und am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main (27). In Leipzig/Halle wurden 18 unerlaubte Fluggeräte gesichtet.

Rufe nach Klärung der Verantwortlichkeit

Mehrere Innenminister forderten einen besseren Schutz für die Flughäfen und mehr Befugnisse für die Betreiber kritischer Infrastruktur. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul verlangte eine schnelle Festlegung darauf, wer bei ähnlichen Fällen wann genau zuständig ist: »Wir können nicht mehr länger warten: Wir müssen klären, wer für die deutsche Luftsicherheit zuständig ist. Länderpolizeien, Bundespolizei, Luftverkehrsbehörden und Bundeswehr müssen wissen, wann wer eingreifen darf, kann und muss.«

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp, hat darauf gedrungen, die Drohnenabwehr zur klaren nationalen Zuständigkeit zu machen. »Der Vorfall in Leipzig macht deutlich, dass sich die Bedrohung durch Drohnen nicht mehr auf militärische Konflikte beschränkt. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln können sie den öffentlichen Raum und kritische Infrastruktur erheblich gefährden«, sagte Röwekamp der »Rheinischen Post« (Freitag). »Jetzt muss die Politik die richtigen Konsequenzen ziehen. Wir brauchen eine klare nationale Zuständigkeit für die Abwehr von Drohnen, schnellere Entscheidungsstrukturen und eine moderne technische Ausstattung der Sicherheitsbehörden«, sagte der CDU-Politiker.

svs/dpa