Friedrich Merz, Bundeskanzler:
»Ich stelle mir natürlich die Frage, wie es so weit kommen konnte, was die Gründe dafür sind, dass wir den Rechtspopulismus und den in weiten Teilen rechtsextremen Rechtspopulismus so weit haben kommen lassen. Ich suche auch die Gründe hier in Deutschland. Ich suche sie natürlich auch bei uns, ich suche sie bei mir. Aufgeben ist für mich keine Option.«
Roland Nelles, SPIEGEL:
»Merz gibt sich nach dieser Wahlniederlage seiner Partei einerseits geknickt, aber auf der anderen Seite auch kämpferisch. Er will den Eindruck vermitteln, dass er verstanden hat, dass er jetzt seine Politik besser erklären will. Aber gleichzeitig beharrt er auch darauf, seinen Reformkurs durchzusetzen. Also, es ist eine doppelte Botschaft, wenn man so will: Ich kämpfe weiter, ich habe verstanden. Ich sehe nur bei Merz im Augenblick noch nicht so richtig, wie er eigentlich seine Politik besser erklären will. Das ist nicht zu erkennen.«
Friedrich Merz, Bundeskanzler:
»Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich bin mit diesen Überlegungen noch nicht zu Ende, sondern ich denke darüber seit geraumer Zeit nach. Und der gestrige Tag gibt nun allemal Veranlassung dazu, das noch intensiver zu bedenken.«
Roland Nelles, SPIEGEL:
»Er selbst sagt, er will darüber nachdenken, aber es ist ihm zu wünschen, dass er den Nachdenkprozess dann bald abschließt und dann tatsächlich auch mit klaren Antworten kommt.
Die CDU, Merz, die stecken ja in einem Dilemma. Natürlich könnten sie jetzt dazu übergehen und sagen: Wir wechseln den Kanzler aus. Nur, was wäre dann eigentlich gewonnen? Ein neuer Kanzler, eine neue Kanzlerin, die würde genau die gleichen Probleme anpacken müssen. Es gibt sehr großen innen- und außenpolitischen Druck auf die Regierung. Es gibt einen schwierigen Koalitionspartner.
In Wahrheit muss man sich natürlich, muss sich die Union die Frage stellen, und ich glaube, es ist eine berechtigte Frage, ob dieser Kanzler eigentlich der richtige Kanzler in dieser Zeit ist.
Wahrscheinlich bräuchte die Union einen jüngeren Kanzler, einen jüngeren Kandidaten. Jemanden, der die Social-Media-Welt verstanden hat, vielleicht ist das der bessere Weg. Nur eins ist auch sicher: Ein gutes TikTok zu machen, heißt noch nicht, dass man auch ein guter Kanzler und ein guter Regierungschef ist.
Das werden wir wahrscheinlich auch bei Ulrich Siegmund sehen. Wenn er Ministerpräsident wird, dann muss er erst mal beweisen, ob er wirklich seine ganzen Versprechen einhält.«