Bereits zum dritten Mal binnen einer Woche hat das US-Militär eigenen Angaben zufolge in der Nacht Ziele in Iran angegriffen. Die Attacken seien eine Reaktion auf einen Angriff der iranischen Revolutionswächter auf das unter zyprischer Flagge fahrende Containerschiff »GFS Galaxy« in der Straße von Hormus, schrieb das zuständige US-Regionalkommando Centcom auf X mit.
Gegen 4.30 Uhr deutscher Zeit verkündete Centcom das Ende der Angriffe. Man habe 140 militärische Ziele in Iran getroffen, schrieb das Regionalkommando auf X. Unter den Zielen seien Raketen- und Drohnenstellungen gewesen, Munitionslager, Kommunikationszentralen und Küstenüberwachungsanlagen.
At 7:15 p.m. ET today, U.S. Central Command forces began launching the third round of strikes this week against Iran after Islamic Revolutionary Guard Corps forces blatantly attacked M/V GFS Galaxy, a Cyprus-flagged container ship transiting the Strait of Hormuz. A civilian crew…
— U.S. Central Command (@CENTCOM) July 11, 2026
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Die Revolutionswächter hatten vor Beginn der US-Angriffe mitgeteilt, Warnschüsse auf ein Schiff in der Meerenge abgegeben zu haben, das die maritime Sicherheit gefährdet habe.
Mehrere Schiffe hätten zuvor versucht, eine nicht genehmigte Route zu befahren und Aufforderungen ignoriert, ihre Route zu korrigieren, teilten die Revolutionswächter über ihren Kanal Sepah News auf Telegram mit.
Infolge dieses Vorfalls werde die Straße von Hormus bis auf Weiteres und bis zum Ende der US-amerikanischen Eingriffe in der Region geschlossen bleiben. Die Durchfahrt sei verboten. Sollte der »Aggressor« neue Angriffe gegen Iran starten, hieß es an die USA gewandt, werde man mit weiteren Angriffen auf »feindliche Stützpunkte« in der Region reagieren.
Alarm in mehreren Golfstaaten
Nach neuen US-Angriffen ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Katar am Sonntag Alarm ausgelöst worden. Die Flugabwehr in den Vereinigten Arabischen Emiraten war nach Angaben des Verteidigungsministeriums gegen Raketen und Drohnen im Einsatz. In Bahrain ertönte Luftalarm. Bahrains Innenministerium rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und sich in Sicherheit zu begeben.
In Katars Hauptstadt Doha waren Explosionen zu hören, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Sie beobachteten Abfangmanöver über Doha. Die Menschen wurden in Nachrichten auf ihren Handys aufgefordert, zu Hause und an sicheren Orten zu bleiben.
Die Hoffnung auf eine baldige Einigung über einen geordneten Schiffsverkehr in der Meerenge dürfte sich nach den gegenseitigen Attacken zunächst zerschlagen haben. Aussicht auf eine Entspannung der Lage am Golf gibt es vorerst nicht.
Besatzungsmitglied vermisst
Ein ziviles Besatzungsmitglied des von Iran beschossenen Schiffs »GFS Galaxy« wurde laut Angaben von Centcom vermisst. Das Schiff sei wegen eines Feuers an Bord sowie erheblicher Schäden im Maschinenraum nicht in der Lage, seine Reise fortzusetzen. Nach Information des Britischen Militärs hat die Besatzung das in Brand geratene Containerschiff verlassen.
Centcom erklärte auf X, Iran habe mit dem Angriff auf das Schiff eine weitere Gelegenheit verpasst, sich an das Mitte Juni mit den USA ausgehandelte Rahmenabkommen zu halten. Teheran habe versagt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf X, Iran habe eine schlechte Entscheidung getroffen. »Jetzt muss er dafür bezahlen.«
Iran made a poor choice. Now they pay. https://t.co/8m4fEfgrXv
— Pete Hegseth (@PeteHegseth) July 11, 2026
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Iranische Medien wie der englischsprachige Sender Press TV berichteten über Explosionen in der Hafenstadt Buschehr und anderen Orten im Süden des Landes entlang des Persischen Golfs.
Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen soll. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der für den Handel wichtigen Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe. Trotzdem kam es immer wieder zu neuen Angriffen.
Oman mit Vorschlag für freie Schifffahrt
Eigentlich hatten die USA Medienberichten zufolge ein Bekenntnis Irans zu einer freien und sicheren Schifffahrt in der Straße von Hormus gefordert und Teheran dafür eine Frist bis Samstag gestellt, wie mehrere US-Medien berichteten. Die iranische Führung solle öffentlich versichern, dass die Meerenge offen sei und Iran von Angriffen auf Handelsschiffe absehe, schrieben unter anderem das Portal »Axios« und das »Wall Street Journal« unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Daraus dürfte nun nichts mehr werden.
Oman hat einem Medienbericht zufolge zudem einen Vorschlag zur gebührenfreien Durchfahrt der Straße von Hormus vorgelegt. Demnach soll der Schiffsverkehr auf der südlichen Route wie vor dem Krieg ohne Gebühren möglich sein, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Ein »Axios«-Reporter bestätigte den Vorschlag auf X. Auf der nördlichen Route entlang der iranischen Küste wären laut CNN Genehmigungen Teherans nötig, allerdings ebenfalls keine Gebühren fällig.
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran sieht vor, dass Teheran sich mit Oman in Abstimmung mit den Anrainerstaaten über die künftige Verwaltung der Meerenge einigen soll. US-Präsident Trump hatte eine Maut dabei mehrfach als inakzeptabel bezeichnet.
Der Konflikt im Nahen Osten: Zwischen den USA und Iran eskaliert die Gewalt. Trotzdem glaubt der Iranexperte Ali Vaez, dass die Verhandlungen weitergehen. Ein neuer Krieg würde härter geführt werden als zuvor .
