SpOn 10.03.2026
14:55 Uhr

Iran-Krieg: Öl- und Gaspreise fallen – doch der Sprit wird teurer


Während Rohöl und Gas nach Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu einem angeblich raschen Ende des Golfkriegs wieder günstiger wurden, klettern die Preise an der Zapfsäule weiter. Mineralölkonzerne wehren sich gegen Abzockevorwürfe.

Iran-Krieg: Öl- und Gaspreise fallen – doch der Sprit wird teurer

In Deutschland sind die Spritpreise zu Wochenbeginn weiter gestiegen. Am Montag kostete nun auch Superbenzin der Sorte E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro pro Liter. Das geht laut der Nachrichtenagentur dpa aus Zahlen des ADAC hervor.

Der Tagesdurchschnittspreis von 2,028 Euro pro Liter bedeutete eine Erhöhung von Sonntag auf Montag um weitere 4,4 Cent. Das ist der höchste Wert für die Benzinsorte seit Mai 2022. Damit ist der Kraftstoff inzwischen 25 Cent teurer als vor Kriegsbeginn. Auch am Dienstagmorgen wuchs der Preis weiter an. Ein Liter E10 kostete im bundesweiten Schnitt 2,095 Euro. Für gewöhnlich ist Sprit in der Früh am teuersten.

Auch Diesel verteuerte sich am Montag deutlich auf 2,171 Euro pro Liter. Das waren 5,4 Cent mehr als am Sonntag und 42,5 Cent mehr als vor Kriegsbeginn. Dienstagmorgen betrug der Preis für einen Liter Diesel 2,237 Euro. Die Spritpreise bewegen sich derzeit auf einem ähnlichen Niveau wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Von den Rekorden kurz nach dem Kriegsausbruch sind sie aber noch um die 15 Cent entfernt.

EU lehnt Lockerung der Sanktionen gegen russisches Öl zur Senkung der Preise ab

Einer der hauptverantwortlichen Auslöser für die erhöhten Treibstoffkosten ist der gestiegene Ölpreis infolge des US-Angriffs auf Iran. Rohöl der Sorte Brent war zu Beginn der Woche zeitweise auf bis auf knapp 120 US-Dollar gestiegen. Das ist gleichbedeutend mit dem höchsten Stand seit Sommer 2022.

US-Präsident Donald Trump kündigte angesichts der steigenden Preise an, einige Ölsanktionen aussetzen zu wollen. Deswegen kam in der EU sogar die Frage auf, ob man nicht die Sanktionen gegen russisches Öl lockern solle. Angesprochen darauf, wollte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis jedoch nichts davon wissen; eine Lockerung wäre »kontraproduktiv« und würde »Russlands Fähigkeit zur Kriegsführung stärken«, sagte er. Und weiter: »Wir müssen weiter maximalen Druck auf Russland ausüben.«

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Am Montag setzte im Handelsverlauf jedoch bereits eine Gegenbewegung ein. Der Ölpreis sinkt also wieder. Allerdings ist unklar, wie schnell sich diese Entwicklung in geringeren Spritpreisen niederschlägt. Angesichts der großen Unruhe und Verunsicherung im Markt sei es schwierig, Prognosen abzugeben, heißt es vom ADAC. Es sei zu befürchten, dass der sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt eintrete. Er beschreibt, dass Kostensteigerungen rasch an die Verbraucher weitergegeben werden, sinkende Kosten dagegen eher langsam.

Indes hat die Mineralölwirtschaft in Deutschland Vorwürfe, wonach Verbraucher ausgenutzt würden, zurückgewiesen. Zuletzt hatte etwa der Tankstellenverband den Konzernen eine Mitschuld an den hohen Preisen gegeben. Auch Politiker hatten ihnen wegen der unmittelbaren und massiven Preiserhöhungen für Diesel und Benzin »Abzocke« vorgeworfen. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie in Berlin erklärte, die Preise an den Tankstellen könnten »leider nicht so schnell sinken, wie sie steigen«. An den Zapfsäulen seien nicht die Rohölpreise ausschlaggebend, sondern die Produktpreise für Benzin und Diesel in Europa. »Hier sehen wir noch keine Entspannung.«

Sobald sich die Lage im Nahen Osten und nachfolgend an den europäischen Produktmärkten entspanne, würden auch die Tankstellenpreise sinken, erklärte der Verband.

Entspannung bei Öl- und Gaspreisen nach Trump-Äußerungen

Indes haben sich die Preissenkungen beim Öl durch Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump am Montagabend beschleunigt. Trump hat ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten in Aussicht gestellt. Der US-Sender CBS News hatte ihn mit den Worten zitiert: »Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet.« Am Dienstagmorgen wurde Rohöl der Sorte Brent mit Lieferung im Mai bei 93,14 Dollar je Barrel gehandelt und damit knapp sechs Prozent unter dem Niveau vom Vortag. Im Vergleich zu der Zeit vor dem Beginn des Kriegs Ende Februar ist der Rohstoff aber immer noch knapp 30 Prozent teurer. Auch der Gaspreis fiel nach der Ankündigung von Trump.

Beobachter deuten die Äußerungen von Trump als Versuch, die Märkte zu beruhigen und öffentlich zu signalisieren, dass Schritte zur Beendigung des Kriegs möglich seien. Allerdings machte der US-Präsident keine konkreten Angaben. Zudem nannte er keine weiteren Details zum Plan, Tanker durch die Straße von Hormus am Persischen Golf zu eskortieren.

Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist durch den Krieg praktisch zum Erliegen gekommen. Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt.

tsc/hba/dpa/AFP