SpOn 23.07.2026
08:12 Uhr

Integration: Beschäftigung von Zuwanderern in der EU erreicht Rekordwert


Rechtsgerichtete Populisten behaupten immer wieder, dass Zuwanderer nur wegen der sozialen Zuwendungen nach Deutschland kommen. Die Zahlen widerlegen das.

Integration: Beschäftigung von Zuwanderern in der EU erreicht Rekordwert

In der Europäischen Union (EU) sind einer Studie zufolge mehr Zuwanderer als je zuvor berufstätig. Im vergangenen Jahr stieg der Anteil der erwerbstätigen Migranten von 67,8 auf ​68,2 Prozent, wie die Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) am Donnerstag mitteilte. Demnach erreichte die Beschäftigungsquote ein Rekordhoch und setzte den stetigen Aufwärtstrend der ‌Vorjahre fort.

»Der Anteil der Zuwanderer in Beschäftigung steigt seit vielen Jahren, und die Zahlen liegen nahe an denen ​der einheimischen Bevölkerung«, sagte Tommaso Frattini, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand. Dennoch bleibe erhebliches Arbeitsmarktpotenzial ungenutzt, insbesondere bei Frauen ⁠aus Nicht-EU-Ländern und Hochqualifizierten.

»Die Herausforderung besteht heute ​nicht mehr darin, Zuwanderer einfach nur in ⁠Arbeit zu bringen.«

Der ⁠Studie zufolge bestehen erhebliche Unterschiede je nach Herkunftsregion der Zuwanderer und Aufnahmeländern. In weiten Teilen Europas weisen Migranten, die in anderen EU-Mitgliedstaaten geboren wurden, Beschäftigungsquoten auf, die denen der einheimischen Bevölkerung entsprechen oder diese sogar übersteigen. ‌Die von Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern variieren hingegen von Land zu Land deutlich ​stärker. Sie sind ‌besonders hoch in Malta (83,7 Prozent), Tschechien (77,3 Prozent) und Irland (76,1 Prozent). Am niedrigsten sind sie in Belgien (58,5 Prozent) und Finnland (58,6 Prozent).

In Deutschland liegt die Beschäftigungsquote von Nicht-EU-Zuwanderern den Angaben zufolge bei 66,1 Prozent (Einheimische: 79,6 Prozent, EU-Zuwanderer: 78,6 Prozent). In Österreich beträgt sie 65,4 Prozent (Einheimische: 76,1 Prozent, EU-Zuwanderer: 76,0 ‌Prozent).

Mehr zum Thema

Die verbleibende Beschäftigungslücke konzentriert sich zunehmend auf bestimmte Gruppen und nicht mehr auf Einwanderer insgesamt, hieß es. Eine Lücke besteht beispielsweise bei Frauen mit Nicht-EU-Herkunft. Deren Beschäftigungsquote bleibt deutlich hinter der von ‌im Inland geborenen Frauen und der von ​Frauen aus anderen EU-Ländern zurück. Hochqualifizierte Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern ‌finden der Analyse zufolge in weiten Teilen Europas deutlich seltener eine ‌Beschäftigung als Einheimische mit ​gleichem Bildungsniveau.

»Europa hat bemerkenswerte Fortschritte bei der Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt erzielt«, sagte Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin. »Die Herausforderung besteht heute ​nicht mehr darin, Zuwanderer einfach nur in ⁠Arbeit zu bringen.« Vielmehr müsse sichergestellt werden, ​dass ihre Qualifikationen ​voll ausgeschöpft werden. Eine bessere Anerkennung ausländischer Qualifikationen, der Abbau unnötiger Zertifizierungshürden und eine höhere Erwerbsbeteiligung von Nicht-EU-Frauen könnten dazu beitragen, den Arbeitskräftemangel zu ‌lindern

mik/Reuters