SpOn 18.03.2026
11:25 Uhr

Immobilien: Erneut deutlich mehr Baugenehmigungen für Wohnungen


Die Krise auf dem Bau endet: Ein deutlicher Anstieg der Genehmigungen im Januar macht der angeschlagenen Baubranche Hoffnung – und könnte den Wohnungsmarkt in Zukunft entlasten.

Immobilien: Erneut deutlich mehr Baugenehmigungen für Wohnungen

Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen ist zu Jahresbeginn weiter angestiegen. Im Januar gab es mit 19.500 Genehmigungen für Wohnungen rund 8,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Der krisengeplagte Wohnungsbau hatte 2025 eine Trendwende geschafft: Nach drei ‌Minusjahren in Folge stieg vergangenes Jahr die Zahl der Baugenehmigungen erstmals wieder. Höhere Zinsen und Materialkosten hatten in den drei Vorjahren viele Bauherren abgeschreckt.

Experten warnen aber vor neuen Risiken durch den anhaltenden Irankrieg. »Die gestiegenen Kraftstoffpreise und damit die steigende Inflation dämpfen die Bauaktivität über zwei Kanäle«, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie ​und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. So könnte die Europäische Zentralbank zu Zinserhöhungen gezwungen sein. »Dies führt zu höheren Bauzinsen, ⁠was Wohnungsbau weniger ⁠bezahlbar macht«, warnte Dullien. Zum anderen drohe ein Kaufkraftentzug durch höhere Energiepreise, sprich weniger Geld zum Bau eines Eigenheims.

Dieselpreis treibt Baukosten

Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver ‌Müller, sorgt sich angesichts der höheren Kraftstoffpreise ebenfalls. »Da rund 40 Prozent des Energieverbrauchs im Baugewerbe auf Diesel entfällt, sind die Unternehmen unmittelbar betroffen«, sagte er. Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA erklärte, dass die Baukosten zwischen 2015 und Ende ​2023 um rund 60 ‌Prozent gestiegen seien. Nach Beginn der russischen Ukraineinvasion vor mehr als vier Jahren waren die Energiepreise schon einmal drastisch nach oben gegangen.

Im Januar wuchs die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 12,6 Prozent ‌auf 3800. Bei den Zweifamilienhäusern fiel das Plus mit 26,1 ​Prozent auf 1200 ‌noch stärker aus. Bei Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 10.500 Neubauwohnungen. Das war ein Anstieg um 7,1 Prozent.

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Forscher hatten mit einem Anstieg der Baugenehmigungen gerechnet. Als Gründe machten sie Milliarden-Staatsausgaben aus, aber auch eine Stabilisierung von Baupreisen und Zinsen. Besonders wegen des starken Zins- und Kostenanstiegs infolge des Ukrainekriegs steckte die Branche zuvor in einer jahrelangen Krise fest. Private Bauherren konnten sich die eigenen vier Wände nicht mehr leisten, Investoren legten Pläne auf Eis. Damit stieg der Druck auf die Wohnungsmärkte vor allem in Städten.

Diesen Februar hat sich die Stimmung im deutschen Wohnungsbau indes nun weiter aufgehellt. Das Barometer für das Geschäftsklima stieg um 3,2 Punkte auf minus ‌17,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu einer Umfrage des Instituts mitteilte. Der Leiter der Ifo-Umfragen, ‌Klaus Wohlrabe, ist allerdings noch zurückhaltend: »Die Stimmung verbesserte sich zwar, aber die Branche ist noch nicht über den Berg«, sagte er. »In den ​Auftragsbüchern zeigt sich die Belebung bislang ‌kaum.«

apr/Reuters