Über die hohen Preise an der Zapfsäule ärgern sich derzeit viele Autofahrer – womöglich so sehr, dass sie vermehrt von Tankstellen wegfahren, ohne zu bezahlen. Verlässliche Zahlen gibt es bislang nicht, die Polizeiliche Kriminalstatistik wies für vergangenes Jahr noch einen Rückgang an Fällen des Tankbetrugs um 23,5 Prozent aus, doch nun könnte es eine Trendwende geben.
Der Tankstellen-Interessenverband jedenfalls beklagte laut »Bild«-Zeitung einen Anstieg dieser Delikte. »Sobald die Preise Richtung 2,40 Euro gehen, sinkt die Hemmschwelle zur Kriminalität . Dann fahren einige einfach weg, ohne zu bezahlen«, zitiert das Blatt einen Verbandssprecher.
Einzelne Zapfsäulen gesperrt
Besonders junge und ältere Menschen seien demnach häufiger bereit dazu – und das, obwohl die meisten Tankstellen videoüberwacht sind. Auch der Tankstellenbetreiber Westfalen bestätigte auf Anfrage der Zeitung einen leichten Anstieg in den vergangenen zwei bis drei Wochen. Dem Sprecher des Interessenverbands zufolge sind sowohl Profis mit gestohlenen oder überklebten Kennzeichen am Werk, es gebe aber auch Menschen, die schlicht vergessen haben zu bezahlen.
Der Stationsleiter einer Tankstelle in Kiel schätzt im Gespräch mit dem Sender Sat.1 die Bereitschaft zum Tankbetrug besonders nachts als hoch ein. Die Dunkelheit lade Autofahrer häufiger dazu ein, einfach wegzufahren, da sie sich nicht beobachtet fühlten. Seine Tankstelle reagierte bereits und sperrte einzelne Zapfsäulen zwischen 20 und 5 Uhr. Dadurch sind Autofahrer gezwungen, direkt vor dem Verkaufsraum oder im vollen Blickfeld der Überwachungskameras zu tanken.
Am morgigen 1. Oktober tritt der neue Tankrabatt der Bundesregierung in Kraft, der Autofahrer finanziell entlasten soll. Zuletzt waren die Preise infolge der Eskalation in Nahost auf neue Höchststände geklettert. Offen ist, inwiefern der Nachlass in Höhe von rund 17 Cent einschließlich Mehrwertsteuer an die Verbraucher weitergereicht wird und ob die niedrigeren Preise auch zu weniger Tankbetrug führen.
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