SpOn 11.09.2026
13:38 Uhr

Hamas: Generalbundesanwalt klagt mutmaßliche Terroristen wegen Anschlagsplänen an


Sie sollen Waffen für Anschläge in Europa beschafft haben. Nun hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen sieben Männer erhoben. Ermittelt wird nach SPIEGEL-Information zudem gegen den Sohn eines hohen Hamas-Funktionärs.

Hamas: Generalbundesanwalt klagt mutmaßliche Terroristen wegen Anschlagsplänen an

In dem Ermittlungsverfahren gegen einen international operierenden Waffenschmugglerring der islamistischen Terrororganisation Hamas hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen sieben Beschuldigte erhoben. Nach Angaben einer Behördensprecherin wird den Männern im Alter von 25 bis 61 Jahren die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen.

Den Ermittlungen zufolge plante die Hamas-Führung spätestens seit Juli 2025 »einen konkreten Mordanschlag« in Deutschland oder Österreich: Getötet werden sollten demnach »Repräsentanten Israels, Menschen jüdischen Glaubens oder pro-israelisch eingestellte Personen«. Die Attacke hätte »in unmittelbarer zeitlicher Nähe« zum zweiten Jahrestag des Überfalls der Hamas auf Israel durchgeführt werden sollen – also Anfang Oktober 2025. Zur Vorbereitung des Terrorangriffs hätten »hochrangige Hamas-Funktionäre« mehrere der Angeklagten mit der Beschaffung von Waffen und Munition beauftragt.

Eine »herausgehobene Rolle bei der Operation« spielte der Bundesanwaltschaft zufolge zudem ein Mann namens Mohammed A., der im November in London festgenommen wurde und gegen den der Generalbundesanwalt gesondert ermittelt. A. sei direkt an die »Führungsebene der Hamas« angebunden gewesen – nach SPIEGEL-Informationen soll sein Vater ein einflussreiches Mitglied des Politbüros der Terrororganisation sein. Aktuell sitzt A. in Großbritannien in Haft; Deutschland hat seine Auslieferung beantragt.

Die Gruppe um A. und die sieben Angeklagten soll zur Vorbereitung von Anschlägen bereits ein scharfes Sturmgewehr mit Dauerfeuerfunktion, 13 schussbereite Pistolen sowie mehr als 700 Patronen beschafft haben. Ein Teil der Waffen sei in Deutschland versteckt gewesen, einen anderen Teil schmuggelte A. den Ermittlungen zufolge in die österreichische Hauptstadt Wien. Zudem habe A. laut Bundesanwaltschaft ein »Bekennervideo« erstellt, in dem ein Anschlag im Namen der Hamas angekündigt werde.

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Ein mutmaßlicher Kontaktmann Mohammed A.s, ein 36-jähriger Deutscher libanesischer Herkunft, war bereits im Oktober in Berlin verhaftet worden – gemeinsam mit zwei weiteren mutmaßlichen Hamas-Agenten. Ein Mobiles Einsatzkommando der Polizei hatte die drei Männer bei den Vorbereitungen für eine Waffenübergabe observiert und überwältigt. Bei dem Zugriff entdeckten die Beamten ein vollautomatisches Gewehr, acht halb-automatische Pistolen sowie rund 300 Schuss Munition. In den folgenden Monaten wurden weitere Verdächtige verhaftet, die der Generalbundesanwalt nun vor einem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts anklagt.

Die Verteidigung der Beschuldigten war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Anklage zunächst nicht erreichbar.

Die Hamas hatte im Oktober Kontakte zu den mutmaßlichen Waffenschmugglern bestritten. »Die Behauptung, dass die Festgenommenen Verbindungen zur Hamas haben, entbehrt jeder Grundlage«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus einer Mitteilung der Terrorgruppe. Offenbar gehe es den deutschen Behörden darum, »den Ruf der Bewegung zu beschmutzen und die Sympathie des deutschen Volkes für unser palästinensisches Volk zu untergraben«.

Anmerkung der Redaktion: Die Altersangabe eines der Angeklagten wurde nachträglich korrigiert

srö