Noch vor einer Woche grüßten Soyeon Schröder-Kim, 56, und ihr Mann, der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, 82, glücklich auf Instagram aus Bremen. Gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner feierte Schröder den Tag der Deutschen Einheit. Und keine Woche später war er offenbar schon wieder auf einer Party mit der Spitze eines Staates: Wladimir Putin.
Nach Angaben des Kreml hat der Altkanzler an der Geburtstagsfeier des russischen Machthabers in Moskau teilgenommen. Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren, teilte der Kreml bei Telegram mit . Die mitgelieferten Bilder sollen wohl beweisen, was für dicke Kumpels Putin und Schröder sind, in der Manier echter Männer schlagen sie mehr ein, als sich die Hände zu schütteln. »Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein«, hieß es weiter vom Kreml. Schröder sei bei Putin gewesen, als dieser am Mittwoch seinen 74. Geburtstag feierte.
Vor dem Fest hatte die Arbeit auf Schröder in Moskau gewartet: Nachdem Schröder in den Aufsichtsrat beim russischen Ableger der deutschen Supermarktkette Globus berufen wurde, zeigte sich der Ex-Kanzler in einer Filiale in der russischen Hauptstadt. Mit Applaus wurde er von den Mitarbeitern empfangen, bevor er ans Mikrofon schritt und auf Deutsch sprach: »Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen.« Eine Frau übersetzte.
Schröder, der Deutschland von 1998 bis 2005 als Kanzler regierte, ist seit Jahren in der Kritik für seine engen Verbindungen nach Russland. In seiner Amtszeit baute er eine enge Beziehung zu Wladimir Putin auf, nach seiner Zeit in der Politik war er für russische Staatskonzerne tätig . Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.
Keine Kentnnisse in Berlin
Das Auswärtige Amt erklärte am Freitag auf Anfrage des SPIEGEL, weder Kenntnis von der jüngsten Reise des Altkanzlers noch Kontakte bezüglich seines Treffens mit Putin gehabt zu haben.
Erst im Mai hatte Putin den deutschen Altkanzler als Vermittler ins Spiel gebracht. Damals hieß es aus Regierungskreisen in Berlin, man habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen. Sie reihten sich ein in eine Serie von Scheinangeboten und seien Teil der bekannten hybriden Strategie Russlands. »Deutschland und Europa lassen sich dadurch aber nicht spalten«, hieß es im Mai weiter.
