SpOn 09.03.2026
13:26 Uhr

Fitness: Musik bei Kursen kann das Gehör schädigen


Musik soll Teilnehmende in Fitnesskursen zu mehr Leistung anspornen. Die aber ist oft zu laut, warnen US-Forschende. Was passiert, wenn man den Sound etwas leiser dreht?

Fitness: Musik bei Kursen kann das Gehör schädigen

Die Musik während mancher Fitnesskurse ist so laut, dass sie das Gehör schädigen kann. Wie ein Forschungsteam im Fachjournal »JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery«  schreibt, könnte man das Risiko für Langzeitfolgen allerdings leicht reduzieren: Ist die Lautstärke nur ein wenig geringer, habe das nicht dazu geführt, dass sich die Teilnehmenden weniger anstrengten.

Wie umknickende Halme

Beim Hören entsteht im Innenohr eine Art Wasserwelle, die über Tausende Haarzellen streicht. Diese Reize werden in bioelektrische Impulse umgewandelt und ans Gehirn geleitet. Je lauter ein Ton ist, desto mehr Kraft steckt hinter der Welle. So wie bei einem Getreidefeld heftige Windstöße Halme abknicken lassen, können Härchen im Innenohr bei einer starken Welle dauerhaft umknicken und damit ihre Funktion verlieren. Die Ausfälle summieren sich im Laufe des Lebens und können zu Schwerhörigkeit führen.

Das Team um Janet Choi von der University of Southern California in Los Angeles befragte Teilnehmer einstündiger Gruppen-Fitnesskurse in den USA, wie intensiv sie das Training empfanden und ob sie einen Gehörschutz trugen. Die mittleren Schalldruckpegel der Kurse lagen bei 91,4 Dezibel mit sogenannter A-Bewertung (dBA). Bei dieser Skala wird der Schalldruckpegel gewichtet nach Frequenzen gemessen, um dem menschlichen Gehör gerecht zu werden.

So laut wie neben einer Bohrmaschine

60 dBA entsprechen in etwa einem normalen Gespräch, 80 lautem Straßenverkehr, 90 bestimmten Bohrmaschinen und 100 dem Kreischen einer Kreissäge. Die höchste gemessene Lautstärke in den Kursen betrug 95 dBA. Sie überschritt damit den Wert, dem man sich laut der US-amerikanischen Arbeitsschutzbehörde nicht länger als eine Stunde am Tag aussetzen soll.

In einer zweiten Phase des Experiments wurden 16 Kurse mit jeweils um etwa 3 dBA verminderter Lautstärke durchgeführt. Nach jedem Kurs wurden die Teilnehmenden direkt befragt. Fast 190 Menschen zwischen 17 und 59 Jahren beteiligten sich den Angaben zufolge, weit überwiegend Frauen. Einige absolvierten sowohl normale als auch leisere Kurse.

Mit Ohrschutz zum Kurs

Drei A-Dezibel seien ein wahrnehmbarer Unterschied, erklären die Forschenden. Die Befragung habe gezeigt, dass die Teilnehmenden die leiseren Kurse nicht als weniger anstrengend empfunden hätten. Die Forschenden folgern daraus, dass sich die Musiklautstärke wahrscheinlich auf ein sichereres Maß vermindern lässt, ohne den Trainingserfolg zu schmälern.

Ob ein bestimmter Schalldruckpegel während der Kurse als zu laut, passend oder zu leise empfunden wurde, variierte zwischen den Befragten stark. Vier der Teilnehmenden gaben dem Forschungsteam zufolge an, während der Fitnesskurse Gehörschutz zu benutzen, 28 erklärten, nach den Kursen schon Tinnitus-Symptome, Ohrgeräusche wie Pieptöne, Rauschen, Klingeln verspürt zu haben.

Häufige Berufskrankheit

Die Dezibel-Skala misst Schalldruck logarithmisch. Das bedeutet: Die Steigerung von 80 Dezibel auf 81 Dezibel ist viel größer als die Steigerung von 7 Dezibel auf 8 Dezibel. Eine zehnfache Intensitätssteigerung entspricht 10 Dezibel, eine hundertfache 20 Dezibel. Ein Wert von 100 Dezibel bedeutet also verglichen zu 50 Dezibel einen enormen Unterschied, es ist rund 100.000-mal mehr Energie im Spiel.

In Deutschland haben nach Schätzungen des Deutschen Schwerhörigenbundes etwa 16 Millionen Menschen eine Hörbeeinträchtigung, schwerhörig sind etwa 3 bis 4 Millionen von ihnen. Umwelteinflüsse wie chronischer Lärm sind eine wichtige Ursache. Bei Naturvölkern, die nicht unter dem ständigen Einfluss von Lärm stehen, gibt es Studien zufolge kaum Schwerhörigkeit im Alter.

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Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) kann es zu bleibenden Hörminderungen kommen, wenn man langjährig A-bewerteten Schalldruckpegeln ab etwa 80 Dezibel ausgesetzt ist. Viele Trainer und Trainerinnen in Fitnessstudios dürften damit zur Risikogruppe gehören. Die Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit ist nach Angaben der Baua mit fast 9000 Fällen jährlich die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit.

msk/dpa