SpOn 25.09.2026
20:54 Uhr

Fideuram in Italien: Betrüger legen Privatbank rein, erbeuten 36 Millionen Euro


Mit einer KI wird die Stimme eines bekannten Anwalts imitiert. Und dann überweist die Privatbank Fideuram Geld an Betrüger. Sehr viel Geld. Nur ein Teil kann zurückgeholt werden.

Fideuram in Italien: Betrüger legen Privatbank rein, erbeuten 36 Millionen Euro

Betrüger haben Insidern zufolge mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) bei einer Tochter der größten italienischen Bank Intesa Sanpaolo rund 36 Millionen Euro ​erbeutet. Zunächst sei es bei der Privatbank Fideuram sogar um 95 Millionen Euro gegangen, mehr als die Hälfte ‌der Summe sei aber später wiederbeschafft worden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag.

Der Betrug begann den Insidern zufolge im Februar. Der damalige Fideuram-Verwaltungsratschef Paolo Molesini erhielt demnach eine scheinbar vom Intesa Sanpaolo-Chef Carlo Messina stammende WhatsApp-Nachricht mit der Bitte um dringende Hilfe bei einer Auslandstransaktion. ​

Anschließend folgte ein Anruf, der von einem leitenden Partner einer bekannten Anwaltskanzlei zu kommen schien und die ⁠Anweisung bestätigte. ⁠Dabei hätten die Anrufer KI eingesetzt, um die Stimme des Anwalts zu imitieren. Im Glauben, die Anfrage sei echt, habe Molesini daraufhin seine Finanzabteilung angewiesen, eine Reihe von Überweisungen ‌auf Konten vor allem in China und Hongkong vorzunehmen. Intesa Sanpaolo ​und Fideuram lehnten ‌eine Stellungnahme ab.

Bei der Umwandlung in Kryptowährungen verliert sich die Spur

Fideuram entdeckte die Unregelmäßigkeiten den Angaben zufolge und alarmierte Behörden in mehreren Ländern. Durch die Zusammenarbeit von Ermittlern in China, Portugal und Italien hätten später rund 53 Millionen Euro sichergestellt werden können. Die verbleibenden Gelder seien über ‌ein Netzwerk ausländischer Konten geschleust und in Kryptowährungen umgewandelt worden. Sie hätten nicht mehr zurückverfolgt werden können. Zuerst hatte die Zeitung »Corriere della Sera« über den Fall berichtet .

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Molesini ‌trat im März unter Berufung auf ​persönliche Gründe als Verwaltungsratschef zurück. Gegen ‌ihn oder andere Fideuram-Führungskräfte wird den Insidern zufolge nicht ermittelt. Die ‌Staatsanwaltschaft Mailand ​ermittle jedoch gegen einen im nicht-europäischen Ausland lebenden Ausländer wegen des Verdachts auf Computerbetrug.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Betrüger ​mit einer per KI imitierten Stimme ⁠eines italienischen Ministers einen Geschäftsmann zur ​Überweisung von ​fast einer Million Euro verleitet. Das Geld wurde damals jedoch wiederbeschafft.

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oka/Reuters