Das bislang letzte deutsche Start-up, das es zu echtem Weltruhm brachte, ist SAP. Dabei wurde der Softwarekonzern mit Sitz in Walldorf bereits 1972 gegründet.
Um auf europäischer Ebene erfolgreichen kleineren Unternehmen beim Wachstum zu helfen, sogenannten Scale-ups, haben sich nun die Regierungen der 27 Mitgliedstaaten sowie die Förderbank EIB mit einer Reihe institutioneller Investoren zusammengetan. Mit damit sind unter anderen die spanische Santander-Bank, die Danske Bank und die italienische Investmentgesellschaft Green Arrow Capital. Gemeinsam legen sie als Teil der Initiative »European Tech Champions« einen gewaltigen Fonds auf, um aussichtsreichen Firmen unter die Arme zu greifen.
Während es etwa in den USA viele Börsengänge gibt und es aufstrebenden Unternehmen gut gelingt, Geld für (zum Teil auch risikoreiche) Investitionen einzusammeln, hapert es in Europa daran, aus den zahlreichen Innovationen ein Geschäft zu machen. Die Ersparnisse sind hoch, allerdings scheuen sich die Menschen, dieses Kapital auch einzusetzen . Gegen diese Risikoaversion könnte die neue EIB-Initiative wirken.
Der Dachfonds soll mit rund 15 Milliarden Euro viermal so groß wie sein Vorgänger werden. Gemeinsam sollen bis zu 80 Milliarden Euro Wachstumskapital zur Förderung innovativer Unternehmen locker gemacht werden können. Vereinbart wurden die Pläne am Rande eines EU-Finanzministertreffens in Brüssel, wie die EIB mitteilte .
EIB-Präsidentin Nadia Calviño sprach davon, dass es bei dem Zusammenschluss »vor allem um Skalierbarkeit und Geschwindigkeit« gehe. Sie sprach von einem entscheidenden Schritt, der die Finanzierungslücke für Scale-ups schließe. In Europa entstandene und entwickelte Technologien sollten so auch in Europa wirtschaftlich erfolgreich werden.
KfW-Chef denkt bereits an Kapitalmarktunion
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil nannte die Initiative »eine strategische Investition in Europas Zukunft«. Europas langfristige Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und wirtschaftlichen Wohlstand würden so gestärkt, sagte der SPD-Politiker. Es gehe darum, Wachstum und Beschäftigung zu fördern. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die staatlichen Hilfen sonst eher kritisch gegenübersteht, sagte: »Damit stellen wir die Weichen für Europas technologische Souveränität.«
In einer ersten Runde der Initiative waren laut EIB bereits zahlreiche große Fonds gezielt unterstützt worden, die in europäische Start-ups investieren. Die Entwicklung von zwölf in der EU ansässigen Einhörnern, also von jungen Unternehmen mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Euro, sei gefördert worden.
Der Chef der staatlichen deutschen Förderbank KfW, Stefan Wintels, lobte die Ausweitung der Initiative ebenfalls. »Europa mangelt es nicht an innovativen Unternehmen, doch um hier zu skalieren, benötigen sie grenzüberschreitenden Marktzugang, größere Kapitalpools und ein wirklich europäisches Ökosystem«, sagte er – und denkt bereits weiter. »Eine echte Kapitalmarktunion, die Ersparnisse effizient in Investitionsmöglichkeiten lenkt, kann der nächste große Schritt sein, um Europas wachstumsstarke Technologieunternehmen zu skalieren.«
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