Ein flüssiger Ozean, gepaart mit einer Atmosphäre aus Wasserdampf sowie geringen Mengen Stickstoff, Kohlendioxid und Methan, dazu womöglich ein Gesteinskern, der den Ozean erwärmt – all das lässt Forschende vermuten, dass der Saturnmond Enceladus außerirdisches Leben beherbergen könnte.
Gleich zwei aktuelle Studien, die nun im Fachmagazin »Science Advances« erschienen sind, stärken die Vermutung. Nicht nur könnten Mikroben auf Enceladus überleben, Forschende sollten sie sogar finden können, heißt es.
Eisige Fontänen aus der Tiefe
Enceladus gilt als einer der aussichtsreichsten Orte in unserem Sonnensystem, um nach außerirdischem Leben zu suchen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten seit einigen Jahren, dass sich unter der eisigen Kruste des Mondes ein globaler Ozean aus flüssigem Wasser und noch weiter darunter ein Gesteinskern befindet. Durch kryovulkanische Aktivität brechen am Südpol des Mondes gewaltige Fontänen durch Risse in der Kruste und schleudern Eispartikel Hunderte Kilometer weit ins All.
Frühere Analysen der Nasa-Raumsonde »Cassini« hatten bereits Hinweise auf hydrothermale Prozesse am Meeresboden geliefert – und auf weitere Bedingungen, die Leben begünstigen könnten. Dafür flog die Sonde im Oktober 2015 vor Ort durch Eisfontänen.
Die erste Studie zeigt , dass sich die Ozeantröpfchen beim Transport durch Risse in der Eiskruste von Enceladus möglicherweise langsamer abkühlen und gefrieren als bislang angenommen. Auf ihrem Weg nach oben werden die gefrorenen Tröpfchen auf bis zu 1000 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Prallen sie gegen die Wände der eisigen Spalten, zerbrechen sie in nur wenige Mikrometer große Stücke, diese werden ins All geschleudert. Die Folge: »Die Bestandteile des Ozeans werden voneinander getrennt und zugleich in einzelnen Eispartikeln konzentriert«, erklärte der Planetenforscher Frank Postberg von der Freien Universität Berlin in einer Pressemitteilung.
»Enceladus nimmt uns bei der Vorbereitung von Proben für Analysen tatsächlich viel Arbeit ab – eine Arbeit, die in chemischen Laboren auf der Erde normalerweise sehr aufwendig ist«, sagte Postberg, der die Studie leitete und an der anderen beteiligt war, weiter.
Beweis für außerirdisches Leben steht aus
Laut der zweiten Veröffentlichung könnte ein Mikroorganismus auf dem Eismond überleben und Methan produzieren. Grundlage dafür ist ein Laborexperiment, für das ein Team um den Geobiologen William Orsi von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität die chemischen Bedingungen eines alkalischen Ozeans auf Enceladus nachgestellt hat. Dabei wuchs ein methanbildender Mikroorganismus noch bei pH 11 – weit oberhalb seiner zuvor bekannten pH-Toleranzgrenze.
Enceladus, fotografiert im Jahr 2015
Foto: Universal History Archive / Universal Images Group / Getty ImagesDie Arbeit »beweist nicht, dass es Leben auf Enceladus gibt«, aber sie »zeigt, dass geochemische Merkmale dort eine der ältesten Stoffwechselformen des Lebens ermöglichen könnten«, sagte Orsi in einer Pressemitteilung .
Die Studie räume »eine weitere Hürde für die Möglichkeit mikrobiellen Lebens dort aus dem Weg«, sagte David Rothery , Planetenforscher an der Open University, dem »Guardian« . Sie zeige, dass Methanogenese – der Stoffwechselprozess, der die Mikroben am Leben erhält – im simulierten Ozean von Enceladus möglich ist. Rothery war nicht an den Studien beteiligt.
Mission »L4« soll Daten liefern
Die europäische Raumfahrtagentur Esa prüft derzeit, ob die Mission »L4« auf Enceladus landen könnte. Das Ziel: Proben aus den Fontänen entnehmen und direkt auf der Oberfläche messen. Dabei soll sie nach den Stoffen suchen, die Leben ermöglichen könnten. Der Orbiter soll außerdem an anderen Saturnmonden vorbeifliegen, um zu verstehen, welche Bedingungen lebensfreundliche Welten begünstigen.
Ob die Mission stattfindet, ist unklar. Und selbst wenn, wird das noch dauern: Der Start ist für etwa 2042 geplant; Saturn würde die Mission erst in den 2050er-Jahren erreichen.
