SpOn 07.10.2026
14:54 Uhr

EU erwägt offenbar Großkonzern-Abgabe statt Digitalsteuer nach Trump-Drohungen


US-Präsident Trump drohte für den Fall einer Digitalsteuer gegen amerikanische Konzerne mit Zöllen von 100 Prozent. Die EU könnte laut einem Medienbericht ihre Pläne nun ändern.

EU erwägt offenbar Großkonzern-Abgabe statt Digitalsteuer nach Trump-Drohungen

Die Europäische Union denkt bei der Besteuerung der US-Technologiekonzerne einem Zeitungsbericht zufolge um. ‌An die Stelle einer Digitalsteuer solle eine Abgabe für alle in der EU tätigen Großunternehmen treten, um eine Gegenreaktion der US-Regierung zu vermeiden, schreibt die »Financial Times«  unter Berufung auf Insider.

»Einige EU-Staaten lehnen eine reine Digitalsteuer ab, weil sie die Amerikaner nicht verärgern wollen«, zitierte das Blatt ​einen EU-Vertreter. Viele andere lehnten die Gesetzesinitiative »Corporate Resource for Europe« (Core) prinzipiell ab. »Die Lösung besteht darin, die Steuer ⁠so auszuweiten, ⁠dass sie so gut wie alle großen Unternehmen erfasst.«

Die Idee einer Steuer für umsatzstarke Unternehmen anstelle der bisherigen Digitalsteuer-Pläne kursiert seit Wochen. Im Gespräch war eine Abgabe für in der EU tätige Unternehmen mit einem Nettoumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.

Bundesregierung gegen zusätzliche Abgabe auf EU-Ebene

Wie die »Financial Times« unter Berufung auf überarbeitete EU-Pläne weiter berichtet, sollen nun sämtliche Unternehmen, die in der Staatengemeinschaft einen jährlichen Umsatz von ‌mehr als 100 Millionen Euro ​erwirtschaften, eine pauschale Abgabe zwischen 100.000 und ‌750.000 Euro zahlen.

Dabei dürfte es vor allem darum gehen, die USA mit ihren mächtigen Techkonzernen nicht vor den Kopf zu stoßen. US-Präsident Donald Trump hat schließlich gedroht, Waren aus Ländern, die eine Digitalsteuer für ​US-Unternehmen einführen, mit Importzöllen in Höhe ⁠von 100 Prozent zu belegen.

Mehr zum Thema

Die EU-Kommission betonte, sie sei »weiterhin bereit, den Rat und das Europäische Parlament dabei zu unterstützen, eine Einigung über den neuen ‌Finanzrahmen zu erzielen, da diese Mittel unerlässlich sind, um die ​angemessene Finanzierung unserer gemeinsamen ‌Prioritäten im nächsten Jahrzehnt sicherzustellen«.

Die Bundesregierung lehnt zusätzliche Abgaben auf europäischer Ebene ab. Sie besteht auf einer drastischen Kürzung des EU-Budgets ab 2028. Der Aufnahme gemeinsamer Schulden erteilt sie ebenfalls eine Absage. Der Branchenverband Computer & Communications Industry ‌Association (CCIA), der zahlreiche US-Techfirmen vertritt, äußerte sich bislang nicht öffentlich.

Frankreich hat ​eine ​ähnliche wie die nun diskutierte Abgabe 2019 eingeführt.

Lesen Sie hier mehr zur Debatte über eine mögliche Digitalsteuer: Müssen Amazon und Co. in der EU bald viele Steuern zahlen? 

Noch mehr Wirtschaft für SPIEGEL-Abonnenten

Als Abonnentin oder Abonnent von SPIEGEL+ haben Sie die Möglichkeit, manager+ zum Vorteilspreis dazuzubuchen. Darin enthalten sind alle Inhalte von manager magazin+ und Harvard Business manager+. Damit ist es das ideale Abo für alle, die tiefe Einblicke in die deutsche Wirtschaft, die Chefetagen großer Unternehmen und in die spannendsten Start-ups suchen. Jetzt flexibel upgraden: Sichern Sie sich manager+ für nur 2 Euro pro Woche!

apr/Reuters