SpOn 18.03.2026
14:31 Uhr

Die Linke: Partei-Ikone Gysi reagiert auf interne Kritik


Mehr als 200 Linke werfen Gregor Gysi vor, rassistische Narrative zu reproduzieren. Der gibt sich sprachlos, macht aber ein Angebot.

Die Linke: Partei-Ikone Gysi reagiert auf interne Kritik

Der Linkenpolitiker Gregor Gysi reagiert auf Vorwürfe aus seiner eigenen Partei, er habe in einem Interview »rassistische Narrative« reproduziert.

»Wer ein bisschen mein Leben und mein Wirken kennt, weiß, dass der Vorwurf des Rassismus in Bezug auf mich derart absurd ist, dass ich mehr dazu nicht sagen kann«, so Gysi zum SPIEGEL.

Zuvor hatten ihn eigene Genossen in einem sogenannten Brandbrief wegen Äußerungen in einem Gespräch mit »Focus«-Chefredakteurin Franziska Reich scharf angegriffen. Das Schreiben, über das der SPIEGEL berichtet hatte , wurde verfasst von der parteiinternen Bundesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke/ Links*Kanax, einem parteiinternen Zusammenschluss.

Darin heißt es: »Mehrere Passagen deines Interviews sind äußerst problematisch, da sie rassistische Narrative reproduzieren und zentralen Prinzipien unserer Partei widersprechen«. Weiter werfen die Verfasserinnen und Verfasser Gysi, der jüdische Vorfahren hat, vor, Migrantinnen und Migranten »unter pauschalen Verdacht« zu stellen, eine »gefährliche Rhetorik in der Öffentlichkeit« zu betreiben und »innerparteiliche Spaltung« zu befördern.

Verfasser legten Gysi Weiterbildung nahe

Gysi erklärte nun: »Ich werde den Verfassern ein Gespräch anbieten. Mal sehen, ob sie daran interessiert sind.«

Gysi, der wohl der bekannteste Linke des Landes ist, hatte in dem Interview auf die Frage, wie groß antiisraelische oder antisemitische Strömungen in der Linken seien und wie er damit umgehe, gesagt: »Es ist jetzt deshalb viel gefährlicher geworden, weil viel mehr Menschen mit Migrationshintergrund, auch mit spezifischem Migrationshintergrund, in unsere Partei gekommen sind, was ich eigentlich sehr begrüße. Aber sie bringen eben Sichten auf Israel mit«, die zum Teil »falsch« seien. »Und dagegen werde ich mich immer wehren«, so der 78-Jährige. Eine bestimmte Grenze dürfe nicht überschritten werden.

Er sei, so betonte Gysi in dem Gespräch auch, »allerdings auch solidarisch mit dem palästinensischen Volk, weil das hatte ja noch nie einen Staat, obwohl es die Uno beschlossen hat«. Er sei sehr für ein »souveränes sicheres Israel und ebenso sehr für ein souveränes sicheres Palästina«.

Die Verfasser des »Brandbriefs« forderten von Gysi unter anderem die sofortige Löschung eines Instagram-Eintrags, eine öffentliche Entschuldigung bei »migrantischen und jungen Mitgliedern« für die Wirkung und »dadurch entstandene Verletzung« seiner Aussagen und: eine »zeitnahe Teilnahme von dir und deinem Team an einer antirassistischen Weiterbildung.«

In dem Brandbrief kritisieren die Verfasser explizit Gysis Wortwahl. »Deine Wortwahl, die Situation sei durch diesen Zuwachs ›gefährlicher‹ geworden, reproduziert ein rassistisches Bedrohungsszenario. Solche Begriffe verstärken antimuslimische und antiarabische Ressentiments und dürfen in einer antirassistischen Partei keinen Platz haben. Zudem legitimiert genau diese Rhetorik die rassistische Politik von Merz, der AfD & Co. und trägt zum weiteren politischen und gesellschaftlichen Rechtsruck bei.«

Linkenparteichef van Aken hatte sich daraufhin ebenfalls von Gysis Wortwahl distanziert. Fraktionschefin Heidi Reichinnek  hatte auf Nachfrage gesagt, es sei »frustrierend«, dass der interne Brief öffentlich geworden sei. Sie hätte sich auch gewünscht, dass sich die Verfasser direkt mit Gysi in Verbindung gesetzt hätten, um darüber zu sprechen, was seine Worte für eine »Verletzung« ausgelöst hätten. Offene Briefe seien nicht der richtige Weg. Gysi sei aber kein »Rassist«. Andere Linke hatten Gysi vehement verteidigt.

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In der Partei ist in den vergangenen Tagen ein Streit über Nahost und Antisemitismus neu aufgebrochen. Infolge eines Beschlusses auf einem Parteitag in Niedersachsen gegen den »real existierenden Zionismus« war der Brandenburgische Antisemitismus-Beauftragte Andreas Büttner aus der Linken ausgetreten. An dem Beschluss des Parteitags in Hannover hatte es scharfe Kritik gegeben. Auch führende Linke attestierten ihrer Partei ein »massives Antisemitismusproblem« und warnten vor einer Sektenwerdung der Partei .