Wenige Tage vor der Eröffnung eines neuen Chemiewerks in China hat BASF-Chef Markus Kamieth eingeräumt, dass sich diese Milliardeninvestition für den Konzern später als geplant lohnen wird. »Wir starten in einem überversorgten Markt, in dem die Preise und Margen auf einem historisch niedrigen Niveau liegen«, sagte Kamieth der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«. »Die Profitabilität wird in den ersten Jahren daher deutlich unter dem sein, was wir uns ursprünglich vorgestellt hatten.«
Der neue Standort in Zhanjiang im Süden Chinas, der am kommenden Donnerstag eröffnet werden soll, hat nach Auskunft von BASF rund 8,7 Milliarden Euro gekostet. Es handelt sich um die größte einzelne Investition in der Geschichte des Unternehmens. Es soll die weltweit drittgrößte Produktionsstätte von BASF nach dem Stammsitz Ludwigshafen und Antwerpen werden.
Gleichwohl investiert der Konzern Kamieth zufolge nirgendwo so viel Geld wie am Stammwerk in Ludwigshafen. Das bleibe auch in Zukunft so. Der neue Standort sei zudem nicht dazu da, jüngst stillgelegte Anlagen in Ludwigshafen zu ersetzen. »Wir verlagern nichts nach China«, sagte Kamieth.
Das Werk in Zhanjiang geht noch auf Ex-BASF-Chef Martin Brudermüller zurück, der es gegen harte Widerstände durchgesetzt hatte. 2020 wurde mit dem Bau erster Anlagen begonnen. Kritiker warnten immer wieder, BASF mache sich damit nach teuren Abschreibungen in Russland wegen des Ukrainekriegs erneut abhängig von einem autokratischen Regime.
Grundsätzlich verteidigte Kamieth die Entscheidung für den Bau des neuen Werks. Daran änderten nicht einmal geopolitische Risiken wie die Gefahr eines Kriegs um Taiwan etwas. »Wenn wir aufhören, in China zu investieren, ziehen wir uns aus der Hälfte des Weltmarkts zurück. Dieses Szenario ist für mich deutlich risikoreicher als eine Investition in China«, sagte der BASF-Chef.
Zu den Folgen des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus für BASF sagte Kamieth: »Aktuell sind die Auswirkungen noch überschaubar. Die Straße von Hormus stellt für uns derzeit keinen unmittelbaren Engpass für Rohstoffe oder den weltweiten Produktvertrieb dar.«

