SpOn 30.09.2026
11:47 Uhr

Brasilien: So schreien die lautesten Vögel der Welt


Forscher haben in den USA und Brasilien 123 Vogelschreie aufgezeichnet – darunter zwei, die etwa so laut sind wie ein Presslufthammer. Hier können Sie sich den Rotfußseriema und den Nacktgesichtkotinga anhören.

Brasilien: So schreien die lautesten Vögel der Welt

Der Einlappenkotinga aus Brasilien gilt seit 2019 offiziell als lautester Vogel der Welt. Damals zeichneten Forscher Schreie von bis zu 125,4 Dezibel auf – das ist lauter als eine Kettensäge. Doch Procnias albus – so sein lateinischer Name – bleibt möglicherweise nicht unangefochten: Sein Stimmentdecker, der Biologe Jeff Podos, hat zwei weitere Vögel identifiziert, die dem Einlappenkotinga seinen Weltrekord streitig machen könnten. Das geht aus einer neuen Studie  von Podos und João Menezes hervor, die im Fachjournal »Evolution«  veröffentlicht wurde.

Die Kandidaten heißen Rotfußseriema und Nacktgesichtkotinga.

Bei der Rotfußseriema registrierten die Forscher den im Durchschnitt über 20 Millisekunden gemessenen lautesten Ruf mit etwa 121 Dezibel. Beim Nacktgesichtkotinga stellten sie den lautesten Einzelruf fest – mit fast 131 Dezibel.

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»Im Alltag lässt sich das am ehesten mit einem Presslufthammer vergleichen«, sagte João Menezes bei CNN .

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Die Frage ist aber, wie man den lautesten Vogel der Welt definiert. Durch den einzelnen lautesten Ruf? Die Durchschnittslautstärke seiner Schreie? Und wie lang wird der Schrei gemessen? Oder sollte die durchschnittliche Höchstlautstärke mehrerer Exemplare einer Art zählen? Fürs Erste hat der Rekord des Einlappenkotinga also Bestand.

Wie der Golfsport den Ornithologen hilft

Zumal Podos und Menezes eigentlich nicht auf Weltrekordjagd sind, sondern zu der Frage forschen, welche Rolle die Evolutionsbiologie dabei spielt, wie Vögel miteinander kommunizieren. Dabei untersuchen sie etwa, ob man anhand körperlicher Merkmale eines Vogels vorhersagen kann, wie laut sein Ruf ist. Für ihre Forschung begaben sich die Wissenschaftler in die Natur, die Wälder im US-Bundesstaat Massachusetts aber auch in verschiedene Regionen Brasiliens.

Nacktgesichtkotinga in Brasilien

Nacktgesichtkotinga in Brasilien

Foto: AGAMI / A. u. G. Swash / blickwinkel / picture alliance

Die Schwierigkeit: Die Messung eines Vogelschreis hängt natürlich von der Entfernung ab, aus nächster Nähe sind die Schreie lauter als aus 100 Meter Entfernung. Für Ornithologen sei es lange nicht praktikabel gewesen, die Amplitude, also die Lautstärke, und die Entfernung gleichzeitig zuverlässig zu messen. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert, die Wissenschaftler bedienen sich nun aus fachfremden Feldern: Sie nutzen aus dem Golfsport bekannte Laser-Entfernungsmesser sowie hochauflösende, tragbare Schallpegelmesser, die von Fachleuten für Arbeitssicherheit verwendet werden. Mithilfe der Daten standardisieren die Forscher die Aufnahme, als hätte man den Vogel aus einem Meter Entfernung gehört.

Menezes und Podos sammelten mithilfe der Geräte nach eigenen Angaben Amplitudendaten für 123 Vogelarten. Bei 113 dieser Tiere sei die Lautstärke zuvor noch nie erfasst worden. Dabei fanden sie heraus, dass die Lautstärke von Vogelrufen enorm variiert: vom Kolibri mit 64 Dezibel bis eben zum Nacktgesichtkotinga und Rotfußseriema mit mehr als 120 Dezibel.

Rotfußseriema in Brasilien

Rotfußseriema in Brasilien

Foto: Wim van den Heever / Nature Picture Library / IMAGO

Laute Vögel sind muskulös

Die lautesten Vögel waren den Forschern zufolge in der Regel größer, hatten kräftige Muskeln, die möglicherweise eine stärkere Luftkompression und damit besonders laute Rufe ermöglichen, sowie breitere Schnabelöffnungen. Die Daten lieferten jedoch keine eindeutigen Erkenntnisse darüber, welchem ökologischen oder evolutionären Zweck die Lautstärke dienen könnte.

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»Wir kennen jetzt einige der Antworten auf die Frage, wie es funktioniert«, sagte Menezes. »Größere Körper und breitere Schnäbel. Aber die Frage nach dem Warum ist noch offen. Wahrscheinlich benötigen wir Daten zu deutlich mehr Arten, um herauszufinden, was auf ökologischer und evolutionärer Ebene geschieht.«

ptz