SpOn 17.08.2026
02:49 Uhr

Brasilien: Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro starten in den Wahlkampf


Wer wird Brasiliens Präsident? Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva beschwört vor Zehntausenden Menschen die Rechte der Frauen. Auch Herausforderer Flávio Bolsonaro spricht über Femizide. Und macht ein radikales Wahlversprechen.

Brasilien: Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro starten in den Wahlkampf

In Brasilien haben die Spitzenkandidaten mit Großveranstaltungen den Präsidentschaftswahlkampf eröffnet. Der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein aussichtsreichster Herausforderer, der Rechtspolitiker Flávio Bolsonaro, stimmten ihre Anhängerschaft in ihren Hochburgen auf die Wochen bis zum Urnengang am 4. Oktober ein.

Der 80-jährige Lula strebt seine vierte Amtszeit an. »Solange ich lebe, werde ich nicht zulassen, dass die Rechte zurückkehrt«, begründete der Kandidat der Arbeiterpartei (PT) im städtischen Stadion von São Bernardo do Campo sein erneutes Engagement. Nach Angaben der Organisatoren kamen etwa 40.000 Menschen.

Lula versprach, die Sozialprogramme der Regierung fortzusetzen und kündigte an, das organisierte Verbrechen sowie geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen. Er unterstrich in seiner Ansprache die Rechte der Frauen: Sie machen 53 Prozent der 158 Millionen Wahlberechtigten aus und könnten bei dem engen Rennen um die Präsidentschaft den Ausschlag geben.

Jungen müssten »von Kindesbeinen an lernen, dass ein Mann nicht besser als eine Frau ist«, sagte Lula. »Sie müssen lernen, dass wir gleich sind.« First Lady Rosangela »Janja« da Silva stellte in ihrer Rede die Frauenrechte in den Mittelpunkt und beteuerte an ihren Mann gerichtet: »Wir sind die Mehrheit und wir werden Dich wieder wählen.«

Brasiliens Präsident Lula (M.) mit seiner Ehefrau Rosangela da Silva (l.); neben ihnen stehen Vizepräsidentschaftskandidat Geraldo Alckmin und dessen Frau

Brasiliens Präsident Lula (M.) mit seiner Ehefrau Rosangela da Silva (l.); neben ihnen stehen Vizepräsidentschaftskandidat Geraldo Alckmin und dessen Frau

Foto:

Andre Penner / AP / dpa

Der Ort der Kundgebung war bewusst gewählt: An dem Industriestandort südlich von São Paulo hatte Lula einst als Metallarbeiter von Volkswagen gearbeitet und 1979 als Gewerkschaftsführer einen Streik angeführt.

Bolsonaros Prioritäten: »Gott, Land, Familie und Freiheit«

Gegen Lula tritt Flávio Bolsonaro an, Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen eines versuchten Staatsstreichs 2023 inhaftiert ist (mehr dazu hier). Er präsentiert sich als gemäßigte Version seines Vaters. »Ich weiß, ich sehe aus wie er«, sagte der 45-jährige Präsidentschaftskandidat vor Tausenden Anhängern am Copacabana-Strand in Rio de Janeiro über seinen Vater. »Aber es ist schwer, Pelés Sohn mit Pelé zu vergleichen«, fügte Bolsonaro mit Blick auf die brasilianische Fußballlegende hinzu.

Er werde »die Souveränität Brasiliens wiederherstellen«, sagte der Senator der Liberalen Partei (PL) mit Blick auf die innere Sicherheit. Außerdem versprach er, das Land vor Korruption, Verbrechen, hohen Lebensmittelpreisen und steigender Staatsverschuldung zu »retten« und »Gott, Land, Familie und Freiheit« in den Mittelpunkt seiner Politik zu stellen.

Bolsonaro-Wahlkampfauftakt am Strand in Rio de Janeiro

Bolsonaro-Wahlkampfauftakt am Strand in Rio de Janeiro

Foto:

Fabio Teixeira / Anadolu Agency / IMAGO

Zum zentralen Wahlkampfthema – Bekämpfung von Gewaltverbrechen einschließlich des gegenwärtigen Rekordniveaus an Femiziden – sagte Bolsonaro, Brasilien werde mit ihm »gewinnen, weil ich die Frauen dieses Brasiliens schützen werde«. Unter seiner Regierung würden Vergewaltiger von Frauen und Kindern im Gefängnis landen »und nur rauskommen, nachdem sie einer chemischen Kastration unterzogen wurden«, sagte Bolsonaro an der Seite seiner Frau Fernanda.

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In Brasilien wird ein knappes Rennen erwartet. Für eine mögliche Stichwahl sieht das Meinungsforschungsinstitut Quaest Lula bei 43 und Bolsonaro bei 40 Prozent. Weiteren Bewerbern werden keine Chancen eingeräumt.

Im April traf der SPIEGEL Lula in Brasília. In dem Gespräch ging es unter anderem um Donald Trump und die Frage, wie man sich in einer unberechenbaren Welt behaupten kann. Hier geht’s zum Text .

aar/dpa/AFP