SpOn 09.10.2026
15:16 Uhr

Berlin: Linke Bundestagsabgeordnete kritisieren rot-grün-rotes Sondierungspapier


Kaum ist die Tinte getrocknet, brodelt es in der Linken. Zahlreiche Abgeordnete und Parteivertreter kritisieren das rot-grün-rote Sondierungspapier in Berlin und den Mechanismus gegen Antisemitismus aufs Schärfste.

Berlin: Linke Bundestagsabgeordnete kritisieren rot-grün-rotes Sondierungspapier

Innerhalb der Linken rumort es nur einen Tag nach den vereinbarten Sondierungsgesprächen mit Grünen und der SPD gewaltig. Insgesamt 17 Bundestagsabgeordnete, zahlreiche Vorstandsmitglieder sowie einige Landesspitzen unterstützten eine Stellungnahme auf Instagram , die das gestrige Papier sowie die eigenen Verhandlungsführenden scharf kritisiert.

»Die darin enthaltenen Formulierungen übernehmen Narrative einer medialen Hetzkampagne«, heißt es darin eingangs. Die Kritik bezieht sich im Kern auf den vereinbarten Mechanismus, der bei antisemitischen Vorfällen innerhalb der Fraktion greifen soll.

Einigung auf Sondierungspapier war »schwerer politischer Fehler«

In der Vereinbarung von Linken, Grünen und SPD bekräftigen die Parteien das Existenzrecht Israels und lehnen »jegliche Form von Antisemitismus« ab. Sollte es zu einem antisemitischen Vorfall innerhalb der Koalitionsfraktionen kommen, werde dieser von den Parlamentarischen Geschäftsführenden der drei Fraktionen geprüft.

Auf Wunsch eines der drei könne der Vorfall schließlich von einem Gremium von drei Expertinnen oder Experten »fachlich« bewertet werden. Diese sollen über »besondere Kompetenz« verfügen und aus der »Berliner Stadtgemeinschaft« kommen. »Auf Grundlage dieser Bewertung entscheidet die betroffene Fraktion gemäß ihrer Satzung über Konsequenzen bis hin zum Ausschluss.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Begriffe im Kontext von Antisemitismus seien dabei »so weit und dehnbar gefasst, dass sie gegen jede Kritik an der israelischen Besatzungspolitik ins Feld geführt werden können«, heißt es in dem Statement. SPD und Grüne hätten damit »Disziplinierungs- und Spaltungsmaßnahmen von außen in die Partei Die Linke« getragen.

Mitverantwortlich dafür würden auch die linken Verhandlungsführenden gemacht. Dass diese sich dem »Druck von SPD und Grünen gebeugt haben, halten wir für einen schweren politischen Fehler«.

Linke Fraktionsspitze äußert sich zu Koçak

Indes hat die Fraktionsführung der Linken im Bundestag erklärt, dass sie im Fall des umstrittenen Abgeordneten Ferat Koçak  derzeit »keinen Bedarf für weitere Konsequenzen« sieht. Das sagte Fraktionschef Sören Pellmann am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Mehr zum Thema

Zuvor hatte der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach im Zusammenhang mit den Sondierungsgesprächen in der Hauptstadt die Erwartung geäußert, Koçak könne nicht weiter Mitglied der Bundestagsfraktion bleiben. Pellmann betonte, Koçak setze seine Arbeit als Sprecher für Antirassismus und Antifaschismus fort und werde »in einen anderen, noch zu beratenden Ausschuss gehen«.

anr/jmm