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Überraschung im Südwesten
Es ist 18 Uhr, die Wahllokale sind geschlossen. Das sind die ersten Prognosen von ARD und ZDF zum Wahlausgang in Baden-Württemberg.
Grüne: in der ARD 32 Prozent, im ZDF 31,5 Prozent
CDU: 29/30,5 Prozent
AfD: 17,5/18 Prozent
SPD: 5,5/5,5 Prozent
FDP: 4,5/4,5 Prozent
Linke: 4,5/4,5 Prozent
Grüne: in der ARD 32 Prozent, im ZDF 31,5 Prozent
CDU: 29/30,5 Prozent
AfD: 17,5/18 Prozent
SPD: 5,5/5,5 Prozent
FDP: 4,5/4,5 Prozent
Linke: 4,5/4,5 Prozent
Das sind die Gewinner und Verlierer
Nach bisherigen Prognosen ändern sich die Ergebnisse verglichen mit der Wahl 2021 so: Die Grünen verlieren 0,6 bis 1,1 Prozentpunkte, die CDU gewinnt 4,9 bis 6,4 Prozentpunkte. Die AfD gewinnt 7,8 bis 8,3 Prozentpunkte, die SPD verliert etwa 5,5 Prozentpunkte, die FDP etwa 6 Prozentpunkte, die Linke gewinnt etwa 0,9 Prozentpunkte.
Die Prognosen wurden von Infratest dimap für die ARD und der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF erhoben. Für die Zahlen wurden Wählerinnen und Wähler direkt nach der Stimmabgabe im Wahllokal befragt. Später folgen noch Hochrechnungen. Diese beruhen auf bisher ermittelten amtlichen Ergebnissen in ausgewählten Wahlkreisen.
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Gute Stimmung bei der AfD: Die wenigen Funktionäre, die es auf die »Rumpfwahlparty« geschafft haben, geben sich Mühe, das Ergebnis laut zu feiern. Das Ergebnis ist ein gutes für die Partei, sie verdoppelt ihr Ergebnis von der letzten Wahl. Es ist aber bei Weitem nicht überragend: 18,4 war das stärkste Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland: 2024 in Hessen. Das kann man in Baden-Württemberg, Stand jetzt, nicht überbieten. Obwohl der Bundestrend die AfD stärker sieht. Schuld daran sei vor allem die Zuspitzung auf das Duell zwischen Grünen und CDU, sowie die Kampagne der Medien gegen die AfD, so Spitzenkandidat Frohnmaier vor Journalisten auf seiner Wahlparty.
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SPD-Generalsekretär: »unter die Räder gekommen«
Die Sozialdemokraten haben erneut massiv verloren und müssen womöglich zittern, ob sie noch in den Stuttgarter Landtag kommen. Im SWR räumt Generalsekretär Tim Klüssendorf das schlechte Ergebnis ein. Man habe »total gespürt«, dass die Dynamik sich im Wahlkampf geändert habe und man »unter die Räder gekommen« sei. Schuld sei allerdings hauptsächlich der Zweikampf auf Landesebene – bei der Wahl Rheinland-Pfalz hoffe die SPD in zwei Wochen darauf, von einem ähnlichen Effekt bald zu profitieren.
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CDU-Generalsekretär Linnemann: »Aber natürlich hoffen wir noch«
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeigt sich im ARD-Interview verhalten – man solle den Abend und vor allem die Hochrechnungen abwarten. Seine Partei hat sich den Prognosen zufolge im Vergleich zu 2021 zwar verbessert. »Die CDU Baden-Württemberg hat klar zugelegt, sie hat eine gute Schlussoffensive in den letzten Tagen hingelegt«, sagt Linnemann. »Aber klar möchten wir die Wahl gewinnen, alles andere wäre nicht richtig«, sagt er. »Es müsste bei der Prognose schon ein kleines Wunder geschehen«, räumt Linnemann ein. »Aber natürlich hoffen wir noch.«
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Eva Bräth
Factcheckerin

Hintergrund: FDP-Stammland Baden-Württemberg
Die FDP ist heute, wie es aussieht, an der Fünfprozenthürde gescheitert. Damit ist sie das erste Mal in der Geschichte des Bundeslandes nicht mehr im Landtag vertreten. Ihre stärkste Zeit hatte die Partei in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als sie im Südwesten immer zweistellige Ergebnisse einfuhr. Sogar den ersten Regierungschef des Bundeslandes stellten die Liberalen: Reinhold Maier bildete nach der Wahl im März 1952 mit der SPD und dem »Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten« eine Koalition, obgleich die CDU die meisten Mandate errungen hatte. Gewählt wurde damals noch die Verfassungsgebende Versammlung, das heute bestehende Bundesland wurde erst am 25. April desselben Jahres gegründet.
Maier war der einzige FDP-Politiker, der in Deutschland jemals das Amts des Ministerpräsidenten bekleidete – abgesehen von Thomas Kemmerich in Thüringen, der 2020 mit Stimmen der rechtsextremen AfD gewählt wurde und nach nur drei Tagen zurücktrat. Die Regierung Maier bestand nur bis 1953, aber danach war die FDP an zehn weiteren CDU-geführten Kabinetten beteiligt (1953-1966, 1996-2011).
2011 war es schon einmal sehr knapp für die FDP in ihrem Stammland: Mit gerade einmal 5,3 Prozent zog sie in den Stuttgarter Landtag ein. Generalsekretärin Nicole Büttner, kann sich jetzt nicht einmal lange die Haare raufen: Sie hat angekündigt, sich eine Glatze zu rasieren, sollten die Liberalen den Wiedereinzug in den Stuttgarter Landtag verpassen.
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Grünenchefin Brantner spricht von großem Erfolg für Özdemir
»Was für ein gutes Signal aus Baden-Württemberg an die Republik«, sagt Grünenchefin Franziska Brantner in Berlin. Die Leute hätten sich für Zuversicht entschieden, und nicht für den Weg zurück in die Vergangenheit. Özdemir habe auf 15 Jahren erfolgreicher Politik Kretschmanns aufgebaut. »Es ist ein großer Erfolg für Cem Özdemir, es ist ein großer Erfolg für uns Grüne.«
Foto: Christoph Soeder / dpa
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CDU-Justizministerin spricht über Demut
Zwischen Wurstsalat und Maultaschen: Auf der CDU-Wahlparty ist auch die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges. »Es ist am Ende ein denkbar knappes Rennen«, sagt die CDU-Politikerin. Das hätte sie »in dieser Form nicht gebraucht.« Jetzt gelte es in aller Demut die Entscheidung des Wählers umzusetzen.
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Spahn: »Es ist ein knappes Rennen«
Im ZDF äußert sich Jens Spahn zu den ersten Prognosen. »Es ist ein knappes Rennen«, sagt der Fraktionschef der Union im Bundestag. Es sei ein Kopf-an-Kopf-Rennen, er empfehle allen Geduld, den Verlauf des Wahlabends abzuwarten. Die CDU habe klar dazugewonnen, sagt Spahn. Was er nicht sagt: Dass die CDU sich eigentlich zum Ziel gesetzt hatte, die Wahl zu gewinnen. Danach zumindest sieht es nicht aus.
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Sind SPD-Wähler zu den Grünen übergelaufen?
Die Grünen in Führung, CDU nur auf dem zweiten Platz – wenn das so bleibt, wäre das bitter für Manuel Hagel, Friedrich Merz und die Union. Auf der Verliererseite: die SPD. Nach Lage der Dinge sind viele SPD-Anhänger in letzter Minute noch zu den Grünen übergelaufen und machen Özdemir stark. Erschreckend: das starke Abschneiden der AfD. Sie wird nicht mitregieren, darf sich aber gestärkt fühlen – jetzt auch im Südwesten.
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Getrübte Stimmung auf der Wahlparty der CDU
Wahlparty der CDU steigt im Stuttgarter Genohaus: Der Jubel ist verhalten mit Blick auf die ersten Zahlen.
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Schnelle Schalte im Ersten zu den Wahlpartys von CDU und Grünen. Drückende Stille bei Hagels Leuten, der Reporter sagt verhalten, dass später noch ein DJ auflegt, sein Blick drückt aber Zweifel aus, dass das die Stimmung wohl auch nicht aufhellen könne. Bei den Grünen fröhliches Gejohle, die Reporterin macht begeistert ein »nervöses Kribbeln« aus. Die ersten Prognosen dürften die jeweiligen Stimmungen noch verstärkt haben. Hoffentlich hat der CDU-DJ später was Lustiges auf Lager.
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So sieht es in der Berliner FDP-Zentrale um 18.00 Uhr aus, als die ersten Prognosen kommen, die die Partei nicht mehr im Stuttgarter Landtag sehen.
Leere in der FDP-Zentrale. Foto: Florian Gathmann / DER SPIEGEL
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AfD fand keine Location für Wahlparty
Die AfD feiert eine »Rumpfwahlkampfparty«, wie ihr Spitzenkandidat Markus Frohnmaier gerade sagte. Die extremen Rechten haben wieder mal keine Räume gefunden, ein Hotel hat ihr kurzfristig abgesagt. Nun feiert man mit etwa 30 Funktionären in einem kleinen Saal, weit entfernt vom Landtag. Frohnmaier dankt den Anwesenden für einen »starken Wahlkampf«. Er selbst wird nicht lange bleiben, muss bald zum Landtag fahren, etwa 20 Autominuten von der Wahlparty entfernt.
Foto: Fabian Hillebrand / DER SPIEGEL
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Hintergrund: Mitwählen ab 16
Zum ersten Mal sind bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige wahlberechtigt. Das beschloss der Landtag 2022. Damit haben die 16- und 17-Jährigen in sieben von 16 Bundesländern auch auf Landesebene ein aktives Wahlrecht.
Wahlplakate in der Stuttgarter Innenstadt. Foto: Arnulf Hettrich / IMAGO
Laut Schätzungen des Statistischen Landesamtes von Baden-Württemberg sind gut 180.000 16- und 17-Jährige diesmal zur Wahl aufgerufen. Dadurch, dass die Absenkung des Wahlalters bei dieser Landtagswahl das erste Mal greift, umfasst die Gruppe der Erstwählerinnen und Erstwähler rund 650.000 junge Menschen – 8,4 Prozent aller Wahlberechtigten. Für welche Partei sich die jungen Wähler entscheiden werden, ist schwierig vorherzusagen. Vor allem für die FDP und die Linke, die in den Umfragen nur knapp über der Fünfprozenthürde liegen, dürften die jungen Wählerinnen und Wähler interessant sein. Denn bei der Europawahl 2024 erzielten die FDP (8,4 Prozent) und die Linke (5,4 Prozent) in Baden-Württemberg ihre besten Resultate in der Wählergruppe der 16- bis 24-Jährigen. Ähnlich sah es auch bei der Landtagswahl 2021 in der Wählergruppe von 18 bis 24 Jahren aus.
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Grünen-Wahlparty: »Wir sind vorbereitet«
Auf der Grünen-Wahlparty in der Stuttgarter Staatsgalerie füllt sich allmählich der Saal. Die Betonsäulen sind durch Scheinwerfer grün angeleuchtet, die Kameras auf die Bühne ausgerichtet. Im Vorraum wartet eine Helferin mit einem großen Blumenstrauß. Für Cem Özdemir? Nein, für eine Landtagskandidatin, antwortet die Helferin. »Aber wir sind vorbereitet.« Die Stimmung auf der Wahlparty lässt sich als gespannt-optimistisch bezeichnen. Die Grünen sehen das Momentum auf ihrer Seite: Sie haben in den Umfragen einen großen Rückstand aufgeholt und zuletzt sogar gleichgezogen. Aber wird es ausreichen, um die CDU zu überholen?
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Muschterländle ade? Testen Sie Ihr Wissen im Krisen-Quiz
Wie steht es in Baden-Württemberg um Arbeitsplätze, Industrie und Konjunktur? Meine Kollegen Ferdinand Holsten und Alexander Preker haben ein Krisen-Quiz gebastelt. Zu den Fragen geht es hier entlang.
Welche Folgen es hat, wenn in einem der Wirtschaftszentren Deutschlands der Motor stottert, hat meine Kollegin Christine Keck beobachtet: Das Autoland Baden-Württemberg kämpft um Arbeitsplätze und Wohlstand. Bei der Landtagswahl könnte sich der Frust entladen.
Welche Folgen es hat, wenn in einem der Wirtschaftszentren Deutschlands der Motor stottert, hat meine Kollegin Christine Keck beobachtet: Das Autoland Baden-Württemberg kämpft um Arbeitsplätze und Wohlstand. Bei der Landtagswahl könnte sich der Frust entladen.
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Von 2 bis 7,7 Millionen: Die Wahl in Zahlen
2: Stimmen haben die Wählerinnen und Wähler hier zum ersten Mal bei einer Landtagswahl.
5: Prozent ist auch hier die Hürde, die Parteien überspringen müssen, um in den Landtag einzuziehen.
16: Ist erstmals das Wahlalter bei dieser Landtagswahl. Bei Kommunalwahlen durften die jungen Erwachsenen schon seit 2014 mitwählen.
18: Gewählt wird heute der 18. Stuttgarter Landtag.
21: Parteien sind zur Wahl zugelassen. Grüne, CDU, SPD, FDP, AfD und die Linke haben für jeden Wahlkreis einen Direktkandidaten aufgestellt, zehn weiter Parteien, wie Volt, sind nur in einigen Wahlkreisen vertreten. Weitere fünf Parteien, darunter die Rentnerpartei (PDR), treten nur mit Landeslisten an.
5: Prozent ist auch hier die Hürde, die Parteien überspringen müssen, um in den Landtag einzuziehen.
16: Ist erstmals das Wahlalter bei dieser Landtagswahl. Bei Kommunalwahlen durften die jungen Erwachsenen schon seit 2014 mitwählen.
18: Gewählt wird heute der 18. Stuttgarter Landtag.
21: Parteien sind zur Wahl zugelassen. Grüne, CDU, SPD, FDP, AfD und die Linke haben für jeden Wahlkreis einen Direktkandidaten aufgestellt, zehn weiter Parteien, wie Volt, sind nur in einigen Wahlkreisen vertreten. Weitere fünf Parteien, darunter die Rentnerpartei (PDR), treten nur mit Landeslisten an.
Stimmzettel. Foto: Björn Trotzki / IMAGO
70: Wahlkreise gibt es. Von Stuttgart I bis Sigmaringen.
120: Abgeordnete werden mindestens in den Stuttgarter Landtag einziehen. So legt es das Landtagswahlgesetz fest. Je nach Wahlergebnis kann es Überhangs- und Ausgleichsmandate geben, sodass mehr als 120 Kandidatinnen und Kandidaten ein Mandat erringen. Aktuell sitzen 154 Abgeordnete im Landtag. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Parlament durch das neue Zweistimmenwahlrecht noch größer wird
1184: Personen kandidieren bei der Landtagswahl. Davon sind 790 Männer, 390 Frauen und vier diverse Personen, sie sind 18 bis 82 Jahre alt. 467 davon bewerben sich im Wahlkreis direkt, stehen aber auch auf der Landesliste. 177 stehen nur auf der Landesliste, 531 treten nur im Wahlkreis an (Ersatzkandidaturen mitgezählt).
7,7 Millionen: Menschen sind nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes wahlberechtigt. Das wäre ein neuer Höchststand. Vor allem die Zuzüge ins Land haben die Zahlen anwachsen lassen, aber auch die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre.
120: Abgeordnete werden mindestens in den Stuttgarter Landtag einziehen. So legt es das Landtagswahlgesetz fest. Je nach Wahlergebnis kann es Überhangs- und Ausgleichsmandate geben, sodass mehr als 120 Kandidatinnen und Kandidaten ein Mandat erringen. Aktuell sitzen 154 Abgeordnete im Landtag. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Parlament durch das neue Zweistimmenwahlrecht noch größer wird
1184: Personen kandidieren bei der Landtagswahl. Davon sind 790 Männer, 390 Frauen und vier diverse Personen, sie sind 18 bis 82 Jahre alt. 467 davon bewerben sich im Wahlkreis direkt, stehen aber auch auf der Landesliste. 177 stehen nur auf der Landesliste, 531 treten nur im Wahlkreis an (Ersatzkandidaturen mitgezählt).
7,7 Millionen: Menschen sind nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes wahlberechtigt. Das wäre ein neuer Höchststand. Vor allem die Zuzüge ins Land haben die Zahlen anwachsen lassen, aber auch die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre.
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Özdemir und der Palmer-Booster
Im Wahlkampf setzte Özdemir auf einen, der gar nicht mehr bei den Grünen ist: Boris Palmer. Tübingens Oberbürgermeister lag mit den Grünen oft über Kreuz, empörte viele in der Partei mit verbalen Entgleisungen und kalkulierten Tabubrüchen. Aber: Palmer ist über die grüne Stammwählerschaft hinaus beliebt, gilt als kompetenter Macher. Özdemir suchte bewusst Palmers Nähe, heiratete am Valentinstag kurz nach Mitternacht im Tübinger Rathaus die kanadische Juristin Flavia Zaka; Palmer führte die Trauung durch. Meine Kollegin Christine Keck hat sich genauer angeschaut, wie Özdemir sich den Palmer-Booster zunutze machen möchte.
Palmer und Özdemir. Foto: Bernd Weißbrod / dpa
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Hintergrund: Kretschmanns wirtschaftliche Bilanz
Die Bilanz des ersten grünen Ministerpräsidenten kann sich auf den ersten Blick sehen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das den Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen misst, stieg preisbereinigt seit 2011 um 18,9 Prozent. Zum Vergleich: Das BIP Deutschlands stieg in dem Zeitraum preisbereinigt um 13,1 Prozent. Wenn Baden-Württemberg ein eigenständiges Land wäre, stünde es im Ländervergleich der Wirtschaftsleistung auf Platz sieben, mit einem höheren BIP als Belgien.
Auf der anderen Seite bahnt sich eine schwerere Strukturkrise in Baden-Württemberg an. Das verarbeitende Gewerbe, das in dem Bundesland prozentual mehr zur Wirtschaftsleistung beiträgt als anderswo, muss den Strukturwandel hin zur E-Mobilität meistern und wird auf der anderen Seite durch Trumps erratische Zollpolitik zusätzlich eingeschränkt. Mehrere Firmen haben angekündigt, in den kommenden Jahren Stellen zu streichen. Die Arbeitslosenquote erreichte im Januar einen so hohen Wert wie schon seit 2007 nicht mehr.
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Bedrohter IT-Gigant vom Neckar
Das momentan wertvollste Unternehmen des Dax kommt aus Baden-Württemberg. Mit einer Marktkapitalisierung von fast 200 Milliarden Euro führt SAP die Liste der 40 Dax-Unternehmen an, vor Siemens und der Deutschen Telekom. Ohne SAP-Software ging bislang nichts in Deutschlands Büros, doch das könnte sich bald ändern. KI setzt das Geschäftsmodell des IT-Riesen unter Druck wie nie. Weil auch die Konkurrenz leidet, droht eine neue Finanzkrise. Lesen Sie mehr dazu hier.
SAP-Showroom in Walldorf. Foto: Tim Wegner / DER SPIEGEL
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Wahltag in Baden-Württemberg: Die Bilder
Wählen in Tracht – und bei Sonnenschein: So stimmt Baden-Württemberg ab.
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Wie erklärt sich der AfD-Erfolg in Baden-Württemberg?
Baden-Württemberg ist ein reiches Bundesland mit starker Wirtschaft und geringer Arbeitslosigkeit – dennoch punktet die AfD hier vielerorts. Nirgends im Westen ist die Zustimmung zu der rechtsextremen Partei höher als in Rottweil-Tuttlingen. Unsere Kollegin Kathrin Werner hat sich das Phänomen vor Ort angeschaut. Lesen Sie hier, was sie bei ihrem Ortsbesuch erfahren hat.
Foto: Jeanette Petri / DER SPIEGEL
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Chris Häuser
Faktenchecker

Schwarz fast immer dabei: Regierungskoalitionen in Baden-Württemberg
Diese Landtagswahl ist die Chance für die CDU, wieder die stärkste Fraktion im baden-württembergischen Landtag zu werden und den Ministerpräsidenten zu stellen. Fast 60 Jahre lang, von 1953 bis 2011, kam seit der Landesgründung 1952 der Regierungschef von der CDU, bevor Kretschmann mit den Grünen den Lauf beenden konnte.
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In der AfD wächst der Unmut über Spitzenkandidat Frohnmaier
Die AfD könnte heute das beste Ergebnis jemals bei einer Landtagswahl in Westdeutschland einfahren. Bisheriger Bestwert: 18,4 Prozent holte man 2023 in Hessen. Das gilt es für AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier zu toppen. Die Chancen stehen gut: Die Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap taxierten die AfD in ihren letzten Umfragen bei rund 18 Prozent, Insa bei 20 Prozent.
Die AfD würde damit ihr Ergebnis von den letzten Landtagswahlen 2021 fast verdoppeln. Trotzdem wären viele in der Partei damit nicht zufrieden. Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD 19,8 Prozent der Zweitstimmen. Seitdem sehen die Demoskopen die AfD eher noch wachsen. In Baden-Württemberg ist auch die Krise der Autoindustrie besonders zu merken. Parteichefin Weidel hatte gehofft, davon stärker zu profitieren. Nicht zuletzt gab auch Frohnmaier selbst einst das Ziel aus, 25 + X Prozent zu erreichen. Zwischenzeitlich sahen die Demoskopen die AfD auch als zweitstärkste Kraft, vor den Grünen.
Die AfD würde damit ihr Ergebnis von den letzten Landtagswahlen 2021 fast verdoppeln. Trotzdem wären viele in der Partei damit nicht zufrieden. Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD 19,8 Prozent der Zweitstimmen. Seitdem sehen die Demoskopen die AfD eher noch wachsen. In Baden-Württemberg ist auch die Krise der Autoindustrie besonders zu merken. Parteichefin Weidel hatte gehofft, davon stärker zu profitieren. Nicht zuletzt gab auch Frohnmaier selbst einst das Ziel aus, 25 + X Prozent zu erreichen. Zwischenzeitlich sahen die Demoskopen die AfD auch als zweitstärkste Kraft, vor den Grünen.
Doch davon scheint man inzwischen weit entfernt. Der Trend geht in eine andere Richtung. Viele in der AfD machen dafür Frohnmaier verantwortlich. Aus zwei Gründen.
- Frohnmaier ist tief verstrickt in die »Verwandtenaffäre« der Partei. Seine Frau, sein Vater und seine Schwester arbeiten oder arbeiteten für andere AfD-Abgeordnete.
- Bei der Abschlusskundgebung im Wahlkampf fehlte Frohnmaier. Seine Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla schwörten die Anwesenden auf die Wahl ein. Frohnmaier meldete sich per Videobotschaft aus den USA – dort weilte er bis Freitag auf einer Konferenz. Den Parteichefs schien das nicht zu gefallen. Mit keinem Wort erwähnten sie in ihren Reden den eigenen Spitzenkandidaten. Und noch ungewöhnlicher: Eine eigentlich für Montag angesetzte Pressekonferenz mit Markus Frohnmaier sagten die AfD-Chefs ab.
Die Erwartungen in der AfD und bei der Bundesspitze sind hoch. Sollte Frohnmaier kein ausreichendes Ergebnis einfahren, wird es sich erklären müssen.
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Das sind die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der anderen Parteien
SPD: Andreas Stoch. Er war schon bei der Landtagswahl 2021 Spitzenkandidat, ist seit zehn Jahren SPD-Landtagsfraktionschef und seit 2018 Landesvorsitzender. In der ersten Legislaturperiode Kretschmanns war er Kultusminister. Der 56-Jährige will eine historische Pleite verhindern. Der SPD droht laut Umfragen ein Ergebnis unter ihrem bisher schlechtesten Ergebnis von nur elf Prozent im Jahr 2021. Stoch dürfte nicht helfen, dass er nach einem Besuch bei der Tafel seinen Fahrer anwies, in Frankreich einen Feinkost-Einkauf zu machen.
AfD: Markus Frohnmaier. Der 35-Jährige sitzt zurzeit als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag und da scheint es ihm ganz gut zu gefallen. Zwar wurde er AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, aber er steht weder auf der Landesliste seiner Partei, im Gegensatz zu allen anderen Spitzenkandidaten, noch bewirbt er sich um ein Direktmandat. Nur als Ministerpräsident wolle er sein Bundestagsmandat aufgeben und nach Stuttgart kommen, daraus macht er kein Geheimnis. Doch dass es dazu kommt, ist so gut wie ausgeschlossen. Die AfD könnte den Regierungschef nur stellen, wenn sie eine absolute Mehrheit bekommt. Denn keine andere Partei möchte mit den extrem Rechten koalieren. Von einer solchen Mehrheit ist sie im Südwesten aber weit entfernt. In den Umfragen lag bis zuletzt die CDU vorne, gefolgt von den Grünen.
Linke: Die Partei will mit drei Frauen als Spitzenkandidatinnen den erstmaligen Einzug in den Stuttgarter Landtag schaffen. Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei wurden im vergangenen Jahr von einem Landesparteitag gewählt. Auf Listenplatz eins steht Bohnen. Die 26-Jährige stammt aus Schleswig-Holstein und kam zum Studium nach Heidelberg. Sie arbeitet seit der vergangenen Bundestagswahl als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Linken-Bundestagsfraktion. Die 23 Jahre alte Vollmer arbeitet als Büroangestellte, seit 2023 ist sie im Landesvorstand der Partei. Die 28-jährige Ghazaei, Tochter iranischer Einwanderer, macht derzeit ihren Master an der Universität Stuttgart.
AfD: Markus Frohnmaier. Der 35-Jährige sitzt zurzeit als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag und da scheint es ihm ganz gut zu gefallen. Zwar wurde er AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, aber er steht weder auf der Landesliste seiner Partei, im Gegensatz zu allen anderen Spitzenkandidaten, noch bewirbt er sich um ein Direktmandat. Nur als Ministerpräsident wolle er sein Bundestagsmandat aufgeben und nach Stuttgart kommen, daraus macht er kein Geheimnis. Doch dass es dazu kommt, ist so gut wie ausgeschlossen. Die AfD könnte den Regierungschef nur stellen, wenn sie eine absolute Mehrheit bekommt. Denn keine andere Partei möchte mit den extrem Rechten koalieren. Von einer solchen Mehrheit ist sie im Südwesten aber weit entfernt. In den Umfragen lag bis zuletzt die CDU vorne, gefolgt von den Grünen.
Linke: Die Partei will mit drei Frauen als Spitzenkandidatinnen den erstmaligen Einzug in den Stuttgarter Landtag schaffen. Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei wurden im vergangenen Jahr von einem Landesparteitag gewählt. Auf Listenplatz eins steht Bohnen. Die 26-Jährige stammt aus Schleswig-Holstein und kam zum Studium nach Heidelberg. Sie arbeitet seit der vergangenen Bundestagswahl als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Linken-Bundestagsfraktion. Die 23 Jahre alte Vollmer arbeitet als Büroangestellte, seit 2023 ist sie im Landesvorstand der Partei. Die 28-jährige Ghazaei, Tochter iranischer Einwanderer, macht derzeit ihren Master an der Universität Stuttgart.
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Kann »Brüllke« die FDP retten?
In jüngsten Umfragen lag die CDU ziemlich konstant bei um die 30 Prozent, die Grünen mit gut 20 Prozent meist knapp vor der AfD. Wie die Mehrheitsverhältnisse im Stuttgarter Landtag künftig aussehen, wird auch maßgeblich davon abhängen, ob die FDP in ihrem Stammland erneut den Einzug ins Parlament schafft – Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem die FDP immer im Landtag saß. Sollte das nicht gelingen, wäre es für die Partei ein Desaster, nachdem sie schon den Einzug in den Bundestag verfehlte. Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke, Fraktionschef und Landesvorsitzender, soll das Scheitern der FDP verhindern, spricht von der »Mutter aller Wahlen«. Rülke, der wegen seiner lautstarken Attacken im Landtag den Spitznamen »Brüllke« bekam, gibt sich so selbstbewusst wie rauflustig, hat mein Kollege Florian Gathmann beobachtet.
Foto: Bernd Weißbrod / dpa / picture alliance
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Erst Kretschmann, nun Özdemir?
Während Hagel trotz aller Bemühungen vielen in Baden-Württemberg unbekannt geblieben ist, dürfte Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir mehr Leuten ein Begriff sein. Er ist 23 Jahre älter als Hagel, war Bundestagsabgeordneter, von 2008 bis 2018 Grünenchef, Europaabgeordneter. 2021 gewann er bei der Bundestagswahl das Direktmandat in seinem Wahlkreis Stuttgart und wurde Bundeslandwirtschaftsminister in der Ampelkoalition. Özdemir gehört in gewisser Weise schon zum politischen Inventar der Republik.
Im Wahlkampf kämpft Özdemir gegen das miese Image seiner eigenen Partei, hat mein Kollege Severin Weiland beobachtet. Den ganzen Text lesen Sie hier.
Im Wahlkampf kämpft Özdemir gegen das miese Image seiner eigenen Partei, hat mein Kollege Severin Weiland beobachtet. Den ganzen Text lesen Sie hier.
Foto: Lorenz Mehrlich / SZ Photo / picture alliance
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Regierungschef U40?
Sollte die CDU die Landtagswahl für sich entscheiden, wird Hagel wohl der nächste Ministerpräsident Baden-Württembergs. Er ist 37 Jahre alt. Damit würde Hagel nicht nur der jüngste amtierende Ministerpräsident Deutschlands, er wäre auch in Baden-Württemberg der jüngste Regierungschef seit der Gründung des Bundeslandes 1952. Doch zum jüngsten Landeschef der Geschichte der Bundesrepublik reicht es nicht einmal, wenn er es noch schafft sich vor seinem Geburtstag am 1. Mai noch zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Hans-Ulrich Klose (SPD) wurde 1974 Erster Bürgermeister von Hamburg. Er war auch 37, blieb das aber auch noch ein gutes halbes Jahr.
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Wird Hagel der jüngste Ministerpräsident Baden-Württembergs?
Für die CDU steht in Baden-Württemberg viel auf dem Spiel. Es ist die erste Landtagswahl des Jahres, sie gilt auch für die Bundesregierung um CDU-Kanzler Friedrich Merz als Stimmungstest. Gelingt ein Erfolg, können die Christdemokraten endlich wieder nach 15 Jahren Kretschmann den Ministerpräsidenten stellen? Das muss in Baden-Württemberg, wo die CDU fast 60 Jahre durchgehend an der Regierung war, ihr Anspruch sein.
Spitzenkandidat Manuel Hagel soll ihn erfüllen. Der gelernte Bankkaufmann ist seit zehn Jahren Landtagsabgeordneter. In der nun endenden Legislaturperiode war er Landtagsfraktionschef, außerdem wählte die CDU ihn zum Landesvorsitzenden. Meine Kollegin Christine Keck hat Hagel bei der Jagd begleitet. Ihren Text lesen Sie hier.
Spitzenkandidat Manuel Hagel soll ihn erfüllen. Der gelernte Bankkaufmann ist seit zehn Jahren Landtagsabgeordneter. In der nun endenden Legislaturperiode war er Landtagsfraktionschef, außerdem wählte die CDU ihn zum Landesvorsitzenden. Meine Kollegin Christine Keck hat Hagel bei der Jagd begleitet. Ihren Text lesen Sie hier.
Foto: Maria Bayer / DER SPIEGEL
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Wahlkampf mit Tücken
Im Wahlkampf zeigte sich einmal mehr, dass auch lange zurückliegende Ereignisse – oder Entscheidungen weit jenseits des Bundeslandes – Wahlkämpfe belasten können. Es ist erst gut zwei Monate her, dass die Grünen im Europaparlament mit dafür sorgten, dass das Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika noch einmal juristisch überprüft wird (und sich so wohl auf Jahre verzögert). Dafür stimmten die Grünen gemeinsam mit äußerst rechten Parteien, was hinterher zu einigen verbalen Verrenkungen führte. Özdemir sah seinen Wahlkampf gefährdet und schrieb bei X: »Offensichtlich haben noch immer zu viele den Ernst der Lage nicht verstanden.«
Auch Hagel erlebte Verstolperer, allerdings selbstverschuldete: Die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer postete ein acht Jahre altes Video, das Hagel bei einem Stammtischgespräch zeigt. Hagel berichtet von einem Besuch in einer Schule, und garniert das mit fragwürdigen Aussagen über eine Schülerin: »Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.« Hagel versuchte sich sofort in Schadensbegrenzung: »Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist«, sagt er dem SPIEGEL. »Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen.« Im Wahlkampfendspurt zeigte sich Hagel zudem bei einem Schulbesuch nicht ganz sattelfest in Sachen Treibhauseffekt – und eckte bei einer Lehrerin an.
Auch Hagel erlebte Verstolperer, allerdings selbstverschuldete: Die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer postete ein acht Jahre altes Video, das Hagel bei einem Stammtischgespräch zeigt. Hagel berichtet von einem Besuch in einer Schule, und garniert das mit fragwürdigen Aussagen über eine Schülerin: »Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.« Hagel versuchte sich sofort in Schadensbegrenzung: »Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist«, sagt er dem SPIEGEL. »Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen.« Im Wahlkampfendspurt zeigte sich Hagel zudem bei einem Schulbesuch nicht ganz sattelfest in Sachen Treibhauseffekt – und eckte bei einer Lehrerin an.
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Hohe Beteiligung in Wahllokalen bis 14 Uhr
Bis 14 Uhr haben 41,34 Prozent der Wahlberechtigten, die nicht Briefwahl beantragt hatten, in den Wahllokalen ihre Stimme abgegeben. Das hat Landeswahlleiterin Cornelia Nesch mitgeteilt. Bei der Landtagswahl 2021 lag der Anteil der Urnenwähler zum selben Zeitpunkt bei 30,57 Prozent gelegen – allerdings gab es damals deutlich mehr Briefwählerinnen und -wähler.
In diesem Jahr haben von den 7,7 Millionen Wahlberechtigten nach Angaben der Wahlleiterin rund zwei Millionen Briefwahl beantragt. Im Jahr 2021, während der Coronapandemie, lag der Anteil der Briefwählerinnen und Briefwähler offiziell bei 51,5 Prozent.
Eine Wählerin bei der Stimmabgabe. Foto: Fleig / Eibner-Pressefoto / IMAGO
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Kretschmanns Energiewende-Bilanz
Seit fast 15 Jahren regiert Winfried Kretschmann Baden-Württemberg. Da drängt sich die Frage auf, wie gut er beim Thema Energiewende abgeschnitten hat – schließlich gilt sie als grüne Kernkompetenz. Dem baden-württembergischen Umweltministerium zufolge haben im Jahr 2024 erneuerbare Energien in dem Bundesland – gemessen an der Bruttostromerzeugung – 21,1 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt, 2011 waren es noch 11,4 TWh. In Kretschmanns Amtszeit hat sich die Menge damit fast verdoppelt. Mit knapp 59 Prozent Anteil liegt das Land in etwa auf Bundesniveau.
Windpark und Solarfeld in Amstetten. Foto: Arnulf Hettrich / imageBROKER / picture alliance
Beim Thema Windkraft hängt Baden-Württemberg – ähnlich wie der Nachbar Bayern – deutlich hinterher, auch gemessen an den eigenen Zielen. Im ersten Koalitionsvertrag von 2011 wollte man für 2020 einen Windanteil von zehn Prozent erreichen. Tatsächlich wurden es gerade einmal 6,6 Prozent. Und selbst nach dem Atomausstieg und dem damit verbunden Einbruch bei der gesamten Bruttostromerzeugung (von rund 55 TWh im Jahr 2022 auf knapp 36 TWh 2024) kommt die Windkraft nur auf 8,8 Prozent. Einzig Bayern und Berlin haben bezogen auf die Fläche weniger installierte Leistung als Baden-Württemberg.
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Mirjam Schlossarek
Faktencheckerin

Hintergrund: Das Einwanderungsländle
Fast 38 Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg haben einen Migrationshintergrund (Stand 2024), knapp die Hälfte von ihnen hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit leben gut zwei Millionen Ausländerinnen und Ausländer im Land, das ist ein Anteil von 18 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft sind dabei laut Ausländerzentralregister weiterhin die größte Gruppe.
Von der ausländischen Bevölkerung sind 390.000 Menschen als Schutzsuchende erfasst. Das sind alle Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Baden-Württemberg aufhalten. Auch Asylbewerber im Verfahren sowie abgelehnte Asylbewerber zählen dazu.
Von der ausländischen Bevölkerung sind 390.000 Menschen als Schutzsuchende erfasst. Das sind alle Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Baden-Württemberg aufhalten. Auch Asylbewerber im Verfahren sowie abgelehnte Asylbewerber zählen dazu.
Die Zahl der Menschen, die neu nach Baden-Württemberg kommen, um einen Asylantrag zu stellen, geht seit zwei Jahren zurück. 2025 waren es 13.500 neue Asylbewerber und damit fast fünfzig Prozent weniger als 2024 (26.200 Erstanträge). Das Bundesinnenministerium führt die sinkenden Asylbewerberzahlen auf die »Migrationswende« von Schwarz-Rot zurück. Kern ist die Zurückweisung von Asylsuchenden an der Grenze. Allerdings hatte bereits die Ampel die Grenzkontrollen im September 2024 auf alle Landesgrenzen ausgeweitet und Verschärfungen bei Abschiebungen vorgenommen. Für den Rückgang dürften andere Faktoren eine größere Rolle spielen, etwa die veränderte Lage nach dem Sturz von Assad in Syrien. Auch die Grenzkontrollen entlang der Balkan-Route und die restriktive Migrationspolitik Italiens wirken sich auf die Asylbewerberzahlen aus.
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Der Landtag ist weiträumig abgesperrt
Bestes Wahlwetter in Stuttgart, sonnig. Um den Landtag herum ist das Areal weiträumig abgesperrt, überall steht Polizei. Auf den Wiesen nebenan picknicken die Menschen. Etliche zieht es in die Oper gleich gegenüber, fünf Stunden Wagner mit Pausen, auch ein Mammutprogramm. Wenn die Theatergänger um 22 Uhr die Meistersänger von Nürnberg hinter sich haben, ist die Wahl vermutlich längst gelaufen.
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Ein Grüner durchbricht die CDU-Dominanz
Dass ein Grüner mal Regierungschef wird, galt lange als quasi unmöglich, besonders in Baden-Württemberg, wo die CDU viele Jahre allein regierte. Winfried Kretschmann schaffte es, und das gleich dreimal hintereinander:
- 2011 erhielten die Grünen bei der Landtagswahl 24,2 Prozent, die SPD 23,1 Prozent. Das reichte, um gemeinsam zu regieren. Kretschmann wurde als erster Grüner in der Geschichte der Republik Ministerpräsident und führte eine grün-rote Regierung.
- Bei der Landtagswahl 2016 verbesserten sich die Grünen auf 30,3 Prozent und lagen damit sogar vor der CDU. Weil die SPD aber abschmierte und die grün-rote Mehrheit dahin war, regierte Kretschmann mit einer grün-schwarzen Mehrheit weiter.
- Bei der Landtagswahl 2021 legten die Grünen unter Kretschmann erneut zu und landeten bei 32,6 Prozent. Kretschmann konnte trotz Verlusten der CDU die grün-schwarze Koalition fortsetzen.
Im August 2025 überholte Kretschmann Erwin Teufel als Ministerpräsident mit der längsten Amtszeit in Baden-Württemberg.
Foto: Marijan Murat / dpa
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Das politische Spitzenpersonal hat gewählt
Hagel, Özdemir, Frohnmaier: In Baden-Württemberg haben die Spitzenkandidaten im Wahllokal abgestimmt, ebenso wie Noch-Ministerpräsident Kretschmann. Die Bilder.
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Eva Bräth
Faktencheckerin

Hintergrund: Erstmals Erst- und Zweistimme
Bei dieser Landtagswahl haben die Wahlberechtigten in Baden-Württemberg erstmals zwei Stimmen. Das ist das Ergebnis einer Wahlrechtsreform von 2022. Mit der Erststimme kann man nun für einen Direktkandidaten votieren, mit der Zweitstimme für die Landesliste einer Partei. Im alten System konnte man nur eine Stimme für einen Wahlkreiskandidaten vergeben – diese ging aber auch in die Errechnung der prozentualen Sitzverteilung im Parlament ein. Landeslisten, wie man sie etwa von der Bundestagswahl kennt, gab es bisher im Südwesten nicht.
Die vorgesehenen 120 Mandate werden nach Zweitstimmenergebnis verteilt. Die insgesamt 70 gewählten Direktkandidaten aus den Wahlkreisen erhalten aber auf jeden Fall ein Mandat. Wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt, als ihr aufgrund ihres Zweitstimmenanteils zustehen würde, behält sie diese Überhangmandate. Überhangmandate einer Partei werden mit Ausgleichsmandaten für andere Parteien kompensiert. Es ist wahrscheinlich, dass der Landtag, in dem aktuell 154 Abgeordnete sitzen, größer wird.
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Schwarz und Grün, näher beieinander als gedacht
Lange Zeit sah es so aus, als gehe CDU-Mann Hagel ziemlich ungefährdet einem Wahlsieg entgegen. Aber im Wahlkampf-Schlusssport hat Cem Özdemir aufgeholt – das sorgt bei der Union in Berlin für »Alarmstufe Grün«. Und im Südwesten lässt sich beobachten: Hagel zittert, Özdemir lacht.
Spitzenkandidaten Hagel, Özdemir (im November bei einem Termin in Stuttgart). Foto: Marijan Murat / dpa
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Herzlich willkommen beim SPIEGEL-Newsblog zur Landtagswahl in Baden-Württemberg. Wer regiert künftig im Südwesten? Sicher ist nur: Winfried Kretschmann wird es nicht sein, nach drei Amtszeiten zieht sich der noch amtierende grüne Ministerpräsident zurück. Es gilt als ausgemacht, dass einer von zwei Männern der nächste Ministerpräsident wird: Cem Özdemir von den Grünen oder Manuel Hagel von der CDU. Wir halten Sie hier in den kommenden Stunden über alle Entwicklungen rund um die Wahl auf dem Laufenden.
Den Überblick, was Sie zur Wahl wissen müssen, haben Christine Keck und Florian Gathmann zusammengetragen – bitte hier entlang.
Den Überblick, was Sie zur Wahl wissen müssen, haben Christine Keck und Florian Gathmann zusammengetragen – bitte hier entlang.
Spitzenkandidaten Hagel und Özdemir (im November 2025). Foto: Bernd Weißbrod / dpa
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Mit Material der Agenturen






