SpOn 17.03.2026
06:32 Uhr

Afghanistan, Pakistan: Taliban berichten von Hunderten Tote bei Angriff auf Klinik in Kabul


400 Tote, 250 Verletzte: Pakistan soll laut den Taliban einen verheerenden Luftschlag auf eine Entzugsklinik in Kabul durchgeführt haben. Islamabad stellt den Angriff deutlich anders dar.

Afghanistan, Pakistan: Taliban berichten von Hunderten Tote bei Angriff auf Klinik in Kabul

Seit mehreren Wochen bekämpfen sich Afghanistan und Pakistan. Nun soll das pakistanische Militär einen besonders verheerenden Luftschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul durchgeführt haben. Bei dem Angriff auf eine Entzugsklinik für Drogenabhängige seien 400 Menschen getötet worden, etwa 250 weitere seien verletzt worden, schrieb der stellvertretende Taliban-Sprecher Hamdullah Fitrat auf der Plattform X. Pakistan wies die Darstellung zurück. Die Angaben beider Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Das pakistanische Informationsministerium erklärte auf X, es habe Angriffe auf militärische Einrichtungen, Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen sowie Ausrüstungs- und Munitionslager in Kabul sowie in der Provinz Nangarhar im Osten des Landes gegeben. Die Angriffe würden »präzise« durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden, hieß es.

Fernsehbilder des afghanischen Fernsehsenders Tolonews zeigten nach den Angriffen weiträumige Feuer- und Rauchsäulen und große Menschenmengen bei Bergungsarbeiten in zerstörten Anlagen.

Die nach afghanischen Angaben in Kabul getroffene Klinik soll über 2000 Betten verfügen. Der Uno-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich in einem X-Post »bestürzt über jüngste Berichte über Luftangriffe Pakistans in Afghanistan und die daraus resultierenden zivilen Opfer«.

Zugespitzter Konflikt mit den Taliban

Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut der Uno-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) Tote und Verletzte. Bis einschließlich vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, teilte Unama damals mit. Afghanistan wiederum hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad.

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Bereits im vergangenen Herbst war es zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Ein nachhaltiger Frieden konnte bei verschiedenen Gesprächsrunden nicht erreicht werden. Pakistan wirft den in Kabul regierenden islamistischen Taliban vor, Terrorgruppen zu unterstützen. Die Taliban weisen die Vorwürfe zurück.

Die jüngste Eskalation des Konflikts folgte auf pakistanische Luftangriffe am 22. Februar in zwei afghanischen Provinzen. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach Ende Februar von einem »offenen Krieg«.

Zuletzt hatte China versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch die – militärisch unterlegenen – Taliban hatten auf einen Dialog gedrängt. Mit den neuerlichen Luftangriffen auf Kabul könnte sich das ändern.

mrc/dpa