SpOn 08.07.2026
05:53 Uhr

Ägypten: Neues Militär-Hauptquartier so groß wie Lissabon


Das Pentagon ist klein dagegen: Ägyptens Machthaber Abdel Fattah el-Sisi hat seinen Militärs eine Megaimmobilie geschenkt, auf die Donald Trump neidisch sein dürfte.

Ägypten: Neues Militär-Hauptquartier so groß wie Lissabon

Mit einer aufwendigen Zeremonie hat Ägypten diese Woche das neue Hauptquartier für die Streitkräfte des Landes eingeweiht. Beobachtern zufolge ist es nun das größte seiner Art weltweit. Präsident und Ex-General Abdel Fattah el-Sisi zeigte sich erstmals seit mehr als zehn Jahren öffentlich in Militäruniform. Er bezeichnete den Komplex bei der Eröffnung als »Beweis für den Willen einer Nation, die das Unmögliche nicht kennt«. Auf dem Weg zum »Octagon«, wie das Kommandozentrum heißt, wurde er von Kampfhubschraubern begleitet und begutachtete dort unter anderem militärisches Gerät.

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Der Name »Octagon« (Achteck) verweist auf acht zentrale Gebäude des Komplexes mit einem Grundriss von jeweils acht Ecken. Der Name könnte aber auch ein Verweis sein auf das Pentagon (Fünfeck), dem Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums in der Nähe von Washington. Das Pentagon galt lange als weltweit größter Bau für ein Verteidigungsministerium – jetzt wurde es vom »Octagon« abgelöst. Dieses entspricht mit einer Fläche von rund 90 Quadratkilometern der Größe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.

Der Komplex liegt in der neuen Verwaltungshauptstadt in der Wüste östlich von Kairo, mit geschätzten Kosten von umgerechnet 50 Milliarden Euro eines der teuersten Projekte seit der Machtübernahme el-Sisis.

Sisi kam in dem nordafrikanischen Land 2013 in einem vom Militär getragenen Putsch an die Macht. Ägypten spürt seit Jahren deutlich die Folgen von Kriegen im benachbarten Gaza und dem Sudan sowie vom anhaltenden Konflikt im Nachbarland Libyen. Die Sicherheitslage in Ägypten selbst ist nach den Unruhen der Revolution von 2011 aber vergleichsweise stabil.

IWF hat seinen Kredit aufgestockt und baut ihn nun wohl nochmals aus

Dass Ägyptens Generäle nun eine neue Mega-Immobilie bekommen, ist bemerkenswert. Schließlich steckt das Land in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten und hat derzeit eine Auslandsverschuldung in Höhe von umgerechnet 143 Milliarden Euro. Viele Ägypter machen Sisi und seine Megaprojekte für die Krise verantwortlich.

Wohl auch, weil Ägypten ein Schlüsselland in der Region ist, kann es derzeit aber einmal mehr auf weitere Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von rund ​1,6 Milliarden Dollar hoffen. Man habe sich auf Arbeitsebene auf die ‌Überprüfung zweier Finanzvereinbarungen geeinigt, teilte der IWF am Montag mit. Die endgültige Auszahlung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des IWF-Exekutivdirektoriums. Dem Fonds zufolge sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges ​im Nahen Osten auf Ägypten dank entschlossener politischer Maßnahmen »relativ begrenzt« geblieben. Dazu ⁠zählten ⁠Anpassungen der Kraftstoff- und Strompreise sowie Ausgabenkürzungen der Regierung.

Die ägyptische Wirtschaft leidet besonders unter den Folgen des Krieges zwischen ‌den USA und Israel gegen Iran, der ‌die fragile Stabilität des Landes belastet. Das Land ist auf ausländische Kapitalzuflüsse und Gasimporte angewiesen. Der IWF empfahl Ägypten, eine straffe Geldpolitik beizubehalten, um ‌den Inflationsdruck einzudämmen. Die Teuerungsrate lag im Mai bei 14,6 Prozent. Zudem sei eine rasche Umsetzung ‌der Privatisierungspläne entscheidend, um das ​Wachstum des Privatsektors zu ‌fördern. Im März 2024 hatte der ‌IWF ​sein ursprünglich im Dezember 2022 vereinbartes Kreditprogramm für Ägypten von drei auf acht ​Milliarden Dollar ⁠aufgestockt.

dop/dpa/Reuters