Wie sieht ein Raum aus, in dem man lernt, Leben zu retten? In Hamburg hat der Raum einen grauen Teppichboden, auf ihm stehen zu einem U aufgestellte Tische, in einer Ecke gibt es Kaffee und Teewasser aus großen Thermoskannen, vor dem Fenster fahren S-Bahnen. 14 Frauen sitzen sich gegenüber und sollen einander eine Frage stellen. Ohne Vorlauf, ohne Erklärung, eine Antwort soll es auch nicht geben. Nur diese eine Frage:
»Hast du Suizidgedanken?«
Alle wollen wissen: Wie reagiert man, wenn jemand »Ja« sagt? Doch eine solche Frage zu stellen, ist nicht einfach.
Miriam hält es für seltsam, so etwas zu fragen, wenn der Kontext fehlt. Saskia fragt: »Darf ich mitweinen?« Teresa verlässt nach der Übung den Raum. Sie musste kurz Luftholen, erzählt sie später, ein Bekannter habe sich suizidiert.
»Sprecht die Frage einfach mal aus«, sagt Kursleiterin Sylke Känner, »ganz profan, nur um sie einmal in der eigenen Stimme zu hören.« Die Frage ist wichtig: Wenn es auch häufig Anzeichen für Suizidgedanken gibt, teilt sich nicht jede betroffene Person mit. »Wir können es nur herausfinden, wenn wir direkt danach fragen.«
