SPIEGEL: Frau Matias, Sie haben für Ihre aktuelle Studie alte Menschen kurze Texte mit der Hand schreiben lassen. Manche waren an Demenz erkrankt, andere nicht. Was haben Sie herausgefunden?
Matias: Wir haben den Teilnehmenden Sätze diktiert oder sie abschreiben lassen. Es ging nicht darum, was die Menschen schreiben, sondern wie sie es tun. Dabei fiel auf: Bei Menschen mit Demenz verändert sich die Handschrift, sie ist zum Beispiel nicht mehr so fließend, wie das normalerweise der Fall ist.
SPIEGEL: Sie haben Merkmale entdeckt, die nur in den Schriftproben der Demenzkranken vorkamen?
Matias: Ja, die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zeigten bei der zeitlichen Abstimmung und der Organisation ihrer Handschriftbewegungen bestimmte Muster. Sie setzten öfter ab oder machten Pausen. Das gilt vor allem für komplexe Aufgaben wie das Schreiben nach Diktat. Wenn nur Linien oder Striche zu Papier gebracht werden, was wir ebenfalls untersucht haben, gibt es keine Unterschiede. Bei den schwierigeren Aufgaben waren die Unterschiede eindeutig.
SPIEGEL: Wie unterscheidet sich Ihre Methode von anderen Tests?
Matias: Herkömmliche Bewertungen konzentrieren sich auf die Ergebnisse von bestimmten Aufgaben. Bei uns geht es aber um den Prozess des Schreibens, den wir mithilfe digitaler Technologien erfassen. Die Methode könnte aussagekräftige Anzeichen für einen kognitiven Rückgang früher liefern als andere Tests.
SPIEGEL: Werden wir im Alter nicht generell langsamer, auch ohne Demenzerkrankung?
Matias: Es stimmt, dass Altern zu einer Verlangsamung der Handschrift führen kann. Aber kognitiv gesunden älteren Erwachsenen gelingt es oft, das auszugleichen, sodass ihre Schreibleistung trotz einer gewissen altersbedingten Verlangsamung stabil bleibt. Menschen mit beginnender Demenz schaffen das weniger gut.

