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11.03.2026
12:58 Uhr
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Der größte deutsche Rüstungskonzern legt Rekordzahlen vor – wegen der gestiegenen Nachfrage nach Panzern, Drohnen, Satelliten und Marineschiffen. Auch auf den Krieg in Nahost hat sich Rheinmetall schon eingestellt.

Rheinmetall-Chef Armin Papperger präsentierte die Konzernzahlen auf einer Pressekonferenz. INA FASSBENDER/AFP
Rheinmetall ist der große Gewinner der deutschen Aufrüstung, das zeigen die Zahlen, die der größte deutsche Rüstungskonzern jetzt veröffentlicht hat. Der Umsatz stieg auf 9,9 Milliarden Euro im Jahr 2025, das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir haben operativ ein neues Rekordergebnis erzielt und werden die Profitabilität des Konzerns weiter steigern“, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger auf der Pressekonferenz. Auch für das Jahr 2026 erwartet die Firma eine Steigerung. Um 40 bis 45 Prozent soll der Umsatz weiter anwachsen und gegen Ende des Jahres 14 Milliarden Euro betragen.
Rheinmetall profitiert stark vom derzeitigen Rüstungsboom. Aufträge im Wert von über 63 Milliarden Euro bekam die Firma laut den neuesten Zahlen. Dies seien 35 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch auf den Krieg in Nahost hat sich Rheinmetall bereits eingestellt: „Middle East war bisher gar nicht so der Fokus, das hat sich am Wochenende sehr schnell verändert“, sagte Papperger. Waffen der Firma werden laut dem Rheinmetall-Chef bereits im Iran-Krieg benutzt. Nun will Rheinmetall den USA helfen, ihre Raketenarsenale wieder aufzufüllen. Drohnen im hohen zweistelligen Bereich seien im Mittleren Osten mit Rheinmetall-Systemen abgeschossen worden.
Und der Konzern will weiter wachsen und sich nach eigenen Angaben auf See, in der Luft, an Land und im All ausbreiten. „Domänenübergreifend“ nennt Rheinmetall dies. „Rheinmetall expandiert in allen Bereichen“, sagte Papperger in der Pressekonferenz zu den jüngsten Zahlen. Dass er in Zukunft mit US-amerikanischen Riesen wie Lockheed Martin gemessen werden will, sagte er der SZ bereits im November 2025.
Zusammen mit der finnischen Firma ICEYE hat Rheinmetall etwa einen Milliardenauftrag der Bundeswehr erhalten, um Aufklärungssatelliten herzustellen. Als großer Einstieg in den Weltraum bezeichneten das Analysten. Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Bundeswehr die Ausschreibung für ein deutsches Mini-Starlink, eine abgespeckte Version des US-amerikanischen Satellitennetzwerks von Elon Musks Firma Space-X. Rheinmetall will nun auch hier mitspielen, voraussichtlich zusammen mit OHB und Airbus. Der Druck ist groß, möglichst schnell im Weltraum eigene Fähigkeiten aufzubauen. Das zeigt die Situation in der Ukraine, wo die Soldaten auf Starlink angewiesen sind.
Auch im maritimen Bereich will sich Rheinmetall ausbreiten. Zuletzt hatte der Konzern den Marineschiffbauer NVL übernommen. „Gemeinsam mit unserem neuen Bereich Naval Systems setzen wir die Segel in den Wind und nehmen jetzt volle Fahrt auf“, so Papperger. Doch kann Rheinmetall mit dieser „vollen Fahrt“ auch rechtzeitig liefern?
In der Vergangenheit kam es zumindest zu Lieferverzögerungen. Sie betreffen die ganze Industrie, und damit auch Rheinmetall. Der Panzer Leopard 2A8 des Rüstungsunternehmens KNDS, für den Rheinmetall wichtige Komponenten liefert, wird etwa bislang deutlich langsamer produziert als vergleichbare russische Systeme. Auch die Lieferung des Flugabwehrkanonenpanzers Skyranger von Rheinmetall verzögerte sich in der Vergangenheit um 18 Monate, wie Fachmedien berichteten. Rheinmetall will nun Werke in ganz Europa aufbauen, sagte Papperger. Damit wolle man dann 400 Skyranger im Jahr, „acht pro Woche“ produzieren.
Neben dem Rüstungsgeschäft produzierte Rheinmetall jahrelang auch für die Automobilindustrie. Damit soll jetzt Schluss sein, die Autosparte der Firma steht zum Verkauf. Von einem „schweren Schritt“ sprach Papperger. Man wolle sich nun vollständig auf das Verteidigungsgeschäft fokussieren und zum „umfassenden Systemhaus“ werden. Schließlich will sich Rheinmetall mit US-amerikanischen Rüstungsfirmen messen können.
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