Der Christopher Street Day in Berlin ist abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung im Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren ist. Mindestens eine Frau wurde getötet, viele weitere Menschen wurden verletzt.
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26.07.2026 15:24 Uhr |

Der Christopher Street Day in Berlin ist abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung im Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren ist. Mindestens eine Frau wurde getötet, viele weitere Menschen wurden verletzt.
Hunderttausende Menschen feierten am Samstag in Berlin den Christopher Street Day, ein Fest gegen Diskriminierung von queeren Menschen. Kurz vor 22 Uhr wurde die Feier plötzlich abgebrochen. Nach Angaben der Polizei kam es im Tiergarten nahe dem Potsdamer Platz zu einem größeren Polizeieinsatz.
Wie ein Polizeisprecher berichtete, war ein weißer Wagen über den Ahornsteig parallel zur Lennéstraße gefahren und hatte mehrere Menschen an- oder umgefahren, bevor er einen Baum rammte. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gehen Ermittler von einem islamistischen Terroranschlag aus.
Eine Frau starb noch vor Ort an ihren Verletzungen. Die Feuerwehr berichtete zunächst, 16 Menschen seien verletzt worden, drei von ihnen lebensgefährlich, acht schwer. Die lebensbedrohlich und schwer verletzten Menschen seien in Krankenhäuser gebracht worden. Dobrindt bezifferte die Zahl der Verletzten bei einem Pressestatement am Tatort am Sonntagnachmittag auf 29, unter ihnen Schwerstverletzte. Nach Angaben der Berliner Polizei am Sonntagnachmittag sei niemand der Verletzten in den Krankenhäusern noch in einem kritischen, lebensbedrohlichen Zustand.
Über den Fahrer des Wagens sagt die Polizei, dass dieser das Auto verlassen habe und geflohen sei. In der Nacht teilte die Polizei mit, sie habe einen mutmaßlichen Tatverdächtigen identifiziert. „Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“, sagte Polizeisprecher Florian Nath.
Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR war der Tatverdächtige Abdul B. als islamistischer „Gefährder“ eingestuft. Sicherheitsbehörden schätzten ihn demnach als radikalisiert und gewaltbereit ein. Er soll im vergangenen Jahr mehrfach versucht haben, sich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ anzuschließen. Laut Generalstaatsanwaltschaft Berlin hat er erfolglos versucht, über die Türkei nach Mauretanien zu gelangen. Im Mai 2025 sei er über die Türkei in den Libanon gereist. Beim Versuch, dort über Kontaktpersonen sein eigentliches Ziel Syrien zu erreichen, sei er festgenommen worden. Ein Militärgericht verurteilte ihn unter anderem wegen Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten zu drei Monaten Haft. Nach seiner Freilassung wurde er Ende 2025 bei der Rückreise aus Libanon am Berliner Flughafen BER festgenommen. Laut Ermittlerkreisen soll er wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat bis Mai 2026 in Untersuchungshaft gesessen haben.
Der Tatverdächtige hatte nach Informationen von SZ, NDR und WDR die Auflage erhalten, Gespräche mit einer Deradikalisierungs-Beratungsstelle wahrzunehmen. Zuerst hatte die Welt darüber berichtet. Aktuell befand sich B. noch in einem sogenannten Clearingprozess, das heißt, die Beratungsstelle hatte noch nicht entschieden, ihn als Beratungsfall aufzunehmen. Demnach hätten erst zwei Termine stattgefunden, der dritte sollte in der kommenden Woche folgen. Diese seien zunächst freiwillig gewesen.
Innenminister Dobrindt sagte am Sonntag, der mutmaßliche Angreifer sei schon in der Vergangenheit „auffällig“ geworden. Dobrindt sprach von einem „hohen Maß von Straftaten“ und einer „islamistischen Radikalisierung“. Der 21-Jährige sei deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund, so Dobrindt. Der mutmaßliche Täter sei 2005 in Deutschland geboren worden. Nach ihm werde weiterhin intensiv gefahndet.
Die Polizei sucht öffentlich mit einem Foto nach dem mutmaßlichen Tatverdächtigen. Die Behörden warnten vor dem Verdächtigen: „Sollten Sie den Tatverdächtigen antreffen, wählen Sie unverzüglich die 110! Sprechen Sie ihn nicht an, er ist möglicherweise bewaffnet und gefährlich!“ Der Verdächtige wird als schlank und etwa 1,90 Meter groß beschrieben. Er trage einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose.
Dobrindt machte am Sonntag auch neue Angaben zum Tatverlauf. Nach der Amokfahrt auf Fußwegen im Tiergarten sei der mutmaßliche Täter wohl mit einer Machete auf weitere Passanten losgegangen. Zeugen hätten von am Boden liegenden Opfern mit Stichverletzungen berichtet, hatte der Berliner Polizeisprecher Florian Nath gesagt.
Beim Tatfahrzeug handelt es sich laut Nath um ein Privatfahrzeug, nicht um einen Mietwagen. Das leere und stark demolierte Fahrzeug wurde im Bereich des Tatorts sichergestellt. Nach Informationen von SZ, NDR und WDR ist in dem Tatfahrzeug ein Mobiltelefon gefunden worden, das dem Verdächtigen Abdul B. zugerechnet wird.
Die exakten Hintergründe der Tat inklusive des Motivs sind derzeit noch unklar. Nach Behördenangaben ist ebenfalls noch unklar, ob der gesuchte Verdächtige Abdul B. tatsächlich das Fahrzeug gesteuert hat und wem der weiße Van gehört.
Offen ist auch, ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder ob es Komplizen gibt. Laut Polizei machten Zeugen unterschiedliche Aussagen dazu, ob es einen oder mehrere Täter gibt. Die Polizei hat nach dem Angriff mehrere Menschen in Gewahrsam genommen. Von Tatverdächtigen sprach Polizeisprecher Florian Nath dabei aber nicht. Er sagte jedoch: „Wir haben immer noch die Ermittlungshypothese, dass es nicht nur ein Tatverdächtiger sein könnte.“
Hinweis der Redaktion: Dieser Text wurde nach dem Pressestatement von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am Sonntagnachmittag aktualisiert.
Der Tatverdächtige greift Polizisten beim Zugriff in einer Kleingartenanlage mit einer Stichwaffe an und wird erschossen, meldet die Berliner Polizei.
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