SZ 06.08.2026
15:46 Uhr

Terrorismus: Drohne in Leipzig: Wo kommt der Sprengstoff her?


Nach dem Fund einer präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle richtet sich der Blick auf Semtex – einen Stoff mit einer langen Geschichte.

Terrorismus: Drohne in Leipzig: Wo kommt der Sprengstoff her?

Eigentlich wollten die chinesische Alchemisten im 9. Jahrhundert ein Elixier herstellen, das das Leben verlängert, dann schufen sie einen Stoff, der auch den Tod bringen kann. Das damals von ihnen aus Schwefel, dem Mineral Realgar, Salpeter und Honig gemischte Schwarzpulver gilt als erster Sprengstoff der Geschichte. Es war ein aus heutiger Sicht vergleichsweise schwaches Gemisch, das aber bereits die typische Vielfältigkeit in der Anwendung zeigte: Anfangs wurde es für Feuerwerk verwendet, später in den ersten Handfeuerwaffen und Bomben eingesetzt.

Heute kann die chemische Zusammensetzung von Sprengstoffen Fachleuten einiges verraten. So deuten die Ermittlungen in Leipzig auf den Plastiksprengstoff Semtex hin und auf PETN (Pentaerythrittetranitrat), einen ebenfalls explosiven Stoff, der häufig Bestandteil von Sprengschnüren und Zündsystemen ist. Semtex ist ein alter Bekannter der Terrorfahnder. Der Stoff wurde bereits in einigen Anschlägen verwendet, etwa beim Pan-Am-Flugzeug-Anschlag von Lockerbie 1988, bei dem insgesamt 270 Menschen starben.

Ein Grund für die Beliebtheit bei Attentätern sind wohl die Eigenschaften von Semtex. Es ist zwar hochexplosiv und wirkt bereits in kleinen Mengen verheerend, ist dabei aber relativ unempfindlich gegenüber mechanischem Druck von außen. Es braucht einen starken Zünder, um den Plastiksprengstoff zur Explosion zu bringen, zum Beispiel PETN. „Beide zählen zu den leistungsfähigsten zivilen oder militärischen bekannten Sprengstoffen“, sagte die Sprengstoffexpertin Sabrina Wahler vom California Institute of Technology der Welt. Zugleich ist Semtex dank der Beimischung von Kautschuk und eingedicktem Mineralöl gut formbar, sodass der Explosivstoff leicht an Hohlräume und Verstecke angepasst werden kann. Sei es, um ein altes Gebäude fachgerecht zu sprengen, sei es, um ein Passagierflugzeug anzugreifen.

Sprengstoffe sind bis heute typische Dual-Use-Produkte, die für militärische und zivile Zwecke eingesetzt werden können. Sie bestehen aus chemischen Verbindungen, die – einmal gezündet – sehr schnell reagieren und dabei große Mengen an Energie freisetzen, die zu einer starken Druckwelle und häufig großer Hitze führen.

Bereits 1847 wurde Nitroglyzerin synthetisiert, das Alfred Nobel in gebundener Form als Dynamit industriell nutzbar machte. Wenige Jahre später wurde erstmals Trinitrotoluol (TNT) hergestellt, das bis heute zum Vergleich der Energiefreisetzung unterschiedlicher Substanzen dient. Unter den modernen chemischen Hochleistungsexplosivstoffen gelten CL-20 und Octanitrocuban als besonders leistungsfähig. Je nach Berechnung wirken sie bis zu anderthalbfach so stark wie TNT. Auch Semtex liegt in dieser Größenordnung.

Für die zivile und militärische Anwendung zählen heute eher sekundäre Eigenschaften: Wie empfindlich reagiert der Sprengstoff auf Einwirkung von außen, ist seine Wirkung gut kontrollierbar, wie kann er gezündet werden? Vor allem im zivilen Bereich werden heute zunehmend auch die Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen beachtet.

Semtex wurde erstmals 1966 von der tschechischen Firma VCHZ Synthesia entwickelt. Es wird immer noch produziert, weil es für bestimmte zivile Einsätze, etwa bei geoseismischen Untersuchungen oder bestimmten Abbrucharbeiten immer noch hervorragend geeignet ist. Allerdings ist der Sprengstoff heute streng reglementiert und überwacht. Um die Verbreitung des Sprengstoffs nachvollziehen zu können, ist er zudem mit Markierungsstoffen versehen, die auch von Detektoren am Flughafen oder Spürhunden erkannt werden.

Mögliche Terroristen können kaum auf legale Weise an Semtex oder anderen Plastiksprengstoff kommen. „Historisch stammen sichergestellte Bestände oft aus Altbeständen, aus Konfliktregionen oder aus Diebstählen aus industriellen oder militärischen Lagern“, sagt Wahler.

In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren hat die damals noch sozialistische Tschechoslowakei in großem Maßstab Semtex an das Libyen Muammar al-Gaddafis exportiert, manche Experten schätzen bis zu 1000 Tonnen. Das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass wenige Hundert Gramm Plastiksprengstoff genügen, um ein Verkehrsflugzeug vom Himmel zu holen.

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