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05.06.2026
14:45 Uhr
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Es sei beschlossene Sache, das Poetenfest künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen – so hat es Erlangens neuer CSU-Rathauschef öffentlich behauptet. Nichts davon ist wahr.

Hat Erlangens neuer CSU-Rathauschef Jörg Volleth die städtischen Festivals verwechselt? Im Bild zu sehen ist das Poetenfest, das wichtigste Literaturfestival des deutschen Bücherherbstes. Foto: Georg Pöhlein/Poetenfest
Dass Kommunen sich veranlasst sehen, einer öffentlichen Darstellung zu widersprechen, kommt vor. Dass aber eine Stadt den eigenen Rathauschef offiziell dementiert und das per schriftlicher „Klarstellung“ – ist maximal selten. Fünf Wochen nach Dienstantritt des neuen CSU-Oberbürgermeisters Jörg Volleth sieht die Stadt Erlangen hinreichenden Anlass, dies machen zu müssen. In einem Wortlaut-Interview mit den Erlanger Nachrichten hatte der OB zuvor behauptet, es sei beschlossene Sache, dass das Erlanger Poetenfest künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden solle. Die Stadt stellte daraufhin am Freitag öffentlich klar: „Es gibt keine Beschlüsse, die eine Änderung des bisherigen Turnus vorsehen.“
Das Erlanger Poetenfest findet seit 1980 immer im Spätsommer statt. In mehr als vier Jahrzehnten hat es sich den Ruf erarbeitet, das wichtigste Literaturfestival im deutschen Bücherherbst zu sein. Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse treffen sich in Erlangen jedes Jahr Autorinnen, Publizisten und Kritikerinnen. Schwerpunkt des Festivals sind belletristische Neuerscheinungen. Was die Behauptung des neuen CSU-Oberbürgermeisters, dieser Spätsommerblick auf die jeweilige literarische Saison werde künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden und dies sei angeblich bereits beschlossene Sache, umso erstaunlicher hatte werden lassen.
Nachdem die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch die Stadt Erlangen um Aufklärung gebeten hatte, folgte zwei Tage später besagte „Klarstellung“. Es gebe – anders als von Rathauschef Volleth öffentlich behauptet – keinerlei Beschlüsse, das Festival künftig in neuem Rhythmus zu veranstalten. Dieses finde „weiterhin jährlich“ statt. Zuvor hatten bereits die Grünen auf SZ-Anfrage betont, massive Einschnitte bei dem Festival seien in den Bündnisverhandlungen mit der CSU zu keinem Zeitpunkt ein Thema gewesen. Schon gar nicht stimme es, dass irgendetwas „beschlossen“ sei, erst recht nicht ein so drastischer Schnitt wie ein neuer Turnus fürs alljährliche Literaturfestival. Nach der Kommunalwahl im März haben die Grünen mit der CSU ein Bündnis geschlossen, die erste schwarz-grüne Rathauskooperation der Stadtgeschichte.
Wie es zu der Falschbehauptung des neuen Oberbürgermeisters gekommen ist? Nachdem sich der Rathauschef im offiziellen Dementi der Stadt nicht selbst zu Wort meldet, um sich zu erklären, kursieren darüber lediglich Spekulationen. Hat der Rathauschef womöglich die Erlanger Festivals verwechselt? Darauf könnte der letzte Satz der „Klarstellung“ hinweisen: „Unverändert im zweijährigen Rhythmus durchgeführt werden hingegen der Internationale Comic-Salon Erlangen sowie das Internationale figuren.theater.festival.“
Andererseits kursierten angesichts der Erlanger Haushaltskrise im Kommunalwahlkampf durchaus Ideen, auch die Struktur der Festivals zu überdenken. Ob die Formulierung in der aktuellen städtischen Klarstellung, „nach aktuellem Stand“ finde das Festival weiterhin jährlich statt, auf mögliche künftige Überlegungen hinweisen soll, bleibt offen.
Derweil kritisiert die SPD das Agieren des neuen Oberbürgermeisters scharf: Ein OB müsse mit „Bedacht agieren und seine Worte wägen“, sagt der SPD-Chef im Erlanger Rathaus, Philipp Dees. Eine „Lernkurve beim OB“ sei leider nicht zu erkennen, vielleicht sei er „zu sehr mit der Bergkirchweih beschäftigt gewesen“. Durch eine Liste mit unerwünschtem Volksfest-Liedgut, auf der sich auch „Skandal im Sperrbezirk“ der Spider Murphy Gang fand, waren Erlangen und der neue CSU-Rathauschef zuletzt bundesweit in die Schlagzeilen geraten.
„Skandal in Sperrbezirk“ soll nicht mehr gespielt werden auf dem Erlanger „Berg“. Ist das nicht der eigentliche Skandal? Wer sich umhört, merkt: Die Frage ist umstritten. Mindestens.
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