SZ 12.07.2026
03:58 Uhr

Nahost: Iran schließt Straße von Hormus – USA greifen wieder an


Iran hat nach eigenen Angaben ein Schiff in der Straße von Hormus gestoppt und die Meerenge vorerst geschlossen. Die USA reagieren mit Angriffen. In mehreren Golfstaaten herrscht wieder Alarm.

Nahost: Iran schließt Straße von Hormus – USA greifen wieder an

Iran blockiert im Konflikt mit den USA erneut die strategisch wichtige Straße von Hormus und droht mit einer entschiedenen Antwort auf jede militärische Reaktion. Ein Schiff, das die Sicherheit im Seeverkehr gefährdet habe, sei getroffen und gestoppt worden, teilte die Marine der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) am Sonntag mit. Die Meerenge sei „bis auf Weiteres“ und bis zum „Ende der US-Einmischung in dieser Region“ geschlossen.

Aggressionen gegen Iran „werden auf eine scharfe Reaktion stoßen, und neue feindliche Stützpunkte in der Region werden ins Visier genommen“, hieß es in der Erklärung weiter.

Kurz darauf informierte das US-Militär darüber, dass es Ziele in Iran angegriffen habe. Die Attacke sei eine Reaktion auf einen Angriff der Revolutionsgarden auf das unter zyprischer Flagge fahrende Containerschiff GFS Galaxy, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Ein ziviles Besatzungsmitglied wird demnach vermisst. Das Schiff sei wegen eines Feuers an Bord sowie erheblicher Schäden im Maschinenraum nicht in der Lage, seine Reise fortzusetzen.

In den frühen Morgenstunden herrschte in mehreren mit den USA verbündeten Golfstaaten Alarm. In Bahrain ertönten wieder die Warnsirenen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Bewohner wurden aufgerufen, ruhig zu bleiben und einen sicheren Ort aufzusuchen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate gerieten wieder unter Beschuss. Dort würden Angriffe mit Raketen und Drohnen abgewehrt, teilte das Verteidigungsministerium mit. Der Katastrophenschutz warnte die Bewohner vor einer Bedrohung durch Raketen.

Das Innenministerium von Katar teilte auf der Plattform X mit, die Sicherheitslage sei ernst. Die Einwohner sollten zu Hause bleiben, nicht nach draußen gehen und sich von Fenstern und offenen Flächen fernhalten. Das Verteidigungsministerium teilte mit, die Flugabwehr habe einen Raketenangriff abgewehrt.

Die Eskalation folgt auf eine Woche zunehmender Spannungen und gescheiterter Vermittlungsbemühungen. Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen soll. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der für den Handel wichtigen Straße von Hormus. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe. Trotzdem kam es immer wieder zu neuen Angriffen.

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump zwar erklärt, die Gespräche mit dem Iran würden fortgesetzt, zugleich aber die Waffenruhe für beendet erklärt. Zuvor hatten hochrangige US-Vertreter den Iran öffentlich aufgefordert, die Angriffe auf Schiffe in der Meerenge einzustellen und alle Seewege offen zu halten.

Vermittler aus Katar und Pakistan sowie der Oman hatten sich um die Fortsetzung der Verhandlungen in dem Konflikt bemüht, der nach US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf den Iran am 28. Februar begann. Der iranische Außenminister Abbas Araktschi traf sich im Oman mit seinem Amtskollegen, um über Möglichkeiten einer sicheren Durchfahrt zu beraten.

Von Centcom hieß es nun, der Iran habe mit dem Angriff auf das Schiff eine weitere Gelegenheit verpasst, sich an das Rahmenabkommen zu halten. Teheran habe versagt. Es handelt sich laut Centcom bereits um die dritte Angriffswelle der USA gegen den Iran in dieser Woche.

Durch die Straße von Hormus wurde vor der Eskalation des Konflikts etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert. Die Blockade durch den Iran hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und die weltweite Inflation angeheizt. Einem Bericht des Senders CNN zufolge hatte der Oman einen Vorschlag unterbreitet, der eine freie Durchfahrt im südlichen Korridor in omanischen Gewässern vorsah.

Zusätzlich angeheizt wird der Konflikt durch gegenseitige Drohungen. Der neue oberste geistliche Führer des Iran, Ajatollah Mojtaba Chamenei, schwor am Samstag Rache für den Tod seines Vaters und Vorgängers, Ajatollah Ali Chamenei, der bei den Angriffen am 28. Februar getötet worden war.

Trump hatte seinerseits am Freitag erklärt, er habe das US-Militär angewiesen, darauf vorbereitet zu sein, im Fall eines Anschlags auf ihn Tausende Raketen auf den Iran abzufeuern. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, Israel habe Washington Geheimdienstinformationen über einen iranischen Anschlagsplan gegen Trump übermittelt.

Lange galt Ayatollah Ali Chamenei als unantastbar. Ende Februar tötete das israelische Militär ihn bei einem Luftangriff.  Nach tagelanger Staatstrauer wurde er nun in seiner Heimatstadt beigesetzt.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: