SZ 31.08.2026
16:40 Uhr

Medizin: Hitzewelle: Zu heiß für den Medikamentenversand?


Versandapotheken verschicken Pakete auch mit Medikamenten, die eigentlich kontinuierlich gekühlt werden müssten. Ein Test während der Hitzewelle zeigt: Das könnte riskant sein.

Medizin: Hitzewelle: Zu heiß für den Medikamentenversand?

Medikamente kamen teils aufgeweicht und mutmaßlich beschädigt an. In einer Halle, in der wohl auch Medikamente zwischengelagert wurden, herrschten Temperaturen weit über 40 Grad Celsius. Und einmal wurde ein zu kühlendes Paket an Nachbarn übergeben; es lag später an der Haustürschwelle. Über solche Beispiele berichtet die Zeitschrift Apotheken-Umschau: Beim Verschicken von temperaturempfindlichen Medikamenten durch Versandapotheken kam es während der Hitzewelle Ende Juni demnach offenbar zu Problemen.

Die Redaktion habe während der Rekord-Hitzewelle testweise bei neun großen Versandapotheken Zäpfchen mit Paracetamol oder Dimenhydrinat bestellt, einem Mittel gegen Übelkeit, schreibt die Apotheken-Umschau. Die Zäpfchen sollen bei Raumtemperatur, also maximal 25 Grad Celsius gelagert werden und schmelzen bei Körpertemperatur. Das Ergebnis des Versuchs fiel demnach sehr unterschiedlich aus. Einzelne Päckchen seien gut isoliert und mit einem Kühlpack versendet worden. Mehrere Versandhändler hätten bewusst ihre Logistik angepasst, um schneller zu liefern, oder auch besonders temperaturempfindliche Medikamente vorübergehend aus dem Sortiment genommen. Doch in anderen Fällen kamen Zäpfchen teils deutlich aufgeweicht an.

Auf gemeinsam mit Medikamenten bestellten Badethermometern las die Redaktion laut ihrem Bericht beim Öffnen der Pakete Werte von um die 30 Grad Celsius ab. Messgeräten in extra versendeten Begleitpaketen zufolge lagen die Temperaturen in Lieferwagen, in denen Medikamente ankamen, bei über 33 Grad Celsius. Und über das Hitzerekord-Wochenende vom 27. und 28. Juni seien Medikamente bei Logistikunternehmen liegengeblieben. In einem dieser Lager bei Berlin hätten die Messgeräte mehr als 46 Grad Celsius ergeben, so die Apotheken-Umschau. Nach Auswertung von Sendungsinformationsdaten hätten sich dort mutmaßlich auch Pakete mit Zäpfchen mehrerer Versandapotheken befunden.

Einmal geschmolzene oder weich gewordene Zäpfchen dürfe man nicht mehr verwenden, da sich der Wirkstoff umverteilen könne, erklärte Ulrike Holzgrabe, Seniorprofessorin für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der Universität Würzburg, der Zeitschrift. „Das ist bei Paracetamol-Zäpfchen bei Applikation an Säuglingen und kleinen Kindern gefährlich, da sie nur geringe Dosen vertragen.“ Regina Scherließ, Professorin für Pharmazeutische Technologie an der Universität Kiel, sagte über den Versand: „Aus einem Arzneimittel, das super kontrolliert war und bei dem wir viele Vorkehrungen getroffen haben, damit es genau das tut, was wir wollen, haben wir ein Arzneimittel gemacht, bei dem wir komplett auf das Glück angewiesen sind.“

Die Apotheken-Umschau konfrontierte die Versandapotheken mit den Ergebnissen ihrer Recherche. Nicht alle antworteten; einzelne bezweifelten, ob die gemessenen Temperaturen tatsächlich aussagekräftig seien. Von in anderen Paketen versandten Thermometern etwa lasse sich nicht auf die Innentemperatur von Paketen mit zu kühlendem Inhalt schließen. Andere Versandapotheken räumten menschliche Fehler in Einzelfällen ein. So seien etwa bei einer begrenzten Zahl von Sendungen Medikamente ohne die vorgesehene Kühlverpackung versandt worden.

Nach Auskunft von Behörden werden deutsche Versandapotheken laut Apotheken-Umschau teils etwa alle zwei bis drei Jahre kontrolliert. Für ausländische Apotheken sind die Aufsichtsbehörden in den jeweiligen Heimatländern zuständig.

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