SZ 18.03.2026
12:09 Uhr

ManCity und Pep Guardiola: Gescheitert an der Aura von Real Madrid – schon wieder


Real Madrid setzt sich mit 5:1 nach zwei Partien deutlich gegen Manchester City durch. Vinícius revanchiert sich bei den City-Fans – und Antonio Rüdiger gerät mit Pep Guardiola aneinander.

ManCity und Pep Guardiola: Gescheitert an der Aura von Real Madrid – schon wieder

Die Geste von Vinícius Júnior in Richtung der Fans von Manchester City wirkte beinahe unvermeidlich: Nach seinem ersten von zwei Toren für Real Madrid, die letzte Restzweifel am Einzug seines Klubs ins Viertelfinale der Champions League beseitigten, verharrte er demonstrativ allein an der Eckfahne. Dann rieb er sich mit geballten Fäusten die Augen – eine spöttische Bewegung, die das Wegwischen von Tränen nachahmte. Nach dem Spiel sagte er, er habe die City-Anhänger keinesfalls respektlos behandeln wollen; vielmehr sei dies seine Art gewesen, sich ihnen gegenüber zu behaupten. Hintergrund war ein Plakat der City-Fans beim Aufeinandertreffen vor einem Jahr, auf dem die Oasis-Liedzeile „Stop Crying Your Heart Out“ zu lesen war, frei übersetzt: Hör auf herumzuheulen. Es bezog sich auf Vinícius’ Niederlage bei der Ballon-d’Or-Vergabe 2024, als er gegenüber Citys Mittelfeldspieler Rodri das Nachsehen hatte und aus Frust der Preisverleihung ferngeblieben war.

In diesem Jahr ergibt sich für Vinícius eine neue Chance auf die goldene Glitzerkugel – sofern er mit Real und anschließend mit der brasilianischen Nationalmannschaft bei der WM erfolgreich ist. Zunächst traf er in der 22. Minute per Elfmeter (nachdem er beim 3:0-Hinspielsieg an Citys Torhüter Gianluigi Donnarumma noch vom Punkt gescheitert war) und korrigierte dann kurz vor Schluss mit dem 2:1-Siegtor den zwischenzeitlichen Ausgleich von Erling Haaland. Zu diesem Zeitpunkt war das Duell de facto entschieden, da dem Elfer ein Handspiel von City-Kapitän Bernardo Silva vorausgegangen war. Dafür sah er nach VAR-Eingriff die rote Karte – Silvas erster Platzverweis. Zwar gab City auch in Unterzahl nicht auf, doch einen Vinícius hatte Trainer Pep Guardiola nicht auf dem Rasen. Citys Spieler scheiterten reihenweise an Reals Weltklassetorwart Thibaut Courtois und dessen Stellvertreter Andrij Lunin; Courtois wurde vorsichtshalber nach leichten Beschwerden zur Pause ausgewechselt. Kurz vor Abpfiff stellte sich Vinícius erneut vor die Fans von Manchester City – diesmal drehte er ihnen den Rücken zu und deutete auf seinen Namen.

Der Brasilianer war an diesem Abend nicht der einzige Real-Spieler, der den Konflikt suchte. Nach dem Spiel trafen Antonio Rüdiger und Guardiola, der allen gegnerischen Spielern fair gratulierte, beim Handshake aufeinander, es gab offenbar ein verbales Scharmützel. Guardiola schaute irritiert und formte seine Lippen zu einem ironischen Kuss, Real-Trainer Álvaro Arbeloa geleitete Rüdiger vom Ort des Geschehens weg. Schon vor dem Spiel fiel Rüdiger auf, als sich der Verteidiger erstmals zu einer umstrittenen Szene mit Getafe-Profi Diego Rico äußerte, der ihm unterstellt hatte, ihn beim Ligaspiel schwer verletzen zu wollen. „Wenn ich ihn mit Absicht gefoult hätte, wäre er nicht wieder aufgestanden“, sagte Rüdiger. An diesem Donnerstag nominiert Bundestrainer Julian Nagelsmann seinen Kader für zwei Test-Länderspiele.

Antonio Rüdiger äußert sich zu seinem Foul an Diego Rico – und weist den Vorwurf zurück, er sei aus Boshaftigkeit auf den Spieler des FC Getafe losgegangen.

Am Ende setzte sich Real zum vierten Mal im fünften K.-o.-Duell der beiden Klubs durch. Von den Spielen beim Titelgewinn 2023 abgesehen, als City im Halbfinale gegen Real dominierte, hatte die Guardiola-Elf den europäischen Erzrivalen selten im Griff. Auch diesmal entwickelten sich die Spiele zu offenen Schlagabtauschen, geprägt von Guardiolas taktischen Wagnissen: Im Hinspiel kostete die offensive Aufstellung Stabilität im Mittelfeld, im Rückspiel riskierte City früh viel – und wurde eiskalt ausgekontert.

Die 1:5-Gesamtschmach illustriert den Umbruch bei Manchester City nach der titellosen, vergangenen Saison eindrücklich. Aus der Triple-Mannschaft von vor zwei Jahren stehen nur noch acht der 23 Spieler im Kader, zwei weitere Verträge – von John Stones und Silva – laufen im Sommer aus. Dafür wurden in den jüngsten drei Transferperioden neue Spieler für mehr als eine halbe Milliarde Euro verpflichtet, viele mit wenig bis gar keiner internationalen Erfahrung. Dieser Mangel zeigte sich gegen das abgezockte Real. Hinzu kam, dass Guardiola noch nach der idealen Spielweise für seine neue Mannschaft sucht: Ballbesitz bleibt zentral, die Ausrichtung ist jedoch flexibler als früher, nicht zuletzt als Reaktion auf die zunehmende Mann-gegen-Mann-Verteidigung in der Premier League und den Fokus auf Standardsituationen. Geduld und Selbstsicherheit fehlten.

Das Team agierte hektisch und schwankend, wie bereits in der gesamten Saison. Guardiola wirkte ebenfalls angespannt, er kassierte gegen Real erneut eine Verwarnung wegen Reklamierens. Er sammelte bereits sechs gelbe Karten in nationalen Wettbewerben und muss derzeit eine Zwei-Spiele-Sperre absitzen. Es scheint, als wolle er sich selbst zum Ende seiner City-Zeit beweisen, dass er die Transformation meistern und eine neue Mannschaft formen kann. „Wir sind noch nicht komplett“, sagte Guardiola zum Entwicklungsstand seines Teams.

Als Erklärung für den Unterschied zwischen den Klubs City und Real griff Guardiola abermals auf die Aura des Rekordeuropapokalsiegers zurück. „Ich würde nur zu gern dieses Gefühl erleben, das man in Madrid hat: Gewinnt man die Champions League nicht, ist das ein Misserfolg“, sagte er. Damit beschrieb er die Selbstverständlichkeit, mit der die Königlichen im Europapokal agieren. Dieses Charisma beeindruckt ihn; in seinen Äußerungen klingt es bisweilen nach Überhöhung.

Trotz zwölf Meisterschaften in 15 Spielzeiten mit dem FC Barcelona, dem FC Bayern und seit 2016 mit City gelangen Guardiola in der Königsklasse „nur“ drei Titel: zwei mit Barcelona (2009, 2011) und einer mit City. „Jeder will mich feuern, richtig? Ich muss sechsmal die Champions League holen, um anerkannt zu werden“, kommentierte er sarkastisch. Zwar gehört der Katalane zu den erfolgreichsten Trainern im Europapokal – nur Carlo Ancelotti hat mehr Titel –, doch das Abschneiden mit City bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück. In zehn Anläufen erreichte Manchester unter Guardiola nur drei Halbfinals. Ob er trotz der Gerüchte um einen vorzeitigen Rückzug aus seinem Vertrag bis 2027 nächstes Jahr einen weiteren Versuch startet, ließ er selbst nach dem Aus offen.

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