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16.03.2026
13:15 Uhr
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Die italienische Großbank bietet den Aktionären 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie. Die Commerzbank sieht keine Grundlage für Gespräche.

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main Christoph Hardt/imago/Future Image
Die italienische Großbank Unicredit will die Commerzbank mit einem freiwilligen Übernahmeangebot an den Verhandlungstisch zwingen. Sie legt den Aktionären der zweitgrößten deutschen Privatbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien der Commerzbank vor, wie die Unicredit in Mailand mitteilte. Die Eigner des Frankfurter Geldhauses erhielten 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie. Unicredit ist bereits der größte Investor bei der Commerzbank. „Unsere Botschaft an die Commerzbank ist: Es ist an der Zeit zu reden“, sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel in einer Telefonkonferenz am Montag.
Die Commerzbank sieht aktuell keine Grundlage für Gespräche mit der Unicredit. „Das angekündigte Übernahmeangebot ist nicht mit der Commerzbank abgestimmt“, teilte der Frankfurter Dax-Konzern mit. „Darüber hinaus beinhaltet die Kommunikation der Unicredit keine weiteren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer wertstiftenden Transaktion. Das wäre die notwendige Grundlage für etwaige Gespräche.“
Mit dem Übernahmeangebot geht die Unicredit auch auf Konfrontationskurs mit den Arbeitnehmervertretern und der Bundesregierung, die eine Übernahme ablehnen. Das Angebot ziele darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden und „in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern“, teilte das Institut weiter mit. Es werde erwartet, dass Unicredit eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent erreichen werde, „ohne die Kontrolle zu erlangen“.
Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat zurückhaltend auf das Übernahmeangebot der italienischen Bank reagiert. „Wir werden die neue Situation ergebnisoffen und verantwortungsvoll prüfen und bewerten“, teilte der CDU-Politiker am Montag mit. „Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer eins, gestärkt und nicht geschwächt wird“, fügte er hinzu. Außerdem müssten in allen Gesprächen die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden der Commerzbank, ein wichtiger Finanzierer des Mittelstands, „angemessen berücksichtigt“ werden, betonte Rhein.
Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Für Mai soll dann eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden, um die Zustimmung der Aktionäre einzuholen.
Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Konzernchef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentierte immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken.
Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Die Unicredit baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab. Der Bund, der die Commerzbank in der globalen Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält gut zwölf Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte betont, die Bundesregierung setze auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“.
Das Übernahmeangebot der Italiener kommt nicht überraschend: Schon im März 2025 erhielt die Unicredit die Erlaubnis der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat angesichts der Begehrlichkeiten der Unicredit die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln verteidigt. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele und höhere Dividenden. Und sie verkündete trotz eines Rekordgewinns 2024 den Abbau von rund 3900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Nach erneut starken Zahlen für 2025 schraubte die Commerzbank erst kürzlich ihre Ziele nach oben. Orlopp setzte auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit.
Unicredit-Chef Orcel hielt unterdessen betont gelassen an seinen Plänen fest. Er betonte immer wieder, er sehe große Synergien zwischen der Commerzbank und der Mailänder Großbank. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen Kahlschlag bei der Commerzbank und verweist auf die Übernahme der HVB durch die Unicredit im Jahr 2005, die bei der Münchner Bank zu einem Schrumpfkurs führte.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wehrt sich mit guten Zahlen gegen die Übernahmeoffensive der Unicredit – doch just zur Bilanzpressekonferenz fällt der Aktienkurs der zweitgrößten deutschen Privatbank, und die Spannung steigt.
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