SZ 31.07.2026
18:08 Uhr

(+) Unterwössen im Chiemgau: Nach 48 Stunden Dauereinsatz: Waldbrand am Lackenberg gelöscht


Im Chiemgau kämpft die Feuerwehr seit Mittwochabend in unwegsamem Gelände gegen einen Bergwaldbrand – letztlich erfolgreich. Doch auch in anderen Teilen Bayerns steigt die Gefahr für Feuer.

(+) Unterwössen im Chiemgau: Nach 48 Stunden Dauereinsatz: Waldbrand am Lackenberg gelöscht

Nach dem Einsatz mehrerer Löschhubschrauber ist der offene Waldbrand in den Chiemgauer Alpen gelöscht. Der Katastrophenfall in der Region wird deswegen um Mitternacht beendet. Das teilte der Kreisfeuerwehrverband Traunstein am Freitagnachmittag mit. Am Wochenende sollen „Ab- und Nachlöscharbeiten“ in dem bei Unterwössen gelegenen Areal folgen und verbliebene Glutnester bekämpft werden, damit das Feuer nicht wieder aufflammt.

„Gemeinsam mit den Kräften am Boden ist es gelungen, die offenen Feuer vollständig zu löschen“, erklärte Einsatzleiter Christof Grundner. Beendet ist demnach auch die Warnung der örtlichen Bevölkerung vor möglicher Rauch- und Geruchsbelästigung, am Samstag soll auch die zwischenzeitlich gesperrte Bundesstraße 305 wieder für den Verkehr freigegeben werden. Und nicht zuletzt soll auch der Wössener See – das örtliche Badegewässer – für Besucher wieder zugänglich sein. Bestehen bleibt jedoch vorerst das Betretungsverbot des Gebiets an der Lackenbergwand.

Knapp drei Monate nach dem großen Waldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding hat in Bayerns Bergen abermals der Wald zu brennen begonnen. Das Feuer am Lackenberg, einer bewaldeten und am Gipfel steilen und felsigen Kuppe bei Unterwössen im Chiemgau, ist nach Angaben der Feuerwehr im Landkreis Traunstein am frühen Mittwochabend gegen 18 Uhr entdeckt worden, als über dem Wald eine Rauchsäule aufstieg. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurde für die Region am späten Donnerstagvormittag der Katastrophenfall ausgerufen.

Der Brandherd lag auf etwa 1000 Metern Höhe, das Gelände an der Hochwand in der Nähe der etwas bekannteren Lackenbergwand war für die Feuerwehr schwer zugänglich und nicht mit Fahrzeugen erreichbar. Anfangs drei und laut Innenministerium später vier Hubschrauber der Polizei bekämpften den Brand aus der Luft.

Am Freitag waren erneut bis zu sechs Helikopter aus Bayern und dem benachbarten Österreich im Einsatz. „Die Wasserabwürfe werden eng mit den Maßnahmen am Boden abgestimmt“, teilte die Kreisbehörde mit. Seit Donnerstag seien Bodentrupps mit spezieller Ausrüstung zur Vegetationsbrandbekämpfung in dem steilen Gebiet im Einsatz. „Diese gezielten Nachlöscharbeiten werden heute weiter ausgeweitet.“ Die Feuerwehrleute wurden bei den Arbeiten von Spezialisten der Bergwacht Bayern und der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei gesichert.

Bereits am Mittwochabend und am Donnerstag in der Früh hatten etwa 200 Feuerwehrleute am Boden gegen die Flammen gekämpft. Sie legten lange Schlauchleitungen in den Wald, richteten auf den wenigen Forststraßen einen Pendelverkehr mit Löschfahrzeugen ein und versuchen, Bäume und Boden zu wässern. Auf diese Weise wollten sie einen Riegel gegen die weitere Ausbreitung der Flammen schaffen. An dem Großeinsatz ist neben Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst abermals auch die Bergwacht beteiligt.

Ein exaktes Bild über die Größe der brennenden Fläche konnte sich die Feuerwehr zunächst nicht machen. Nach dem Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras am Donnerstag war vorsichtig von etwa zweieinhalb Hektar die Rede. Zur möglichen Ursache des Brandes gibt es bisher keine Angaben.

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In Bayerns Bergen hat es in diesem Jahr bisher äußerst wenig Niederschläge gegeben. Der Wald und auch die bodennahe Vegetation sind in diesen heißen Sommertagen sehr trocken. Auch darin ähnelt die Situation der von Anfang Mai am nur elf Kilometer Luftlinie weiter östlich gelegenen Saurüsselkopf. Dort hatte sich das Feuer in der ersten Nacht ebenfalls stark ausgebreitet und Richtung Tal gefressen, weil zunächst kaum größere Löscharbeiten und nachts auch keine Hubschrauberflüge möglich waren. Danach kämpften Hunderte Feuerwehrleute fast eine Woche lang gegen die Flammen und auch danach noch eine ganze Weile gegen restliche Glutnester im Boden. Das letzte Gerät holten sie dort erst nach vier Wochen aus dem Wald.

Das Feuer am Lackenberg ist bereits der dritte größere Waldbrand im Landkreis Traunstein binnen weniger Wochen. Anfang Juli hatten mehrere Hektar Wald und trockenes Moor im Chiemsee-Moos bei Übersee gebrannt. Die Rauchentwicklung hatte zu einer kurzzeitigen Sperrung der nahen A8 geführt. Dazu kamen zuletzt zahlreiche kleinere Vegetationsbrände, bei denen etwa Hecken oder trockene Wiesen in Flammen standen.

Für den Saurüsselkopf hatte der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (FW) nach kurzer Zeit den Katastrophenfall ausgerufen, weil unterhalb des Berges das Trinkwasser für Ruhpolding und die Kreisstadt Traunstein gefördert wird. So konnten die Einsatzleiter leichter auf Helikopter der Polizei zurückgreifen und schließlich auch auf drei schwere Maschinen der Bundeswehr, die pro Flug deutlich mehr Wasser auf dem Brandherd abwerfen können.

Auch aufgrund dieser Erfahrungen hatte Danzer auch im Fall des Lackenbergs frühzeitig den Katastrophenfall festgestellt. „Wir haben uns entschieden, dass wir gleich voll durchstarten“, sagte er am Donnerstag in Unterwössen. Zudem habe man – vorsichtshalber und ohne aktuelle Notwendigkeit – erste Vorbereitungen für mögliche Evakuierungen getroffen.  Weitere Hilfe habe man aus dem nahen Österreich angefordert.

Von den zeitweise elf Hubschraubern, die am 1270 Meter hohen Saurüsselkopf gleichzeitig im Einsatz gewesen sind, waren die meisten von einem privaten Unternehmen aus Österreich gekommen. Der Waldbrand galt als größter in Bayern seit 50 Jahren. Wirklich gebrannt hat es dort auf einer Fläche von rund 100 Hektar.

Angesichts der hohen Waldbrandgefahr auch in anderen Teilen des Freistaats werden in den kommenden Tagen in verschiedenen Regionen erneut Luftbeobachter Ausschau nach Feuern halten. Dadurch sollen die Einsatzkräfte schnell alarmiert werden können.

In Mittelfranken kündigte die Bezirksregierung an, dass wegen des Risikos bis Sonntag in den Nachmittagsstunden Luftbeobachter die relevanten Waldgebiete von oben kontrollieren sollen. Die Behörde rechnet damit, dass durch Ausflügler die Feuergefahr noch steigen könnte. „Bereits kleinste Zündquellen können ausreichen, um Brände zu verursachen“, warnte die Regierung von Mittelfranken. Deswegen werden ehrenamtliche Piloten der Luftrettungsstaffel aufsteigen, mit in den Maschinen werden speziell ausgebildete Beobachter der Feuerwehren und der Forstämter sitzen.

Die Regierung von Niederbayern ordnete ebenfalls Beobachtungsflüge an. Hier sollen die Flugzeuge von Samstag bis Montag starten. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes soll bis zum Montag nahezu flächendeckend in Niederbayern die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe erreicht sein. Zuvor hatten auch bereits die Bezirksregierungen von Ober- und Unterfranken ihre Luftbeobachter alarmiert.

Anfang Mai brannte es am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen tagelang. Bis sich die Natur von der Katastrophe erholt, wird es Jahrzehnte dauern.  Unterwegs mit Förstern im verbrannten Bergwald.

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