SZ 18.05.2026
15:51 Uhr

(+) Tribute-Show im Circus Krone: Fünf Holländer bringen die „Bee Gees“ zurück auf den Dancefloor


So einen Hype haben die Niederlande lange nicht erlebt: Die Sieger der TV-Show „Battle of The Bands“ haben  ein Disco-Fieber unter ihren Landsleuten entfacht. Jetzt touren „Main Course“ erstmals in Deutschland.

(+) Tribute-Show im Circus Krone: Fünf Holländer bringen die „Bee Gees“ zurück auf den Dancefloor
Mit ihrer großen Show rund um die „Bee Gees“ kommt die niederländische Band „Main Course“ in den Circus Krone. Seet Vexy

Eine neue Disco-Pandemie bahnt sich an. Auch wenn die aktuelle Welle quasi noch läuft, der Sound bunten Dancefloors flutet gerade wieder den Pop. Aber schon dreht der Regisseur Ridley Scott („Alien“, „Gladiator“) auch einen neuen Film über die Familie Gibb, deren Brüder Robin, Barry und Maurice als The Bee Gees den Sound der Disco-Dekade prägten. Man kann sich vorstellen, wie das Bio-Pic mit dem Titel „You should be dancing“ demnächst wieder das „Night Fever“ in aller Welt entfachen wird.

Barry Gibb soll von Hollywood-Star Bradley Cooper („Hangover“, „A Star is Born“) gespielt werden. Das hat sich bereits in den Niederlanden im familiären Kreis der Bee-Gees-Tribute-Band  Main Course herumgesprochen. „Gut für dich, der Bradley Cooper hat ein hübsches Gesicht!“, frotzelt Jeffrey Italiaander, der in der Band Robin Gibbs Part innehat, in Richtung von Mike Ott, der hier wie Barry Gibb singt und Gitarre spielt. Sie ziehen einander gerne auf, sind derzeit bester Dinge, denn ihr Erfolg schießt gerade so hoch wie die hohen Töne im Satzgesang der Bee Gees.

Die Niederlande stecken schon längst mittendrin in einem Disco-Revival, und Main Course haben es ausgelöst: 300 allermeistens ausverkaufte Konzerte in ein, zwei Jahren, insgesamt eine halbe Million verkaufter Tickets, selbst in den größten Arenen brachten sie das Publikum zum Glitzern, Singen und Tanzen – das hat dort bisher noch kaum eine Pop-Band geschafft, schon gar keine Coverband.

Es fing kläglich und unglamourös an, in der Pandemie. Fünf befreundete Musiker, meist von der Musikakademie in Enschede, hatten wegen Corona Auftrittspause. So nahmen sie sich ein anspruchsvolles Projekt vor: die Musik der Gibb-Brüder, an die sich nur wenige heranwagen, weil sie so komplex, so anders, richtig schwierig ist, die sie aber teils schon seit DVD-Abenden („One Night in Las Vegas“) mit ihren Großeltern liebten. Sie haben eine Hochachtung davor:  Das Songwriting der Bee Gees sei so außergewöhnlich, sie hätten die Qualität, „sehr schwierige Harmonien und vertrackte Takte so leicht und erfreulich hörbar zu machen“, sagt Gitarrist Kevin Kos, der einzige mit Bee-Gees-Bart in der Band. Heute hat dieser erwachsene Easy-Listening-Pop als „Yacht Rock“ in der jungen Generation ein Revival.

Vor allem aber suchten die drei Sänger Jeffrey Italiaander, Mike Ott und Martijn Bakker eineinhalb Jahre lang nach ihren Stimmen, die unvergleichlich sind in der Musikgeschichte. Dieses Falsett hatte es früher mal bei Counter-Tenor-Stars wie Farinello gegeben. Aber die Bee Gees – die zunächst in Australien als Konkurrenz-Boygroup zu den Beatles formiert wurden –  machten es zum Pop-Phänomen. Nach eher sentimentalen Hits wie „Massachusets“ war es wohl, so erzählt Jeffrey Italiaander, bei den Aufnahmen zur Platte „Main Course“ in den USA, als Barry Gibb in „Night On Broadway“ ein spitzer Schrei entfuhr. Die anderen fanden das cool, Robin, mit Zigarette in der Hand, ermutigte ihn, das zu wiederholen, und im Verlauf des Albums fanden sie zu dritt zu einem engelshaft schwebenden Sound, der Generationen nach ihnen von Prince bis Justin Timberlake die Tür öffnete: Auch Männer waren nun cool, die gesanglich an ihre höchste emotionale Grenze stoßen.

Einmal wurden die holländischen Freunde für ein Fischerei-Festival gebucht, sie trugen Bee-Gees-Perücken, kamen zu fünft, hatten eine große Show vor, aber die Veranstalter hatten eigentlich einen Playback-Act erwartet und   jagten sie schnell von der Bühne. Erst über die TV-Show „Battle of The Bands“ fanden sie ihren eigenen Weg: ohne Perücken und auch mit entmottetem Sound. Sie spielen die Songs ihrer Idole zum Teil schneller, rockiger, mit mehr Gitarren-Wumms. Sie sagen, sie wollen einen Sound, wie ihn die Bee Gees heute hätten – denn die haben ihren Hits über vier Jahrzehnte hinweg einen jeweils zeitgemäßen Klang verpasst.

Es war ja bei den Bee Gees nicht alles Disco wie der Soundtrack zu „Saturday Night Fever“ mit seinen vier Nummer-eins-Hits.  Main Course haben sich spätestens mit dem Sieg bei „Battle of the Bands“ 2024 (nach dem dann auch eine deutsche Staffel in Holland produziert wurde) freigespielt: Sie spielen auch die alten Balladen („Words“, „To Love Somebody“), den Comeback-Pop wie „You Win Again“ der Neunziger, Solo-Hits von Robin Gibb („Juliette“), sogar Club-Tunes vom unbekannteren Bruder Andy Gibb („I Just Want To Be Your Everything“) und ihre großen Las-Vegas-Hymnen für Celine Dion („Immortality“) oder Barbra Streisand („Woman In Love“) und arbeiten schon an eigenen, nur noch „Bee-Gees-inspirierten“ Songs.

Jetzt touren Main Course erstmals in Deutschland. Sie haben Respekt davor, weil die Deutschen ihren Aufstieg nicht im Fernsehen begleitet haben. Aber sie bauen darauf, dass hier viele Fans leben, die die Bee Gees noch bis in die Neunziger live erlebt haben, etwa bei einem noch auf Youtube auffindbaren Konzert 1991 in der Waldbühne Berlin, und wo Robin Gibb noch 2009, drei Jahre vor seinem Tod, solo in der Münchner Olympiahalle auftrat. Nachhilfe in Sachen Disco-Historie müssen die Holländer hier nicht leisten, sie müssen das Night Fever nur wieder wecken.

Europas größte Bee-Gees-Tribute-Show: Main Course, Montag, 25. Mai, Circus Krone

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