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22.09.2026
15:56 Uhr
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Bei einer Razzia in der „Roten Sonne“ fanden Polizisten jede Menge Rauschgift. Auf der Anklagebank saß nun der Betreiber, der zu wenig gegen den Drogenkonsum unternommen haben soll. Am Ende fällt ein Urteil, das Modellcharakter in der Szene haben dürfte, sagt der Staatsanwalt.

Als ein USK-Beamter in Zivil vor der Razzia in der Diskothek „Rote Sonne“ vergangenen Sommer das Terrain erkunden sollte, wurde ihm Ecstasy angeboten, seinen zwei Kollegen eine Line Kokain. Die Toiletten seien „gut frequentiert“ gewesen, erzählt der Polizist, hinter den Kabinentüren hörte er Schnupfgeräusche, und dann war da noch der besondere Raum, in den man nur durch Klopfen hineinkam – „und mit leuchtenden Augen wieder heraus“.
Peter Wacha, alias DJ Upstart, nimmermüder Plattenlabel-, Plattenladen- und Clubbetreiber, sei in der Nacht der Razzia sehr überrascht „und schockiert“ gewesen, berichtet ein Rauschgiftfahnder vor Gericht. „Er konnte nicht glauben, was da in seinem Club passiert.“ Nun sitzt der 64-jährige Wacha auf der Anklagebank vor dem Amtsgericht. Ihm wird vorgeworfen, durch Unterlassen „anderen eine Gelegenheit zum unbefugten Erwerb oder zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln verschafft oder gewährt zu haben“. Einfacher gesagt: Wacha soll als Konzessionsinhaber der Roten Sonne dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass in seinem Laden laut Anklageschrift Koks, Amphetamin und MDMA konsumiert und gedealt wurde.
„Die Rote Sonne ist einer der Elektroclubs in München“, erzählt ein Rauschgiftfahnder, aber in der Elektro-Szene „sind sie schon massiv unterwegs, was Drogen angeht“. Früher habe die Sonne einen Türsteher gehabt, „der war der beste Rauschgift-Fahnder von München“. Der habe Taschen und Leute kontrolliert, Drogen rausgefischt und die Polizei alarmiert. Doch nach seinem Fortgang sei es still geworden, was die Anzeigen betraf.
Szenekundige Polizisten durchstreifen regelmäßig das Münchner Nachtleben, kontrollieren, führen bei Bedarf sogenannte Betreibergespräche und erklären, was gewünscht ist: etwa Taschenkontrollen am Eingang, abgeschrägte Ablageflächen auf den Toiletten, damit dort keine Lines gezogen werden, Hinweisschilder, dass nur eine Person die WC-Kabine betreten darf. „Jedem ist klar, dass es im Nachtleben Drogen gibt“, erklärt ein Polizist im Zeugenstand, „aber wir wollen, dass mit den Kontrollen schon ein Zeichen an der Tür gesetzt wird“.
2023 etwa fand so ein Betreibergespräch in der Roten Sonne statt. Als Anfang 2025 ein Fahnder den Club inkognito aufsuchte, kam er zu dem Schluss, „dass sich vom Drogenkonsum her nicht viel verändert hatte“. Er habe sich in einer Toilettenkabine eingeschlossen, „keine fünf Minuten später zieht der Erste“. Und über Peter Wacha sagt er: „Ich denke, er hat das Geschäft den Jungen überlassen.“ Er sei einer von vielen Teilhabern des Clubs – aber eben der Konzessionsinhaber.
Als Staatsanwalt Jakob Schmidkonz sowie etwa 100 Beamte des USK und der Drogenfahndung vergangenen Sommer um 3 Uhr früh zur Razzia am Maximiliansplatz aufschlugen und die Situation „einfroren“, lagen etliche Drogentütchen quasi besitzlos auf der Tanzfläche, der Schichtleiter hatte Koks dabei, auch beim Türsteher, der Barkeeperin und zwei DJs habe man Betäubungsmittel oder Utensilien gefunden, so die Anklage von Schmidkonz.
Hinter dem Tresen lagerten nicht nur Getränke, sondern auch eine Feinwaage mit Drogenanhaftungen, am Tresen hatte jemand ein Tütchen „vergessen“, auf der Toilette war noch eine Line ausgelegt. Insgesamt 22 von 101 Anwesenden hatten Drogen dabei. Im Technikraum fanden sich Tresore mit Eppendorfgefäßen und Plastiktütchen mit Drogenanhaftungen sowie eine Geldkassette, statt der Münzen flockte weißes Pulver in den Fächern. Erst nach zwei Stunden habe man Peter Wacha erreicht, der sei gekommen und „schockiert“ gewesen. Er versicherte, die Tresore nie gesehen zu haben. Tatsächlich fand die Polizei dort auch keine DNA-Spuren des 64-Jährigen.
Und dann soll es nach Aussagen eines Polizisten diesen Aufenthaltsraum im Personalbereich gegeben haben, an dessen Türe spezielle Gäste klopften, die dann zehn Minuten später „augenscheinlich unter Drogen“ wieder herauskamen. Einer, so erzählt ein Polizist, habe anschließend wie wild getanzt und einen „Kieferflash“ gehabt. Zähneklappern oder malmende Kiefer gelten als Zeichen von Amphetamin- oder Speed-Konsum.
Verteidiger Mathes Breuer versichert, sein Mandant sei bei dem Betreibergespräch 2023 nicht dabei gewesen, und es seien keine Maßnahmen auferlegt worden. Taschenkontrollen habe es gegeben, auch die Toilettenfrau sei angewiesen gewesen, die Kabinen zu überwachen. Sein Mandant habe nach der Razzia zwei Mitarbeiter entlassen und einiges verändert.
Die Amtsrichterin spricht am Ende ein Urteil, das „Modellcharakter in der Münchner Clubszene“ haben dürfte, so Staatsanwalt Schmidkonz zur SZ: Wacha wird zu einer Geldstrafe von 15 000 Euro verurteilt (60 Tagessätze zu 250 Euro), weil er durch fahrlässiges Unterlassen den Drogenkonsum und Verkauf in seinem Club zugelassen hat. Wacha kann gegen das Urteil in Berufung gehen.
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