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12.08.2026
07:56 Uhr
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Das portugiesische Bildungsministerium wollte mit dem Abi-Jahrgang 2026 in die technologische Gegenwart vorstoßen: Alle Prüfungen sollten digital gescannt und online korrigiert werden. Das ging gründlich schief.

Die Welt wird immer digitaler, also wieso nicht auch Schulprüfungen? Finnland macht es vor. Dort wurde vor zehn Jahren eine Prüfungsplattform namens Abitti eingeführt, seit 2019 wird das Abitur dort vollständig digital abgehalten. Andere Länder wie Frankreich belassen es bei Prüfungen auf Papier, digitalisieren jedoch das Korrekturverfahren oder zumindest Teile davon. So wollte es auch Portugal halten. Doch dann brach das Chaos aus.
Auf Beschluss des Bildungsministeriums sollten die großen nationalen Prüfungen der Sekundarstufe, nach der elften und nach der zwölften Klasse, die beide über die Hochschulreife entscheiden, in diesem Jahr mit einer brandneuen digitalen Plattform verwaltet und korrigiert werden – insgesamt mehr als 300 000 Prüfungen.
Die Idee dahinter ist gut: Prüfungsbögen aus Papier werden in der staatlichen Münzprägeanstalt (entsprechend der Bundesdruckerei in Deutschland) eingescannt, Lehrerinnen und Lehrer bekommen Online-Zugänge zu den Teilen, die sie korrigieren sollen. Zum Plan gehörte es, dass die Korrektoren jeweils nur Abschnitte der Prüfungsarbeiten zugeteilt bekommen, sodass sie nicht ganze Arbeiten durchgehen müssen, sondern bestimmte Aufgaben und deren Antworten. Das sollte Routine erzeugen, Chancengleichheit erhöhen und den Korrekturaufwand verringern. Manche Multiple-Choice-Aufgaben sollten zudem voll automatisiert bewertet werden.
In der Theorie ist das eine elegante Lösung. Doch wie das manchmal so ist mit der Digitalisierung, vor allem, wenn sie staatlich verordnet und organisiert wird: Die Sache ging gründlich schief.
Tausende Prüfungen verschwanden im digitalen Niemandsland, mitunter geschah das sogar während der Korrektur, berichteten Lehrerinnen und Lehrer portugiesischen Medien. Arbeiten oder Fortsetzungsbögen wurden falsch zugewiesen oder falsch benotet. Sogar bei einigen Multiple-Choice-Aufgaben in naturwissenschaftlichen Fächern versagte das digitale Bildungswunderwerk.
Die Schichtpläne für die Korrektoren sowie die Termine für die Notenbekanntgabe waren nicht mehr zu halten, sogar Nachprüfungstermine wurden verschoben. Als die Sommerferien anbrachen, wurden Lehrkräfte aus ihren Urlauben zurückbeordert. Zeitweise sah es so aus, als müsse sogar der Beginn des folgenden Schuljahres verschoben werden, was landesweit auch Eltern in Aufregung versetzte.
Eine Lehrerin, die anonym bleiben wollte, berichtete in der Zeitung Expresso, dass sie in einigen Fällen überzeugt gewesen sei, dass Blätter fehlen. Von der nationalen Prüfungskommission habe sie jedoch die Anweisung bekommen, die Arbeit auf Basis des vorliegenden Materials zu bewerten, samt dem Hinweis: „Der/Die Studierende kann später eine Überprüfung der Prüfung beantragen.“
Das staatliche Institut Eduqua, in Portugal für die Qualität des Bildungssystems zuständig, schätzte die Zahl der von Fehlern betroffenen Prüfungen auf 26 000. In mehr als 18 000 Fällen mussten Noten nachträglich geändert werden.
Weitere Verzögerungen wollte man offensichtlich vermeiden. Zwei Tage, nachdem eigentlich schon die Noten verkündet sein sollten, wurde noch immer korrigiert. Mehr als 99 Prozent der Aufgaben seien bewertet, teilte das Bildungsministerium zu jenem Zeitpunkt mit. Als eine Lehrerin feststellte, dass bei drei Aufgaben die Abbildungen fehlten, und dies monierte, bekam auch sie die Anweisung, zu korrigieren, was vorliege. „Ich wollte mir keine Antwort ausdenken, um sie zu korrigieren“, sagte sie Expresso.
Die Abiturprüfung wird in Portugal in zwei Blöcken abgehalten. Wer mit seiner Note in der ersten Runde nicht zufrieden war, kann versuchen, sich in der zweiten Phase zu verbessern. Auch wenn es Fächerkombinationen mit Terminüberschneidungen in der ersten Phase gab, lässt sich das eine oder andere Fach in der zweiten Runde nachholen.
Weil jedoch die Noten aus der ersten Phase über die Zulassung zu Studiengängen mitentscheiden, wollen Schüler diese möglichst schnell erfahren. Doch nicht nur verschob sich die Bekanntgabe der Ergebnisse mehrmals. Tausendfach musste nachkorrigiert werden.
Das Bildungsministerium sieht sich sogar gezwungen, in diesem Jahr eine dritte „außerordentliche“ Prüfungsphase anzusetzen. Diese ist nun für die erste Septemberwoche terminiert – wenige Tage bevor das neue Schuljahr beginnt.
Während der zuständige Bildungsminister Fernando Alexandre anfangs noch versuchte, die Probleme als „Einzelfälle“ kleinzureden, hat er mittlerweile die Verantwortung für das Chaos übernommen – allerdings ohne sein Amt abzugeben. „Wohlüberlegt“ sei die Reform, erklärte Fernando Alexandre in einem Interview mit dem portugiesischen Rundfunk. Eine Kommission soll nun untersuchen, was wo schiefgegangen ist.
Am Höhepunkt der Aufregung, die von Medien landesweit minutiös begleitet wurde, schaltete sich auch Portugals Staatspräsident António José Seguro ein. Kein Schüler solle durch „technische oder verwaltungsbedingte Schwierigkeiten benachteiligt werden“, ließ er verlautbaren.
Hunderttausende Spanier und ausländische Besucher werden sich am Mittwoch auf den Weg machen, um die Sonnenfinsternis von einem geeigneten Ort aus zu bewundern. Seit mehr als einem Jahr bereiten sich die Behörden auf den Ansturm vor.
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