SZ 05.07.2026
06:17 Uhr

(+) Paraguays 0:1 gegen Frankreich: Der Deutschland-Bezwinger ist bezwungen


Gegen Kylian Mbappé und seine Franzosen hat Paraguay keine Chance, nicht mal mit unfairsten Mitteln. Aber der Sieg gegen das DFB-Team macht die Heimreise erträglich.

(+) Paraguays 0:1 gegen Frankreich: Der Deutschland-Bezwinger ist bezwungen

Müssen die Deutschen den Paraguayern noch böse sein? Oder sollten sie dankbar sein, dass die DFB-Elf rechtzeitig aus der WM geschossen und ein Bundestrainerwechsel eingeleitet wurde? Andernfalls hätte Germany am amerikanischen Unabhängigkeitstag im überhitzten Stadion von Philadelphia gegen diese sagenhaften Franzosen auflaufen müssen. Doch statt der deutschen wurde da jetzt die paraguayische Hymne gespielt und eine paraguayische Flagge auf den Rasen gelegt.

Obwohl, ganz so grandios waren die famosen Franzosen diesmal nicht, doch das hatte unter anderem damit zu tun, dass die Südamerikaner Fußball manchmal mit einer Kampfsportart verwechselten und der Schiedsrichter das, anders als nahezu jeder Zuschauer, nicht mitbekam.

Jedenfalls: Adiós, Paraguay. Zumin­dest fußballerisch braucht man dieser Truppe keine allzu großen Tränen nachzuweinen, sie hätte an diesem Spätnachmittag besser zu Donald Trumps Lieblingsdisziplin Ultimate Fighting Championship gepasst.

Andererseits wird man den Männern in den rot-weiß-gestreiften Hemden eines nicht mehr nehmen: Sie gehören wie Mexiko, Südkorea, Japan und Ecuador zur stetig wachsenden Riege der Deutschland-Bezwinger bei dieser oder den vergangenen Weltmeisterschaften, das macht die Heimreise nach der Runde der letzten 32 natürlich erträglich.

Und wer soll ihnen ernsthaft das Ausscheiden gegen diese französische Mannschaft mit Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé, Michael Olise und all den anderen vorwerfen? 0:1 durch einen nachträglich verhängten Strafstoß von Mbappé – absolut ehrenhaft, was soll man sagen? „Wir haben bis zum Schluss gekämpft“, fand Trainer Gustavo Alfaro, das stimmte im doppelten Sinne.

Er ist stolz, dass sie die Deutschen niedergerungen und gegen die Franzosen so lange dagegengehalten haben. „Mit ganz bescheidenen Typen“, wie er es nannte, gegen Weltstars. Die Bullenhitze hätte helfen können, die sind sie aus Asunción gewohnt, allerdings im südlichen Sommer. Jetzt ist dort Winter, aus der paraguayischen Hauptstadt wurden 13 Grad gemeldet, in Philadelphia waren es 35  – in der Arena wurde es ungefähr so warm wie im Januar in der paraguayischen Region Gran Chaco. In Paraguay laufen die Bewohner an solchen Tagen gerne mit Thermosflaschen herum, darin eisgekühlter Tee, Tereré.

Aber nein, es half ihnen am Ende weder das Wetter noch der wieder ausgezeichnete Torwart Orlando Gill. Dieser Keeper vom Klub San Lorenzo aus Buenos Aires zählt zu den Entdeckungen der WM, ein bisschen wie Josimar José Évora Dias alias Vozinha von den Kapverden.

Alfaro wird sehen, ob er weitermacht. Dem Staatspräsidenten Santiago Peña wird keine WM-Reise in die USA mehr bevorstehen, er muss auch keinen Fútbol-Feiertag mehr ausrufen wie kürzlich nach dem Triumph über Deutschland. Die Begegnung mit Frankreich ereignete sich am Wochenende, da war das eh unnötig. Käme die Albirroja ins Finale, das an einem Sonntag stattfindet, werde er den Kongress bitten, eine Feierwoche dranzuhängen, hatte Peña gescherzt. Paraguays Spieler machen jetzt schon vor dem Viertelfinale Ferien.

Für Paraguays Trainer Gustavo Alfaro ist der Fußball die Fortsetzung historischer Schlachten. Für die deutsche Elf dürfte es im Sechzehntelfinale unangenehm werden.

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