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11.03.2026
10:10 Uhr
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Erst am 14. Juni geht die gesamte Strecke wieder in Betrieb. Mit dem harschen Winter allein lässt sich das kaum erklären. Und auch die Kosten bleiben unklar.

Wochenlang hat die Deutsche Bahn gerechnet, kalkuliert und abgewogen. Nun ist sie zu dem Ergebnis gekommen, dass sie für die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin sechs Wochen mehr benötigt als eigentlich angekündigt. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit.
Ursprüngliche sollte die wichtige Strecke zwischen den beiden größten deutschen Städten zum 1. Mai fertig sein, nach neun Monaten Bauzeit. Doch die Infrastruktur-Tochter der Bahn, die DB Infrago, hat sich verkalkuliert. Sie hatte lediglich zwei bis drei Wochen Puffer eingeplant für den Fall, dass eine Kältewelle die Baustellen für eine Zeit lahmlegt. Doch es blieb deutlich länger frostig und eisig als von der Bahn antizipiert, etwa sechs Wochen habe es etwa beim Kabeltiefbau aufgrund der Minusgrade „faktisch keinen Fortschritt“ gegeben, sagte Infrago-Manager Gerd-Dietrich Bolte Mitte Februar. Auch bei der Montage der Leit- und Sicherungstechnik lag die DB Infrago hinter ihrem Zeitplan - und musste ihn letztlich über den Haufen werfen. Nun ist die vollständige Inbetriebnahme erst für den 14. Juni geplant.
Mit der längeren Frostperiode allein lässt sich die nun angekündigte Verzögerung gleichwohl nicht erklären, auch wenn die Bahn dies tut. Wäre sie der einzige Grund, hätten die Arbeiten lediglich drei bis vier Wochen länger dauern dürfen, zumal seit Ende Februar noch mal mehr Personal auf den Baustellen ist als eigentlich geplant, um den Rückstand aufzuholen. Viele in der Branche kritisieren seit Monaten, das Projekt sei zu sehr „auf Kante genäht“ und die Bahn strukturell überfordert mit der Prüfung der Leit- und Sicherungstechnik. Der Konzern weist das zurück.
Die bereits seit Wochen kursierende Vermutung, die Inbetriebnahme werde in zwei Stufen erfolgen, hat sich jedenfalls bewahrheitet: Vom 15. Mai an sollen erste Züge zunächst im nördlichen Teil der Strecke wieder fahren, also von Hamburg in Richtung Schwerin. Was zählt, ist am Ende jedoch die finale Freigabe - und die dauert deutlich länger.
Die große Frage ist nun einerseits, wie sich die längere Bauzeit auf die Gesamtkosten auswirken wird. Die Deutsche Bahn spricht nach wie vor von Kosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Vorgesehen war außerdem ein Risikopuffer in Höhe von 300 Millionen Euro. Im Bundesverkehrsministerium geht man längst davon aus, dass dieser voll ausgeschöpft wird. Staatssekretär Ulrich Lange (CSU) sprach bereits im August 2025 öffentlich von Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Die Bahn will das nicht kommentieren. „Es ist noch zu früh“, sagte Bolte am Mittwoch.
Die zweite Frage ist, ob – und wenn ja: wie – sich die Fehlkalkulation der DB Infrago auf die künftigen Korridorsanierungen auswirken wird. Bis 2036 plant die Bahn insgesamt 40 solcher Vollsperrungen. Und bisher gab es noch jedes Mal Probleme, Verzögerungen oder Reduzierungen beim ursprünglich versprochenen Leistungsumfang. „Es braucht dringend eine Aufarbeitung des Planungsdesasters“, fordert der Geschäftsführer des Güterbahnen-Verbands Peter Westenberger. Im Bundesverkehrsministerium beobachtet man die Lage nun erst recht ganz genau. „Wir erwarten, dass der jetzt kommunizierte Zeitplan klappt“, sagte ein Sprecher auf SZ-Anfrage, „und werden nach Abschluss der Sanierung Bilanz ziehen.“
2,2 Milliarden Euro kostet die große Korridorsanierung. Doch danach geht es auf der Strecke nicht schneller voran, sondern langsamer. Was dahintersteckt – und warum selbst Mitarbeiter enttäuscht sind.
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