SZ 30.07.2026
14:12 Uhr

(+) Konjunktur: Ökonomen optimistisch wegen Wachstumsaussichten, aber Inflation springt hoch


Im Juli liegt die Teuerung laut Statistischem Bundesamt bei 2,8 Prozent. Die deutsche Wirtschaft trotzt dem Iran-Krieg und den hohen Energiepreisen – und wächst sogar etwas stärker als gedacht.

(+) Konjunktur: Ökonomen optimistisch wegen Wachstumsaussichten, aber Inflation springt hoch

Es gibt sie schon, die guten Nachrichten, und sie häufen sich. Wer in den vergangenen Tagen aufmerksam gelesen hat, konnte sie finden. Meldungen über die deutsche Wirtschaft, die optimistisch stimmen. Verhalten optimistisch, diese Einschränkung ist wichtig. 

Vom gleichnamigen Münchner Wirtschaftsinstitut hieß es Anfang der Woche, der Ifo-Index sei gestiegen. Dass der Wert von 85,7 auf 86,6 Punkte hochging, ist was für Spezialisten, die Botschaft ist: Die Stimmung unter deutschen Wirtschaftsbossen hat sich stärker als erwartet verbessert. Einen Tag später veröffentlichte die Bundesbank den Monatsbericht für Juli, schrieb von einer „dynamischen Auslandsnachfrage“, von einem „etwas höheren konjunkturellen Grundtempo“, „wachstumsstützenden Faktoren“ und davon, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher sich „von den hohen Energiepreisen und damit verbundenen Kaufkraftverlusten verhältnismäßig wenig beeindrucken“ ließen. Übersetzt heißt das: Die Lage ist gar nicht so schlecht, wie man hätte annehmen können.

Nun stimmt das Statistische Bundesamt ein und meldet an diesem Donnerstag anhand vorläufiger Daten, dass das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um ‌0,2 Prozent im Vergleich zum ‌Vorquartal gestiegen ist. 0,2 Prozent, das klingt nach wenig. Aber es bereits das dritte Plus hintereinander: Im Schlussquartal 2025 reichte es zu einem Wachstum von 0,3 Prozent, in den ersten drei Monaten 2026 zu einem Plus von 0,4 Prozent.

Nimmt man an, dass die folgenden Quartale ähnlich gut verlaufen, dann kommt ein Wachstum von um die oder leicht über ein Prozent für 2026 in Reichweite – und das ist für ein Land wie Deutschland, das extrem von Exporten abhängig ist, das den derzeit virulenten geopolitischen Verwerfungen stark ausgesetzt ist, keine schlechte Aussicht.

Gestützt wird die ‌Konjunktur in Deutschland von den Milliardeninvestitionen des Staates. Er lässt für viel Geld Straßen, Schienen und andere Infrastruktur sanieren, was der Bauindustrie und allen mit ihr verbundenen Unternehmen Aufträge verschafft. Und er wappnet sich gegen die Bedrohung aus Russland, mit riesigen Ausgaben für die Bundeswehr.

Allerdings zeigen auch unabhängig davon viele Wirtschaftsindikatoren nach oben: Produktion, Exporte, Baugenehmigungen und Einzelhandelsumsatz zogen jeweils an. In der Industrie sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Das stimmt auch Ökonomen optimistisch. „Im Schatten des Krieges im Nahen Osten zeichnet sich endlich eine Trendwende in der deutschen Industrie ab“, sagte zum Beispiel ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. 

Die unsichere Lage am Persischen Golf bleibt aber trotzdem eine Belastung. Ökonomen erwarten, dass die deutsche Wirtschaft länger mit den Folgen des Iran-Kriegs zu tun haben wird, zum einen wegen der steigenden Energiepreise, zum anderen wegen der Unsicherheiten für die Lieferketten.

Eine schlechte Nachricht gibt es inmitten all der guten Meldungen aber doch. Die Inflation steigt wieder. Sie lag im Juli bei 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist ein deutlicher Sprung nach oben, im Juni hatte sie noch 2,3 Prozent betragen.

Vor allem zwei Gründe gibt es laut den Statistikern, einer hat mit dem Agieren der Bundesregierung zu tun, der andere mit der großen Weltpolitik.

Zum 1. Juli ist der sogenannte Tankrabatt ausgelaufen. Dieser hatte im Mai und Juni die Preise an den Tankstellen gedrückt – und damit auch die Teuerung in Deutschland. Auch wenn die Mineralölkonzerne die 17 Cent Steuererleichterung nicht zu 100 Prozent an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben haben, blieb eine deutliche Entlastung übrig, die nun weggefallen ist.

Außerdem sind die Ölpreise an den Börsen gestiegen. Zwischenzeitlich sprang der Wert für ein Barrel Öl der Sorte Brent über die symbolisch wichtige Marke von 100 US-Dollar. Das führte dazu, dass die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen in Deutschland vielerorts wieder bei mehr als zwei oder um zwei Euro lagen. 

Die hohen Energiepreise sind also eine Belastung für die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher. Weil viele Erzeuger höhere Energiekosten nach und nach auf ihre Preise aufschlagen, könnten Nahrungsmittel teurer werden. Das würde vor allem Geringverdiener hart treffen, die einen großen Anteil ihres Einkommens für Essen und Trinken ausgeben.

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