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15.07.2026
16:08 Uhr
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Gut fünf Jahre nach der Flutkatastrophe von 2021 soll die damals schwer beschädigte Bobbahn am Königssee wieder in Betrieb gehen. Die ersten Wettbewerbe sind für diesen November geplant.

Die Bob- und Rodelbahn wurde durch das schwere Unwetter in der Nacht zum 18. Juli 2021 durch Schutt und Geröll zerstört. Foto: Peter Kneffel/dpa
Schon zuvor hatte es tagelang heftig geregnet, das poröse Karstgestein rund um den Königssee hatte sich vollgesogen wie ein Schwamm. Im Ahrtal in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatte es mehr als 180 Tote gegeben, und als es dann an jenem Samstag vor fünf Jahren bei Berchtesgaden noch einmal zu regnen begonnen hatte, da war das Wasser auch dort nicht mehr aufzuhalten. Zwei Menschen starben bei jener Flutkatastrophe in der Nacht auf den 18. Juli 2021 im Berchtesgadener Talkessel. Das Wasser riss Autos mit, Schlammlawinen drückten sich in mehrere Wohnhäuser – und Wasser, Geröll und Holz von den Hängen des Grünsteins zerstörten den oberen Teil der Bobbahn am Königssee.
Jetzt, fünf Jahre und viele Debatten später, gibt es einen Termin für die Wiedereröffnung des berühmten Eiskanals. Am 11. November dieses Jahres soll am Königssee wieder eine Deutsche Meisterschaft im Rennrodeln ausgetragen werden.
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Der Festakt dazu soll nach Angaben des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD) oben am Bobstart stattfinden. Ungefähr dort werden an jenem Tag genau wie früher die Rennrodlerinnen in die älteste Kunsteisbahn der Welt starten – und dazu bis auf Weiteres auch die männlichen Rodler. Denn den neuen und etwas höher gelegenen Herren-Start wird es frühestes zum Beginn der Wintersport-Saison 2027/28 geben.
Vor allem an dem geplanten 23 Meter hohen Turm für den Herren-Start hatte der Bund Naturschutz (BN) im Berchtesgadener Land heftige Kritik geübt und eine Klage angekündigt. Der Turm hätte den alten Herren-Start ersetzen sollen. Der lag auf der anderen Seite des Klingerbachs, weshalb die Bahn das Bachbett auf einer Brücke überquert hatte. Dies wollen die Planer in Zukunft vermeiden, um nicht wieder eine Stelle zu schaffen, an der sich Wasser, Geröll und Schutt aufstauen können.
Um einen Rechtsstreit und damit eine weitere Verzögerung zu vermeiden, haben sich der BSD und der Landkreis Berchtesgadener Land, dem die Bahn gehört, mit den Naturschützern im vergangenen Jahr auf eine Änderung der Pläne geeinigt. Demnach wird der Herren-Start nun auf der gleichen Bachseite wie der Rest der Bahn gebaut – aber ohne den Turm und dafür etwas weiter den Hang hinauf, um die nötige Länge und Geschwindigkeit für die Rodler zu schaffen. Dafür stellte der BN andere Kritikpunkte zurück wie die grundsätzliche Skepsis, mit der er die Kühlung der Bahn mit Ammoniak betrachtet.
Dass es die ersten Wettkämpfe erst wieder in diesem Herbst geben würde, war schon bei dieser Einigung klar. Grund war aber nicht der Disput mit dem BN, sondern eine Intervention des TÜV. Dessen Prüfer hatten Verunreinigungen in den Schweißnähten von Kühlleitungen entdeckt, die beim Erdrutsch 2021 gar nicht beschädigt worden waren und bis zu jener TÜV-Prüfung als intakt galten. Dies war nicht der erste Rückschlag bei Wiederaufbau der Bahn, der zwar praktisch unmittelbar nach der Flut angekündigt worden war, aber sich immer weiter in die Länge zog.
Statt Bobs, Rennrodeln und den bäuchlings gefahrenen Skeletons sind am Grünstein schon eine ganze Weile schwere Baufahrzeuge unterwegs. Derzeit ist das Gelände wegen der Bauarbeiten auf der gesamten Länge der Bahn abgesperrt. Im kommenden Winter sollen nach den Planungen des BSD auch wieder internationale Wettbewerbe stattfinden, nämlich der Bob- und Skeleton-Weltcup vom 11. bis 17. Januar 2027 und der Rennrodel-Weltcup von 1. bis 7. März, bei dem dann auch die Herren vom Damen-Start in den Eiskanal gehen. Für Ende Januar 2028 ist am Königssee eine Rennrodel-Weltmeisterschaft geplant. Bis dahin soll es auch den neuen Herren-Start geben.
Doch schon mit den ersten Fahrten in diesem Herbst wird für BSD-Sportdirektor Thomas Schwab „eine brutale Zeit“ zu Ende gehen. Fünf Jahre ohne jeden Sportbetrieb am Königssee, „das hat Nachwuchs gekostet“, sagt Schwab. Das sei schon jetzt deutlich zu erkennen, aber im Weltcup werde sich das wohl in den 2030er-Jahren zeigen, wenn der erfolgsverwöhnte deutsche Kufensport vielleicht nicht ganz so viele Seriensieger hervorbringt wie bisher.
Die Bahn am Königssee wird sich nach Schwabs Erwartung bald „auch für die Sportler super anfühlen“. Durch den Verzicht auf den Start-Turm werde sie ihren alten Charakter behalten – sehr zu seiner Freude, wie Schwab selbst bekennt. Drei Kurven oben und vier S-Kurven weiter unten, die alle ineinander übergehen, das gebe es so weltweit nur am Königssee.
Obwohl der Wiederaufbau der Bahn in den vergangenen Jahren immer wieder ins Schlingern geraten ist, zeigt sich Schwab zuversichtlich, dass die Kosten im Rahmen bleiben werden. Und zwar im Rahmen jener gut 53 Millionen Euro, die der Bund und der Freistaat in der Folge der Flutkatastrophe von 2021 dafür zugesagt haben. Sollte das am Ende wirklich gelingen, dann nur deswegen, weil einige Maßnahmen zu Hochwasserschutz und Hangsicherung ausgegliedert wurden und voll vom Freistaat finanziert werden.
Außerdem haben der Landkreis Berchtesgadener Land und der BSD auf einige zwischenzeitlich ins Auge gefasste Extras verzichtet, unter anderem darauf, die Anlage so mit Photovoltaik auszustatten, dass sie den benötigten Strom übers Jahr gerechnet selbst erzeugt. Das will der BSD laut Schwab aber irgendwann durch Solarzellen auf seiner ohnehin besser von der Sonne beschienenen Verbandszentrale im nahen Berchtesgaden erreichen.
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