SZ 27.06.2026
04:24 Uhr

(+) Einzug in die K.-o.-Runde: Die Kapverden sind nicht aufzuhalten


Der drittkleinste WM-Teilnehmer der Geschichte steht sensationell im Sechzehntelfinale – und fordert dort den Weltmeister. Uruguay verabschiedet sich nach einem erneuten Torwartpatzer.

(+) Einzug in die K.-o.-Runde: Die Kapverden sind nicht aufzuhalten

Das Märchen geht weiter: Kapverde hat bei der Fußball-WM sensationell die K.-o.-Runde erreicht. Das 0:0 gegen Saudi-Arabien in Houston reichte dem drittkleinsten WM-Teilnehmer der Geschichte, um mit dem dritten Remis im dritten Spiel als Zweiter der Gruppe H ins Sechzehntelfinale einzuziehen, weil parallel Uruguay mit 0:1 (0:1) gegen Spanien verlor. Auf die Kapverden wartet nun in der Nacht auf den 4. Juli (0 Uhr MESZ) in Miami niemand Geringeres als Weltmeister Argentinien.

Erstmals seit der WM 2006 (damals Ukraine und Ghana) erreichte damit ein Neuling die K.-o.-Runde. Und das zwar ohne Sieg, aber eben auch ungeschlagen. Saudi-Arabien muss mit zwei Punkten als Tabellenletzter die Heimreise antreten.

Am Sonntag spielt Usbekistan gegen die DR Kongo, das überflüssigste Spiel der XXL-WM. Dachte man. Aber der Turnieraufbläher Infantino hat den Underdogs eine Bühne hingestellt, und Kap Verde hat jetzt gezeigt, dass sie sehr viel mehr sind als Lückenfüller.

Die Ausgangslage war klar: Nach den Sensationspunkten gegen die Ex-Weltmeister Spanien (0:0) und Uruguay (2:2) reichte Kapverde ein Sieg sicher für das Weiterkommen, bei einem Remis waren die „Blauen Haie“ auf das Parallelspiel Spanien gegen Uruguay angewiesen.

Aber auch Saudi-Arabien, umstrittener WM-Gastgeber 2034 und trainiert vom gebürtigen Frankfurter Georgios Donis, hatte nach dem Punktgewinn gegen Uruguay (1:1) zum Auftakt mit einem Dreier noch beste Chancen aufs Weiterkommen. Entsprechend nervös gingen es beide Teams an, die ersten Minuten waren geprägt von vielen Fouls, Ungenauigkeiten und wenig Torraumszenen. Ein erster Abschluss der Saudis von Kapitän Salem Al-Dawsari wurde geblockt (18.), auf der Gegenseite scheiterte Willy Semedo am Außennetz (22.). Hassan Al-Tambakti musste verletzt mit der Trage vom Feld (30.).

Auf den Tribünen herrschte ausgelassene Stimmung – besonders bei den kapverdischen Fans, als in der 43. Minute erst das 1:0 von Spanien und anschließend die Live-Tabelle über die Videoleinwände eingeblendet wurde. Torwartheld Vozinha musste erst in der Nachspielzeit bei einem Kopfball von Al-Dawsari erstmals zupacken (45.+2).

Nach dem Seitenwechsel spielte vor allem der Inselstaat, der zu den deutlich besseren Chancen kam. Kevin Pina, der gegen Uruguay das erste WM-Tor des Underdogs erzielt hatte, setzte einen Schuss aus der Distanz nur knapp über das linke Kreuzeck (50.). Laros Duarte (75.) ließ freistehend dazu die beste Möglichkeit des Außenseiters auf die Führung liegen. So blieb es spannend.

Die Entscheidung in der Gruppe brachte dann letztendlich ein Fehler von Uruguays Torwart Fernando Muslera, der Spanien zum 1:0-Sieg gegen Uruguay reichte. Der Europameister zog als Gruppensoeger in die K.-o.-Phase ein, konnte aber kein weiteres Selbstvertrauen sammeln. Gegner könnte am Donnerstag könnte womöglich Österreich mit Nationaltrainer Ralf Rangnick sein.

Für Uruguay endete die WM in einem Debakel. Die „Celeste“ um Kapitän Federico Valverde von Real Madrid fährt nach drei enttäuschenden Auftritten wie vor vier Jahren bereits nach der Vorrunde nach Hause. Kurz vor Schluss sah Agustin Canobbio wegen eines brutalen Einsteigens die rote Karte (90.+4).

Spanien tat sich lange schwer, die Ballkünstler des Mitfavoriten leisteten sich überraschend viele kleine Fehler im Spielaufbau. Das lag vermutlich aber auch an den sehr bissigen, sehr aggressiven Uruguayern – für die Südamerikaner ging es schließlich um alles.

Umso größer war der Schock, als Keeper Muslera kurz vor der Halbzeit erneut bei dieser WM böse patzte. Bei einem Schüsschen von Alex Baena war der 40-Jährige zwar noch dran, doch der nicht besonders gefährliche Ball trudelte ins Tor (42.). Uruguays Trainer Marcelo Bielsa wechselte Muslera zur Strafe aus, zur zweiten Halbzeit ersetzte Sergio Rochet den Oldie.

Uruguay wurde vor 45 065 mit der Zeit immer verzweifelter und wütender, führte die Zweikämpfe teilweise überhart. Ihr Sturm und Drang führte zwangsläufig zu mehr Lücken in der Abwehr – doch Spaniens Offensivmaschine wollte nicht so recht in Gang kommen. Viele Konter wurden zu unsauber ausgespielt, einmal traf Ferran Torres (86.) allein vor dem Tor nur die Latte.

So blieb es bis zum Ende spannend. Doch dann war klar: Spanien spielt weiter um den Titel, Uruguay fliegt nach Hause.

Der 40-jährige Torhüter Vozinha ist der Mann des Spiels beim sensationellen 0:0 der Kapverden gegen Spanien. Nach der Partie kommen ihm die Tränen – auch, weil seine Mutter nicht in die USA einreisen konnte.

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