Für drei Jahrzehnte war nach dem Ende des Ost-West-Konflikts die Idee einer multilateralen, regelbasierten Ordnung die Leitvorstellung der internationalen Politik. Sie basierte auf der Annahme, der Sieg des Westens im Kalten Krieg und die globale Dominanz der USA würden westlichen Wertvorstellungen weltweit zum Durchbruch verhelfen und zu einer friedlicheren Welt führen. Die Vereinten Nationen, durch den Antagonismus von Sowjetunion und USA jahrzehntelang paralysiert, erwachten zu neuem Leben. Global Governance avancierte, so sah es aus, zum Grundprinzip und zum Modus einer kooperativen und konsensualen Politik mit dem Ziel, die universalen Menschenrechte und die Normen des Völkerrechts durchzusetzen. Nicht nur Frieden und Gerechtigkeit sollten sich küssen, wie es schon im Alten Testament heißt, sondern auch Frieden und Demokratie. Endlich schien es eine Chance zu geben für Immanuel Kants Utopie des ewigen Friedens, gegründet auf einen „Föderalismus freier Staaten“.
