SZ 12.03.2026
16:45 Uhr

(+) Champions League: Das alte PSG meldet sich zurück


Nach durchwachsenen Monaten ohne die gewohnte Dominanz gelingt dem Titelverteidiger ein Befreiungsschlag. Dass Paris gegen Chelsea ein völlig neues Gesicht zeigt, liegt maßgeblich an Khvicha Kvaratskhelia.

(+) Champions League: Das alte PSG meldet sich zurück

Erinnerungen an das Finale der Klub-WM im Sommer kamen erst in der Schlussphase auf: Chelseas Flügelspieler Pedro Neto schubste einen französischen Balljungen gegen die Werbebande, weil der ihm die Kugel für einen Einwurf zu langsam übergab, es folgten Handgreiflichkeiten zwischen den Spielern beider Teams. Die Meinungsverschiedenheiten arteten diesmal aber nicht so aus wie im Juli in New Jersey, als es nach dem 3:0-Erfolg der Engländer zu einer handfesten Rauferei kam, in die sogar PSG-Trainer Luis Enrique involviert war (weshalb die englische Boulevardzeitung Sun damals festhielt: „Luis Enrique hat den Verstand verloren“). Diesmal beruhigten sich alle schnell wieder. Ob sich der Balljunge über das Trikot Netos freute, das dieser ihm zur Versöhnung schenkte, ist indes nicht überliefert.

Es darf aber davon ausgegangen werden, dass er das Leibchen von Khvicha Kvaratskhelia lieber gehabt hätte. Der Georgier in Reihen der Pariser avancierte zum Mann des Abends und war maßgeblich daran beteiligt, dass der Titelverteidiger im Achtelfinalrückspiel in einer Woche an der Stamford Bridge kaum mehr ins Wanken kommen dürfte. „Kvaradona“, wie sie ihn einst in Neapel getauft hatten, steuerte eine Torvorlage und die letzten beiden Treffer höchstselbst zum 5:2 (2:1)-Erfolg bei. Dabei war er erst in der 62. Minute eingewechselt worden.

Real Madrid steht nach dem 3:0 gegen Manchester City nahezu sicher im Viertelfinale gegen den FC Bayern. Der herausragende Spieler: Federico Valverde, der seit der Entlassung von Xabi Alonso zeigt, wozu er in der Lage ist.

Bis dahin war die Partie munter hin und her geschwappt. Zunächst beendete Bradley Barcola seine 17 Champions-League-Spiele anhaltende Torflaute mit einem satten Schuss unter die Latte (10. Minute). Dann leistete sich PSG-Torwart Matvey Safonov beim 1:1 von Malo Gusto einen seiner raren Fehlgriffe (28.). Die Gastgeber kamen noch vor der Pause per Konter durch Ousmane Dembélé zum 2:1 (40.).

Nach dem Wechsel meldete sich Chelsea abermals zurück, Enzo Fernández nutzte Fehler von Nuno Mendes und Désiré Doué zum 2:2 (57.). Nun kam Kvaratskhelia für Doué, nach einem schlimmen Patzer des Londoner Torwarts Filip Jörgensen bediente er Vitinha, der per Heber PSG zum dritten Mal an diesem Abend in Führung brachte (74.). Kvaratskhelia selbst erhöhte mit einem fulminanten Schuss (86.) auf 4:2. „Kein Torhüter der Welt hält diesen Ball“, musste Chelsea-Trainer Liam Rosenior einräumen. Dafür hätte Jörgensen das 5:2 verhindern können, diesmal zitterte der Georgier den Ball aus elf Metern eher über die Linie (90.+4) – 5:2, Feierabend.

In den französischen Medien war am Donnerstag schon von einem möglichen Wendepunkt in der bisher so durchwachsenen Saison des letztjährigen Triple-Siegers die Rede. Luis Enrique wollte noch nicht so weit denken: „Es ist auf jeden Fall ein besonderer Moment“, sagte er und lobte die Moral seiner Elf: „Wir haben jedes Mal gelitten, wenn der Gegner den Ausgleich erzielte. Aber wir haben weitergekämpft, um das Ergebnis zu erzielen.“ Nun gelte es, auch das Rückspiel konzentriert anzugehen.

Es ist erstaunlich, wie es PSG innerhalb einer guten Woche geschafft hat, ein völlig neues Gesicht zu zeigen. Noch vor dem Spiel hatte der Coach unter dem Eindruck einer 1:3-Heimpleite in der Ligue 1 gegen Monaco gesagt: „Wir stecken ganz klar in Schwierigkeiten, aber wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir das in den nächsten Spielen ändern können. Aber Selbstvertrauen kann man nicht im Supermarkt kaufen.“

Sein Team hatte sich nicht nur gegen Monaco viel zu viele individuelle Fehler geleistet. Es fehlt seit Monaten an jener Dominanz, die PSG stets ausgezeichnet hatte. Schwache Auftritte gab es zuletzt auch in der Champions League: Von den letzten drei Partien in der Ligaphase hat Paris keine gewonnen, rutschte deshalb noch aus den Top acht der Tabelle. In den Playoffs – ebenfalls gegen Monaco (3:2-Sieg auswärts, 2:2 zu Hause) kam es nur mit viel Glück und vor allem dank der Undiszipliniertheiten des Gegners weiter – Monaco spielte in Hin- und Rückspiel jeweils lange in Unterzahl.

Die Experten fragten sich, woher die Probleme eigentlich rührten.  Die einen führten es auf einen gewissen Sättigungsgrad nach all den Erfolgen der vergangenen Jahre zurück. Doch auch die fehlende Kaderbreite wirkt sich mehr und mehr aus; Paris blieb sowohl im letzten Sommertransferfenster defensiv – die einzigen Zugänge Ilya Zabarnyi und Torwart Chevalier spielen mittlerweile keine Rolle mehr.  Und im Winter wurde nur das 18-jährige Talent Dro Fernandez aus Barcelona geholt. Luis Enrique hat dazu seine eigene Theorie: „Was soll ich mit einem Ersatzspieler, der sowieso nicht besser ist als die anderen? Er wird nicht spielen und nur unzufrieden sein.“

Zuletzt war es auch innerhalb der Mannschaft zu Spannungen gekommen. Ballon-D’Or-Gewinner Dembélé kritisierte nach dem 1:3 in Rennes vor einem Monat öffentlich den Egoismus der Mitspieler: „Wir müssen in erster Linie für den Verein spielen und nicht an uns selbst denken“, sagte der französische Nationalspieler und setzte allerlei Spekulationen darüber in Gang, wen er gemeint haben könnte. Womöglich auch Kvaratskhelia, der allerdings seit Ende Januar wegen einer Knöchelverletzung nicht mehr beschwerdefrei war. Nach seinem denkwürdigen Jokerauftritt dürfte sich jede weitere Diskussion vorerst erübrigt haben.

Der FC Bayern schlägt Bergamo wie im Rausch, der Einzug ins Viertelfinale ist nahezu sicher. Doch drei Verletzungen drücken auf die Stimmung – und zwei Gelbsperren sorgen für Spuren von Heiterkeit.

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