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28.04.2026
11:51 Uhr
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Offen wie selten erzählt Brigitte Macron in einem Interview von den Abgründen, die sich in ihrer Zeit als Première Dame auftaten. Die Ehefrau des französischen Präsidenten ist in einen Strudel aus Fake News geraten, der bis heute nicht endet. Wie erträgt man so etwas?

Ganz oben ist die Welt nicht unbedingt viel heller, vielleicht besteht da sogar eine umgekehrte Korrelation. Brigitte Macron, Gattin des französischen Präsidenten, erzählt in einem seltenen Interview in der jüngsten Ausgabe der Sonntagszeitung La Tribune Dimanche, wie sie die Zeit als Première Dame verändert hat. „Manchmal fällt es mir schwer, das Positive zu sehen.“ Im Französischen gibt es für das Positive den hübschen stehenden Begriff ciel bleu, blauer Himmel. So sagt sie das: „Ich sehe den blauen Himmel nicht mehr.“
Es komme jetzt vor, dass sie in Pessimismus verfalle, was ihr früher nie passiert sei. „Früher hatte ich ein normales Leben, Kinder, einen Job, Höhen und Tiefen. Wie alle anderen Menschen auch“, sagt sie. Die bald zehn Jahre im Palais de l’Élysée, Amtssitz und Residenz französischer Präsidenten und ihrer Gemahlinnen, seien so schnell vergangen, sie seien auch so unerhört intensiv gewesen. „Ich habe die Finsternis der Welt gesehen, die Dummheit, das Böse. Manchmal bin ich so traurig, wie ich es früher nie war.“
Die Abgründe, die sie anspricht, taten sich vor einigen Jahren auf. In obskuren Zirkeln französischer Verschwörungsschwurbler begann die These zu zirkulieren, die „Première Dame de France“ sei in Wahrheit ein Mann: Brigitte sei eigentlich ihr Bruder, Jean-Michel Trogneux. Zunächst, so erzählen es Leute aus ihrer Entourage der Tribune Dimanche, habe man ihr nichts davon erzählt. Zu absurd alles. Im Beraterstab des Élysées dachte man, die Fake News würde wie ein Soufflé implodieren. Doch das war eine Fehleinschätzung.
Candace Owens, eine ultrakonservative Bloggerin aus den USA, bereitete sie für ihre sechs Millionen Abonnenten auf Youtube auf – in einer Serie mit mehreren Beiträgen, alle im Brustton der absoluten Gewissheit vorgetragen. Die Videos hatten hohe Zugriffszahlen. So wurde der Fall, der keiner ist, erst weltberühmt. Brigitte Macron war zwar nicht die einzige Frau in mächtiger Stellung, die in den Strudel einer solchen Lüge geriet: Michelle Obama, Kate Middleton, Neuseelands frühere Premierministerin Jacinda Ardern – von allen hieß es, sie würden der Welt ihr wahres Geschlecht verheimlichen. Doch bei Brigitte Macron hörte der Strudel nicht mehr auf.
Das lag auch daran, dass ihre Beziehung mit Emmanuel Macron keine alltägliche ist. Sie war seine Lehrerin am Gymnasium in Amiens und bereits Mutter von drei Kindern. Heute ist sie 73, er 48. Als sich das Paar vor Macrons erster Wahl zum Präsidenten 2017 in einer Coverstory von Paris Match vorstellte, unterschlugen sie den Umstand, dass der kluge Schüler minderjährig war, als sie einander im Theaterunterricht begegnet waren. Allerdings ließ sich der Altersunterschied leicht ausrechnen: Emmanuel Macron war 15, sie 39. Eine ihrer Töchter war in derselben Klasse wie Emmanuel.
Die Genese dieser Beziehung sollte immer ein Thema bleiben. Politisch aber schadete sie ihm nicht. Und Brigitte Macron ist beliebt: Platz sieben auf der Rangliste der populärsten politischen Persönlichkeiten im Land. Vielleicht trug ihr das dunkle Gerede über ihr Geschlecht zusätzlichen Goodwill ein. Als sie im vergangenen Dezember in den Kulissen eines Pariser Cabaret-Theaters heimlich dabei gefilmt worden war, wie sie vulgär über feministische Aktivistinnen herzog, sah es so aus, dass sie Gunst einbüßen würde im Volk. Sie sagt nun auch, dass das „ein Fehler“ war. Aber sie verlor kein Prozentpünktchen.
Um die Finsternis zu verarbeiten, so erfährt man, schreibt sie ein Tagebuch. Und sie bewege sich viel: Gym am Morgen, eine Stunde Laufen pro Tag, Radfahren am Wochenende in der Zweitresidenz der Präsidenten: „La Lanterne“ in Versailles war früher ein Jagdanwesen.
In einem Jahr ist die Zeit der Macrons im Élysée vorbei. Er war schon zweimal Präsident, eine dritte Amtszeit in Folge sieht die französische Verfassung nicht vor. Monsieur sagte vor ein paar Tagen, er sei vor seiner Präsidentschaft kein Politiker gewesen, er werde es auch danach nicht sein. Aber man wird wohl weiterhin von ihm hören. Madame erzählte unlängst, es fühle sich schon sonderbar an, den Palais bald zu verlassen. Aber vielleicht ist der Himmel dann wieder etwas blauer.
Vier Männer stehen in Paris für ihre Hasskommentare gegen die Gattin des französischen Präsidenten vor Gericht. Sie hatten jahrelang behauptet, Brigitte Macron sei ein Mann. Was nur treibt solche Hater an?
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