|
02.09.2026
11:06 Uhr
|
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat auf einer Bankenkonferenz vor der AfD gewarnt. Er war nicht der einzige Bankchef, der dazu deutliche Worte wählte.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat eindringlich vor einem Wahlsieg der AfD gewarnt und die am Sonntag anstehende Wahl in Sachsen-Anhalt als „Schicksalswahl“ bezeichnet. In seinen Gesprächen mit internationalen Investoren habe das Erstarken populistischer Parteien in Deutschland zuletzt zu den drei wichtigsten Themen gehört, sagte Sewing am Mittwoch auf einer Bankenkonferenz des Handelsblatts in Frankfurt.
Deutschland gelte als verlässlich, nicht zuletzt wegen seiner unabhängigen Institutionen. Ein Wahlsieg populistischer Parteien würde dieses Vertrauen infrage stellen. „Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben. Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.“ Man müsse klar benennen, dass ein solcher Kurs zu Abschottung und Nationalismus führe und keines der bestehenden Probleme löse. „Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet Wachstum.“
Auf die Frage, ob sich Unternehmenschefs früher hätten kritisch zur AfD äußern sollen, sagte Sewing, die Deutsche Bank habe eine gesellschaftliche Aufgabe. Daraus leite er die Pflicht ab, sich klar zu positionieren. Dafür werde er kritisiert, erhalte aber auch viel positive Rückmeldung. Dies sei allerdings erst glaubwürdig möglich, seit die Bank wieder stabil dastehe. „Es wäre schräg gewesen, wenn ich das 2019 gemacht hätte“, sagte Sewing. Heute könne er sich anders positionieren. „Ich werde auch weiterhin öffentlich dafür Stellung beziehen, dass ich diese Partei für absolut falsch halte.“
Zugleich sollten Unternehmen immer wieder darauf dringen, wirtschaftliche Reformen voranzutreiben. „Regierung und Koalitionsparteien sollten nicht über den Rückweg sprechen, sondern das Angekündigte konsequent umsetzen – und dann zügig die nächsten Reformschritte angehen.“
Insgesamt stimme die Richtung, die Wirtschaftsdaten verbesserten sich, sagte Sewing. Das Bruttoinlandsprodukt sei in drei Quartalen in Folge gewachsen. Volkswirte trauen der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr inzwischen ein Wachstum von rund einem Prozent zu, was angesichts des Iran-Krieges erstaunlich sei. „Nächstes Jahr dürfte es Richtung 1,5 Prozent gehen. Damit ist die Lage besser, als sie häufig beschrieben wird“, sagte Sewing.
Zugleich warnte der Chef der Deutschen Bank vor dem starken Anstieg der Renditen an den weltweiten Staatsanleihemärkten. Zuletzt hatten sich viele Investoren von Anleihen getrennt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. In den USA rentieren zehnjährige Staatsanleihen fast bei fünf Prozent. Damit verteuert sich die Aufnahme neuer Schulden.
„Ich sehe hier noch keine explizite Krise“, sagte Sewing. „Aber der Spielraum von Staaten, bei künftigen Krisen gegenzusteuern, wird immer geringer.“ Staaten, Unternehmen und Investoren müssten sich darauf einstellen, dass Kapital knapper und teurer werde – „in einer Zeit, in der enorme Investitionen in Transformation, Sicherheit und Wachstum nötig sind“.
Christian Sewing war nicht der Einzige, der sich auf der Konferenz direkt oder indirekt kritisch zur AfD äußerte. Steven van Rijswijk, Vorstandschef der niederländischen ING, sagte auf die Frage, was ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt bedeuten würde: „Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und ein wichtiger Ausgangspunkt für Investitionen in Europa. Daher brauchen wir eine Regierung, die auf europäischer Ebene in diesem Kontext gut zusammenarbeitet.“ Cornelius Riese, Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, bezog deutlicher Stellung. „Wenn man sich mit den Biografien und Inhalten einzelner Akteure auseinandersetzt, kann ich nur sagen: Mich trennt eigentlich alles von dieser Partei.“
Wer sich kommunalpolitisch engagiert, verschweigt das oft im Büro. Die Förderbank KfW will das ändern. An ihrem Programm beteiligen sich schon einige Unternehmen. Aber was ist mit AfD-Mitgliedern unter den Mitarbeitern?
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: