SZ 16.08.2026
07:20 Uhr

(+) Analyse der deutschen Parteienlandschaft: Die Brandmauer muss weg


Politikwissenschaftler Christian Stecker plädiert für das Ende der „Ausschließeritis“, für Minderheitsregierungen und eine Einbindung der AfD ins Tagesgeschäft. Seine Analyse hat Schwächen, schildert das Dilemma der Union aber treffend.

(+) Analyse der deutschen Parteienlandschaft: Die Brandmauer muss weg
Nicht alle wollen sich auf die Zusagen der Union verlassen: Schild auf einer Demonstration gegen Rechtsextremismus in Berlin im Jahr 2024. Kay Nietfeld/dpa

Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen sind, wenn sie an die Weimarer Republik denken, küchenpsychologisch drei Großängste eingeprägt: die Angst vor einer Inflation, die Angst vor einer Weltwirtschaftskrise und die Angst vor Minderheitsregierungen. Zwölf von 19 Regierungen der 14 Weimarer Jahre waren nicht von einer Parlamentsmehrheit getragen. Die Parteien der demokratischen Mitte oder besser die Anhänger der Demokratie an sich waren zu wenige, sowie die antidemokratischen linken (KPD) und rechten (DNVP, NSDAP) Ränder am Ende zu stark, um die nötige Stabilität zu gewährleisten. Wer heute den Deutschen also eine Minderheitsregierung schmackhaft machen will, braucht sehr gute Argumente, selbst wenn längst bekannt ist, dass die Minderheitsregierungen zwischen 1920 und 1932 keine Ursache für den Zusammenbruch des Parlamentarismus gewesen sind.

In der Heimat von Clemens könnte bald die rechtsextreme, queerfeindliche AfD Sachsen-Anhalt regieren. Das macht ihm Angst. Trotzdem sagt er: Ich werde mich nie wieder verstecken.

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