SZ 13.05.2026
10:03 Uhr

(+) Alexander Zverev in Rom: Eine bittere Niederlage, die immerhin eine kleine Pause bedeutet


Alexander Zverev scheidet im Achtelfinale des Masters in Rom gegen den Italiener Luciano Darderi leichtfertig aus – und sucht danach einen „Lichtblick in einem schlechten Moment“.

(+) Alexander Zverev in Rom: Eine bittere Niederlage, die immerhin eine kleine Pause bedeutet
Er kann's nicht fassen: Alexander Zverev hadert während seines Spiels gegen Luciano Darderi. Alfredo Falcone/LaPresse/AP/dpa

Ein kleines Golfcart immerhin rettete Alexander Zverev am Dienstagnachmittag. Kaum etwas hatte mehr funktioniert, in der finalen halben Stunde dieser Achtelfinal-Partie beim Masters in Rom: In der BNP Paribas Arena, dem kleineren Center Court auf der Anlage des Foro Italico, war von Punkt zu Punkt die italienische Feier immer lauter geworden. 6:0 gewann der 24-jährige Luciano Darderi den dritten Durchgang am Ende gegen Zverev. Er zeigte herausragendes Tennis gegen die Nummer Drei der Weltrangliste, vor einem frenetischen Heimpublikum, das den Triumph in 1:6, 7:6, 6:0 über fast zweieinhalb Stunden begleitete.

Dem Deutschen hingegen blieb am Ende nichts anderes übrig, als die schnelle Flucht: Darderi war noch mit dem Zusammenpacken seiner Sachen auf der Bank beschäftigt, da war Zverev schon auf dem Weg zu dem wartenden Golfcart, das ihn auf schnellstem Wege in Richtung der Umkleidekabine sowie der Interviewzone brachte. Auch dort blieb Zverev gerade einmal etwas mehr als zwei Minuten und verabschiedete sich mit einigen kurzen Erklärungen in eine unverhoffte Ruhepause.

„Ich hätte das Match in zwei Sätzen gewinnen müssen“, sagte der 29-Jährige mehrfach und sichtlich frustriert. Der eindrückliche dritte Durchgang war natürlich ein Thema, mit 0:6 hatte Zverev seit 2023 nur einmal einen Satz verloren, gegen Jannik Sinner im Finale von Paris im vergangenen November: „Der dritte Satz ist klar an ihn gegangen, er hat fantastisches Tennis gespielt“, sagte Zverev, der aber immerhin einen Fluchtweg bei dieser Niederlage ablehnte.

Das parteiische Publikum, sagte Zverev, sei trotz der regelmäßigen Zwischenrufe „fair“ gewesen: „Ich habe kein Problem mit den italienischen Fans. Ich genieße das. Ich finde, sie sind energetisch. Sie sind leidenschaftlich bei ihren eigenen Spielern, das ist komplett in Ordnung“. Sie haben Zverev in seiner Karriere auch schon unterstützt: 2017 und 2024 gewann er in Rom zweimal den Titel, der Respekt unter den Italienern für ihn ist auch deshalb vorhanden. Kritik am Turnier allerdings äußerte Zverev dennoch.

„Dieser Platz – ich glaube, das ist der schlechteste Platz, auf dem ich je gespielt habe. Ob bei Junioren, Profis, Futures oder im Training: Ich habe noch nie auf einem Platz gespielt, dessen Zustand so schlecht war“, sagte Zverev und beschrieb gleich mehrere Szenen: „Ich habe einen Matchball und der Ball springt mir über den Kopf. Ich habe einen Breakball und der Ball rollt einfach weg.“ Zverev ist nicht der Erste, der den Platz auf dem kleinen Center Court in dieser Woche kritisierte. Insgesamt viermal versprang Zverev während des Matches der Ball, mitunter bei entscheidenden Punkten. Dass einmal, zum Ende des knappen zweiten Satzes, erst dann die Seite des Courts präpariert wurde, als Darderi dort spielte, war ebenfalls bemerkenswert.

Zverev aber nannte in seiner kurzen Interview-Zeit noch einen anderen Grund für die Niederlage in drei Sätzen. Die vergangenen Tage hatte er sich mit einer Erkrankung durch das Turnier geschleppt, am Vortag allerdings trotzdem das Doppel mit seinem Partner Marcelo Melo bestritten (und in zwei Sätzen verloren): „Ich bin müde geworden“, sagte Zverev: „Ob es die Krankheit war oder einfach, weil ich viel Tennis gespielt habe … es ist sicher einer der Gründe.“

Seit dem Masters-Turnier in Indian Wells Anfang März war Zverev bei jedem seiner Auftritte mindestens ins Halbfinale eingezogen, auch die vielen Stunden bei diesen Matches machten sich wohl bemerkbar. Und womöglich liegt darin auch ein kleiner Hoffnungsschimmer: „Vielleicht ist das ein bisschen ein Lichtblick in einem schlechten Moment“, sagte Zverev: „Ich kann mich jetzt ausruhen und aufladen und dann mit 100 Prozent in die French Open reingehen.“ Das zweite Major-Turnier des Jahres findet ab dem 24. Mai in Paris statt, davor wird Zverev noch in Hamburg antreten. Und, womöglich eine weitere gute Nachricht, somit frühestens erst in einigen Wochen wieder auf Jannik Sinner treffen.

Bei vier der vergangenen fünf Turniere in diesem Frühjahr scheiterte Zverev im Halbfinale oder Finale an Sinner, dem derzeit überragenden Italiener, der auch in Rom ohne Satzverlust durch seine ersten drei Runden spazierte. Unschlagbar wirkt der Weltranglistenerste derzeit: „Ja, das ist aktuell der Fall“, gab auch Zverev zu, verabschiedete sich dann aber mit einer kämpferischen, wenngleich auch etwas fatalistischen Ansage aus Rom: „Ich muss einfach daran glauben, dass ich ihn schlagen kann. Ich muss es einfach glauben, sonst können wir ihm den Pokal gleich überreichen, ohne das Turnier zu spielen.“

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