SZ 27.07.2026
15:55 Uhr

(+) 40 Jahre Grüne im Parlament: Nix mehr Premium-Opposition


1986 zogen die Grünen in den bayerischen Landtag ein, als Außenseiter. Heute, im Jahr 2026, würden sie am liebsten mit der CSU regieren. Erste Annäherungen soll es schon damals gegeben haben.

(+) 40 Jahre Grüne im Parlament: Nix mehr Premium-Opposition

Dunkelblauer Blazer, Janker, Kleid, die sechs Herrschaften machen auf den ersten Blick keinen allzu aufrührerischen Eindruck. Verdienstorden haben sie bekommen und Verfassungsmedaillen für ihr Bemühen um den Freistaat Bayern, das hätte vor 40 Jahren kaum jemand seriös vorhersagen können. Damals zogen die Grünen zum ersten Mal in den bayerischen Landtag ein, 15 Abgeordnete mit 7,5 Prozent der Stimmen.

Was war das für ein Aufruhr im sonst so gemütlich-bürgerlichen Parlament. Wie die schon aussahen! Strickpullover und Rauschebärte, zur konstituierenden Sitzungen brachten sie Sonnenblumen mit und durch den Reaktorunfall in Tschernobyl verstrahltes Heu.

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Am Montag sind die Revoluzzer von damals ins Maximilianeum zurückgekehrt, die Geschichten davon erzählen sie immer noch gerne. 21 Fraktionsvorsitzende hatten die Grünen seitdem im Landtag, meist in Doppelspitzen, anfangs im Trio und gerade führt Katharina Schulze den Laden alleine. Das kann man auch als Machtanspruch deuten.

Wie sie nun da sitzen, optisch längst nicht mehr von Abgeordneten anderer Parteien zu unterscheiden, stellt sich die Frage, wer sich wem angepasst hat – die Grünen dem Landtag oder umgekehrt. Es wird eine Mischung sein, das sagen sie selber. „Wir haben den Landtag verändert und uns selbst“, sagt Schulze und definiert das nach dem Einzug ins Parlament als zweite Phase. Die dritte überschreibt sie mit: „Wir verändern Bayern“. Und in einer vierten soll regiert werden.

Auch das hätte vor 40 Jahren kaum jemand prophezeit, dass die Grünen regieren wollen – und zwar mit der CSU. Anders wird es nicht gehen in Bayern, da braucht es keine komplizierten Rechenspiele. Von Premium-Opposition ist keine Rede mehr, auch jene, die sich einst von Franz Josef Strauß als „fünfte Kolonne Moskaus“ verunglimpfen lassen mussten, würden heute mit dessen Nachfolgern koalieren. Wenn die Umstände stimmen, natürlich.

„Nicht mit dem Weißwurst-Söder“, sagt der frühere Fraktionschef Thomas Mütze. „Wenn der Koalitionsvertrag passt“, sagt der mit 27 Jahre Landtagszugehörigkeit dienstälteste Grünen-Abgeordnete Christian Magerl.

Margarete Bause, die insgesamt 14 Jahre Fraktionssprecherin war und zusammen mit Christine Scheel 1986 jüngste Abgeordnete, weiß von frühen Annäherungen zu berichten. Schon einmal habe es eine schwarz-grüne Koalition im Landtag gegeben, jene der Frauen nämlich. Die begehrten damals auf, da die Sauna im Maximilianeum allein den Männern vorbehalten war. Einen Tag für die Frauen forderten die weiblichen Abgeordneten von Grünen und CSU. Ohne Unterstützung der SPD-Frauen übrigens, die sich für eine gemischte Sauna aussprachen. Das schwarz-grüne Bündnis setzte sich durch. Zunächst, dann sei das Angebot mangels Interesse eingestellt worden, erzählt Bause. Aber das ist ja auch schon 40 Jahre her.

Er war Generalsekretär, Minister, 40 Jahre lang Abgeordneter – und scheiterte als Parteichef. Erwin Huber hat die CSU über Jahrzehnte geprägt, inzwischen als Mahner von der Seite. Am Sonntag wird er 80 Jahre alt.

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