Heise 16.03.2026
14:26 Uhr

Wurlitzer E-Pianos: Kultmarke kommt zurück nach Deutschland


Nach Jahren im Besitz großer Konzerne liegt die Marke wieder bei der Familie. Ein Gespräch über Plug ins, Markenstrategie und neue Instrumente.

Wurlitzer E-Pianos: Kultmarke kommt zurück nach Deutschland

Die legendären E-Pianos der Marke Wurlitzer sollen zurückkommen. Mehr als ein halbes Jahrhundert prägten sie den Klang von Soul, Jazz und Pop. Künstler wie Supertramp, Beck oder Joe Zawinul stehen exemplarisch für den Wurlitzer-Sound und prägten wegweisende Aufnahmen. Die originalen Instrumente sind jedoch schwer zu bekommen, dazu teuer und wartungsaufwendig. Plug-ins, die exakt den Klang des Originals nachbilden, sind attraktiv fürs digitale Studio.

Die Marke Wurlitzer war lange vom Markt verschwunden. Die Namensrechte haben nach einer langen Odyssee von Übernahmen zwischen Banken und Konzernen den Weg aus Amerika zurück nach Deutschland gefunden. Die hier ansässige Familie Wurlitzer beabsichtigt, die Marke über die neu gegründete Wurlitzer Licensing UG (Neustadt a. d. Aisch) wiederzubeleben.

Den Anfang macht ein offizielles Plug‑in des legendären Wurlitzer 200A, entwickelt in Zusammenarbeit mit Rhodes (ob es gelungen ist, lesen Sie in unserem Test des offiziellen Plug-ins Wurlitzer 200A). Wir haben mit Luise Wurlitzer, Chefin der neuen Wurlitzer Licensing UG, über den Hickhack um die Namensrechte und die Pläne für künftige Instrumente gesprochen.

Mein Zweig der Familie, der in Deutschland geblieben ist, hat beispielsweise die Herbert Wurlitzer Klarinettenmanufaktur gegründet. So splitten sich die Geschichten der Familienzweige auf.

Die Marke ist immer noch sehr stark, aber wenn wir jetzt nichts mit ihr tun, stirbt sie irgendwann aus. Wir hatten zu Beginn eine kleine Markenstudie in den USA gemacht. Dabei kam raus, dass rund 30 Prozent der US-Bevölkerung den Namen noch kennt. Das ist Wahnsinn, vor allem wenn man bedenkt, dass der Bekanntheitsgrad gerade bei den Älteren noch viel größer ist.

Klar ist auch das elektromechanische Piano ein Thema. Da war es ein natürlicher Schritt, es erstmal als Plug-in herauszubringen. Wir müssen aber realistisch sein, denn wir bauen zwar Klarinetten, sind aber kein Softwareentwickler. Da war es fast natürlich, auf Rhodes zu kommen für das Plug-in.

Das Wurlitzer 200A war ja immer bekannt für seinen "bite", dieses Kippen ins Aggressive, je nach Anschlag. Ein Plug-in wird vielleicht nie ein Original ersetzen, aber das kommt schon echt nah dran.

Zweitens schauen wir uns sehr gezielt den Consumer Audio Bereich an. Die Marke Marshall ist diesen Weg recht erfolgreich gegangen. Aber uns ist wichtig, nicht ein reines Lifestyle-Produkt zu sein, sondern für hohe Qualität zu stehen.

(hag)